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Indonesien Bali-Bomber hingerichtet


Rund sechs Jahre nach den Terroranschlägen von Bali sind in Indonesien die drei Drahtzieher durch ein Erschießungskommando hingerichtet worden. Aus Sorge vor Racheakten muslimischer Extremisten verschärften die Behörden landesweit die Sicherheitsvorkehrungen.

Unter wütenden Rachedrohungen sind am Sonntag in Indonesien die drei Bali-Bomber hingerichtet und beerdigt worden. Die Terroristen waren wegen ihrer Rolle bei den Bombenanschlägen vor sechs Jahren auf der Ferieninsel Bali zum Tode verurteilt worden. Dabei kamen 202 überwiegend ausländische Touristen ums Leben, darunter sechs Deutsche. Hunderte radikale Muslime nahmen an den Begräbnissen teil und verlangten nach Angaben von Augenzeugen lautstark Vergeltung für den Tod der Attentäter. In ganz Indonesien waren die Sicherheitskräfte aus Sorge vor Racheakten seit Tagen in Alarmbereitschaft. Australien warnte vor Reisen nach Indonesien.

Hinrichtung kurz nach Mitternacht

Die Brüder Amrozi (46) und Ali Ghufron alias Mukhlas (48) sowie Imam Samudra (38) wurden um kurz nach Mitternacht auf der Gefängnisinsel Nusakambangan vor der Südküste Javas von Erschießungskommandos hingerichtet. Ihre Leichen wurden mit Hubschraubern in ihre Heimatdörfer in Ost- und West-Java gebracht.

Dort warteten hunderte aufgebrachter Anhänger radikaler Muslim-Organisationen. Die Särge von Amrozi und Mukhlas wurden in Tenggulun mit großen Plakaten "Willkommen zu Hause, Märtyrer" empfangen. "Gott ist groß!" skandierten die Trauergäste, als die Särge ankamen. Sie beschimpften westliche Reporter als Ungläubige und drohten, dass das muslimische Blut der Männer nicht folgenlos vergossen worden sei. Es kam zu mehreren Zusammenstößen mit Sicherheitskräften, ein Beamter wurde verletzt. In Serang nicht weit von Jakarta wurde der Sarg von Samudra in eine schwarze Fahne mit Koranversen gehüllt durch die Straßen getragen. Seine Witwe verlas einen offenen Brief: "Wir hoffen, Allah gibt ihnen das Beste und fügt denjenigen, die diese unfaire Behandlung (der Attentäter) zu verantworten haben, das Schlimmste zu."

Haupttäter sitzt noch in Guantànamo

Samudra hatte den Anschlag geplant, Mukhlas war der Finanzier, der auch El Kaida-Anführer Osama bin Laden traf und Amrozi der Mechaniker, der den Sprengstoff und das Auto für den Anschlag besorgte. Ein weiterer Bruder der beiden ist wegen seiner Rolle bei dem Anschlag zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Als Drahtzieher gilt aber Hambali, der 2003 in Thailand gefasst wurde und seitdem von den Amerikanern in Guantànamo festgehalten wird.

Amrozi, Mukhlas und Samudra waren Mitglieder der Terrororganisation Jemaah Islamiyah (JI). Sie hatten ihre Tat als Vergeltung für die US-Invasion in Afghanistan und im Irak bezeichnet und nie bereut. Auf das Konto der JI gehen auch Kirchenanschläge in Indonesien Weihnachten 2000, ein weiterer Bali-Anschlag 2005 mit 23 Toten, sowie die Anschläge auf das Marriott Hotel in Jakarta 2004 und die australische Botschaft 2005.

Sorge vor Racheakten

Auf Bali beteten unterdessen mehrere Dutzend Einheimische und ausländische Touristen an dem Denkmal für die 202 Opfer. An der Vergnügungsmeile Kuta waren am 12. Oktober 2002 zwei Sprengsätze explodiert - einer in einer Strandbar und kurz darauf vor einer Diskothek, wohin die Barbesucher geflohen waren. "Wir sind froh, dass die Regierung in diesem Land Gerechtigkeit walten ließ", sagte die Witwe eines Opfers, Hayati Eka Laksmi, nach Angaben des Nachrichtendienstes Kompas.com.

Aus Sorge vor möglichen neuen Anschlägen wurden unter anderem Touristenziele und westliche Ölunternehmen streng bewacht, wie die Polizei mitteilte. Die höhere Alarmstufe gelte mindestens bis zur nächsten Woche, hieß es. Australien verschärfte seine Reisehinweise für Indonesien und Außenminister Stephen Smith warnte im Fernsehen vor Racheakten. Ein Großteil der Opfer der Bali-Anschläge stammte aus dem Land.

Reuters Reuters

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