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Infografik: Der Sieger bekommt alles

Um ins Weiße Haus einzuziehen, muss ein Kandidat die absolute Mehrheit von 270 Wahlmännerstimmen erhalten. Das Augenmerk gilt den heiß umkämpften "Swing States". Ein Überblick.

Das System zur Wahl des US-Präsidenten stammt aus dem 18. Jahrhundert. Während Experten für internationales Wahlrecht es als völlig antiquiert bezeichnen, halten die Amerikaner unbeirrt daran fest. Der Kernpunkt: Der Präsident wird nicht direkt vom Volk gewählt, sondern von einem Gremium von Wahlmännern und -frauen. Wer mindestens 270 Stimmen auf sich vereint, ist der Sieger. Das System macht es wie vor vier Jahren im Rennen zwischen dem Republikaner George W. Bush und dem Demokraten Al Gore möglich, dass ein Politiker ins Weiße Haus einzieht, der nicht die Mehrheit der Stimmen des Volkes (popular vote) auf sich vereinigt hat.

"Electoral College" wird das 538-köpfige Wahlmännergremium in den USA genannt. Jeder einzelne Bundesstaat ist darin vertreten - wie stark, das orientiert sich an seiner Präsenz in den beiden Kammern des US-Kongresses. Das Minimum liegt bei drei (z. B. Alaska). Die meisten Wahlmänner und -frauen hat zurzeit Kalifornien mit 55, gefolgt von New York mit 31 und Florida mit 27. Auf welche Weise die Mitglieder des "Electoral College" bestimmt werden, ist von Staat zu Staat verschieden.

Hauchdünne Siege

Bis auf wenige Ausnahmen gilt das Prinzip "the winner takes it all" - der Sieger bekommt alles. Das heißt: Die Wahlmänner-Stimmen des jeweiligen Staates werden komplett jenem Kandidaten zugeordnet, der im Staat die meisten Wählerstimmen erhalten hat. So heimste im Jahr 2000 Bush alle damals 25 Stimmen Floridas im "Electoral College" ein, obwohl er in dem Staat nach amtlichem Ergebnis nur über 537 Wählerstimmen mehr als Gore verfügte. Wären die Wahlmänner-Stimmen proportional verteilt worden, hätten Bush 13 und Gore 12 zugestanden. Gore wäre Präsident geworden. Entgegen der Legende war die Wahl nicht nur in Florida knapp, auch der Demokrat Al Gore hatte hauchdünne Siege zu verbuchen.

Nur zwei Staaten - Maine und Nebraska - verteilen ihre Wahlmännerstimmen nach einem proportionalen Schlüssel. In diesem Jahr könnte Colorado hinzukommen: Hier wird in einem Volksentscheid am 2. November, dem Tag der Präsidentschaftswahl, über eine Aufsplittung der Wahlmännerstimmen im Verhältnis zum direkten Wählervotum abgestimmt. Wird die Initiative gebilligt, dann würde das neue System in Colorado schon bei diesem Rennen ums Weiße Haus angewendet - mit möglicherweise wahlentscheidender Bedeutung.

Ein Großteil des mittleren Westens und des Südens wählt sicher republikanisch. Der größte Bundesstaat Kalifornien war bislang ein sicheres Terrain für die Demokraten, auch wenn Bush nach Arnold Schwarzeneggers Triumph bei den Gouverneurswahlen Hoffnung schöpft. Das Rennen wird wohl in den so genannten Swing States (z. B. Ohio, Florida, Pennsylvania) entschieden. Hier tobt die Schlacht der Werbemittel, um den jeweiligen Bundesstaat in das eigene Lager zu ziehen.

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Im folgenden eine Liste der entscheidenden Staaten mit den Ergebnissen der letzten Wahl:

2000 siegte Bush mit knappem Vorsprung in:

US-BundesstaatVorsprungWahlmänner
Florida537 Stimmen/0,01% Stimmen27 Wahlmänner
New Hampshire7.211 Stimmen/1,3% Stimmen4 Wahlmänner
Missouri78.786 Stimmen/3,3% Stimmen11 Wahlmänner
Nevada21.597 Stimmen/3,5% Stimmen5 Wahlmänner
Ohio166.735 Stimmen/3,5% Stimmen20 Wahlmänner
Tennessee80.228 Stimmen/3,9% Stimmen11 Wahlmänner
Arkansas50.172 Stimmen/5,4% Stimmen6 Wahlmänner
West Virginia40.978 Stimmen/6% Stimmen5 Wahlmänner
Arizona96.311 Stimmen/6,3% Stimmen

2000 siegte Gore mit knappem Vorsprung in:

US-BundesstaatVorsprungWahlmänner
New Mexico366 Stimmen/0,06% Stimmen5 Wahlmänner
Wisconsin5.708 Stimmen/0,2% Stimmen11 Wahlmänner
Iowa4.144 Stimmen/0,3% Stimmen7 Wahlmänner
Oregon6.765 Stimmen/0,4% Stimmen7 Wahlmänner
Minnesota58.608 Stimmen/2,4% Stimmen10 Wahlmänner
Pennsylvania204.840 Stimmen/4,2% Stimmen21 Wahlmänner
Maine33.335 Stimmen/5,1% Stimmen4 Wahlmänner
Michigan217.279 Stimmen/5,1% Stimmen17 Wahlmänner
Washington138.788 Stimmen/5,6% Stimmen