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Irak: "Chemie-Ali" gefasst

Der als "Chemie-Ali" bekannt gewordene Cousin des entmachteten irakischen Staatschefs Saddam Hussein, Hassan Ali el Madschid, ist gefasst.

Der als "Chemie-Ali" bekannt gewordene Cousin des entmachteten irakischen Staatschefs Saddam Hussein, Hassan Ali el Madschid, ist gefasst. Der 65-Jährige, der auf der Fahndungsliste des US-Zentralkommandos als Nummer 5 geführt wurde, gilt als einer der meistgehassten Männer im Irak. Seinen Beinamen bekam Madschid wegen des Giftgaseinsatzes gegen die kurdische Kleinstadt Halabscha im August 1988, bei dem rund 5000 Menschen qualvoll starben. Über die näheren Umstände seiner Gefangennahme machte das US-Militär am Donnerstag keine Angaben. Der US-Sender CNN berichtete, Madschid sei bereits seit einigen Tagen im US-Gewahrsam.

Wegen seiner Brutalität berüchtigt

Er gehörte zu den Schlüsselfiguren des Saddam-Regimes und war wegen seiner Brutalität in der irakischen Bevölkerung berüchtigt. Zuletzt war er während des Irak-Krieges Kommandeur der irakischen Südfront. Berichte, er sei bei einem Bombenangriff auf Basra im April ums Leben gekommen, wurden später wieder zurückgenommen.

Giftgaseinsatzes gegen Kurden

Wegen seines Giftgaseinsatzes gegen die Kurden im Nordirak hatte Madschid vor 15 Jahren weltweit für Schlagzeilen gesorgt. Als Gouverneur in der Nordprovinz Kurdistan (1987-1989) hatte er Angriffe der irakischen Armee mit tödlichem Nervengas angeordnet. Während der siebenmonatigen Besetzung Kuwaits vor dem Golfkrieg von 1991 war Madschid Gouverneur des als "19. Provinz des Iraks" annektierten Emirates. Er wurde für zahlreiche Gräueltaten an der kuwaitischen Zivilbevölkerung mitverantwortlich gemacht. Nach dem Ende des Golfkrieges soll Madschid die Niederschlagung der regimefeindlichen Unruhen der Schiiten in der südirakischen Stadt Basra geleitet haben.

Der Exekutor

Von 1991 bis 1995 war Madschid Innen- und Verteidigungsminister. Ende der 90er Jahre wurde sein Name vor allem im Zusammenhang mit brutalen Aktionen gegen Abtrünnige des Regimes genannt. So soll er selbst zwei Angehörige einer Spezialeinheit wegen Geheimnisverrats öffentlich enthauptet haben.

Ermittlungen zu dem Anschlag auf das UN-Hauptquartier

Im Irak gingen unterdessen die Ermittlungen zu dem schweren Autobombenanschlag auf das UN-Hauptquartier in Bagdad am Dienstag weiter. Der stellvertretende Innenminister im Provisorischen Übergangsrat, General Ahmed Ibrahim, sagte in Bagdad, die irakischen Ermittler hätten von den Tätern bislang keine Spur. Nach Angaben Ibrahims wurden bei dem Anschlag 24 Menschen getötet und 86 weitere verletzt. Ibrahim wies Äußerungen des Chefs des Irakischen Nationalkongresses (INC), Ahmed Chalabi, zurück, wonach es vorab Hinweise auf einen möglichen Anschlag auf das UN-Gelände gegeben habe.

USA streben neue Resultion des UN-Sicherheitsrates an

US-Außenminister Colin Powell bestätigte unterdessen, dass die USA nach dem Anschlag eine Resolution des UN-Sicherheitsrates über eine verstärkte internationale Militärhilfe bei der Befriedung des Iraks anstreben. Die USA stünden darüber im Kontakt mit zahlreichen Ländern, sagte Powell nach einem Gespräch mit UN-Generalsekretär Kofi Annan in New York. Powell machte deutlich, dass zusätzliche Truppen unter dem Kommando der USA stehen müssten. Annan erklärte, ein Chaos im Irak könne nicht im Interesse der internationalen Gemeinschaft sein.

Am Donnerstag wollte sich der Weltsicherheitsrat hinter verschlossenen Türen erneut mit der Lage im Irak beschäftigen. Der Rat hatte den Anschlag auf das UN-Hauptquartier in der Nacht zum Donnerstag einstimmig verurteilt und erklärt, er sei nach wie vor entschlossen, der irakischen Bevölkerung bei der Herstellung von Frieden und Recht in ihrem Land zu helfen und sie beim Aufbau einer eigenen politischen Zukunft zu unterstützen.

Bedrohung falsch eingeschätzt

Nach Ansicht von Annan haben die USA und ihre Koalition die Bedrohung für das UN-Hauptquartier in Bagdad falsch eingeschätzt. Ohne mit dem Finger auf jemanden zeigen zu wollen, gebe es für ihn keinen Zweifel daran, dass "Fehler begangen wurden, auf Seiten der Koalition und vielleicht auch bei uns", sagte Annan am Mittwochabend.

Nach den Worten von Verteidigungsminister Donald Rumsfeld können die USA die Sicherheit im Irak nicht "in jeder Straße und an jeder Ecke" garantieren. Dies sei in einem Land von der Größe des US- Bundesstaats Kalifornien nicht möglich, sagte Rumsfeld bei einem Kurzbesuch in Honduras. Der Minister schloss die Entsendung zusätzlicher US-Truppen in den Irak aus.

Festnahme mehrerer Verwandter Saddam Husseins

Die US-Streitkräfte in Irak haben mehrere Angehörige und Vertraute des gestürzten Staatschefs Saddam Hussein gefangen genommen. Sie seien am späten Mittwochabend bei einer Razzia in Bakuba, 70 Kilometer nordöstlich von Bagdad, gefasst worden, sagte Generalmajor Ray Odierno am Donnerstag in Tikrit. Zur genauen Zahl und zur Identität der Festgenommenen wollte er keine Angaben machen.

Saddam Hussein habe sich nicht in Bakuba aufgehalten, sagte Odierno weiter. „Er wird weiter ständig umziehen müssen, oder wir werden ihn fangen.“ Saddam Hussein bewege sich vermutlich im so genannten sunnitischen Dreieck, einer Region westlich und nördlich von Bagdad, erklärte Odierno vor Journalisten. Zuvor hatten die USA bereits die Festnahme des als „Chemie-Ali“ bekannten Ali Hassan el Madschid bekannt gegeben.