Irak Blutige Zusammenstöße in Nadschaf

Bei gewaltsamen Zusammenstößen zwischen Besatzungssoldaten und Anhängern des radikalen Schiiten- Predigers Muktada el Sadr sind in der heiligen Stadt Nadschaf 20 Iraker getötet worden.

Bei blutigen Ausschreitungen zwischen Anhängern eines Geistlichen und Koalitionstruppen sind in der schiitischen Pilgerstadt Nadschaf 14 Iraker und vier Soldaten aus El Salvador getötet worden. Nach Krankenhausangaben wurden 130 weitere Menschen verletzt. Bei zwei Anschlägen in Städten nördlich von Bagdad wurden zudem sechs weitere Iraker getötet.

Rund 5.000 Anhänger des radikalen Schiitenführers Muktada el Sadr waren vor dem Militärstützpunkt der Koalition in Nadschaf zusammengekommen. Sie protestierten gegen die Verhaftung des Mullah-Beraters Mustafa el Jakubi vom Samstag. Plötzlich seien aus der Menschenmenge Schüsse auf die Garnison gefeuert worden, erklärte das spanische Verteidigungsministerium.

Selbstverteidigung spanischer Soldaten

Die Soldaten unter spanischem Kommando hätten zur Selbstverteidigung das Feuer erwidert. Vier salvadorianische Soldaten seien getötet und neun weitere verletzt worden. Die toten und verletzten Iraker wurden in mehreren Krankenhäusern von Nadschaf behandelt. Die Anhänger von Prediger Sadr waren schon zuvor aufgebracht, weil die Besatzungsbehörden vor einer Woche die Zeitung des Geistlichen wegen der Anstachelung zu Anschlägen verboten hatten.

Proteste auch in Bagdad

Auch in Bagdad kam es zu Protesten gegen die Festnahme Jakubis. Mehrere hundert Angehörige von Sadrs Miliz, der El-Mahdi-Armee, paradierten am Firdaus-Platz. Die Polizei feuerte Warnschüsse ab, nach Augenzeugenberichten wurden zwei Demonstranten verletzt.

US-Verwaltung ernennt Verteidigungsminister

Unter dem Eindruck der anhaltenden Gewalt gab die US-Verwaltung am Sonntag die Ernennung eines irakischen Verteidigungsministers sowie eines Geheimdienstchefs bekannt. Für die Streitkräfte des Landes wird der bisherige Wirtschaftsminister Ali Allaui zuständig sein. Den Geheimdienst soll der frühere Luftwaffenoffizier Mohammed el Schewani leiten.

Wieder tote US-Soldaten

Am Samstag wurden zwei US-Marineinfanteristen getötet. Sie fielen an verschiedenen Orten in der Provinz Anbar Anschlägen zum Opfer. Damit verloren seit Kriegsbeginn 600 US-Soldaten in Irak ihr Leben - 410 bei Kampfhandlungen oder Anschlägen und 190 ohne Feindeinwirkung.

Mehrere Tote am Samstag

An einer Straßensperre in Samarra, rund 100 Kilometer nördlich von Bagdad, wurden am Sonntag drei irakische Sicherheitskräfte getötet. Bei der Explosion einer Autobombe in der nördlichen Stadt Kirkuk starben drei Zivilpersonen, wie die Polizei mitteilte. Am Samstag wurde der Polizeichef der südlich von Bagdad gelegenen Stadt Mahmudija in seinem Auto erschossen. Tags zuvor war der Polizeichef der südirakischen Stadt Kufa getötet worden. Bei einem weiteren Angriff auf eine Polizeipatrouille kamen am Samstag ein Beamter und ein Passant ums Leben.

Erstmals wurden am Samstag auch in zwei irakischen Schulen Bomben entdeckt. Amerikanische und irakische Sicherheitskräfte in Ramadi entschärften einen der Sprengsätze, der zweite wurde kontrolliert zur Explosion gebracht.

AP AP

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