Irak Blutiger Sonntag


Der Irak ist am Sonntag erneut Schauplatz einer Serie von Gewalttaten mit Dutzenden Toten gewesen. Der britische Sender BBC sprach von etwa 70 Toten. Auch am Montag starben wieder Menschen bei US-Luftangriffen.

Die US-Streitkräfte haben am frühen Montagmorgen die sunnitische Widerstandshochburg Falludscha im Irak mit Flugzeugen und Panzern angegriffen. Dabei starben mindestens elf Menschen, zehn weitere wurden verletzt, teilten Krankenhausärzte in der Stadt mit. Eine Panzergranate traf einen Krankenwagen, der Fahrer und sein Begleiter starben. Die Bomben schlugen in dem selben Viertel ein, in dem auch das Krankenhaus liegt.

Die amerikanischen Soldaten bombardierten damit erstmals seit Monaten Ziele in der Innenstadt. Bislang richteten sich die US- Luftangriffe gegen mutmaßliche Terroristen-Verstecke vor allem an der südlichen und östlichen Peripherie von Falludscha.

Wie das US-Militär am Montag in Bagdad erklärte, richtete sich der "Präzisionsschlag" gegen den "bestätigten Ort eines Treffens von Abu- Mussab-el-Sarkawi-Terroristen". Zum Zeitpunkt des Luftangriffs hätten sich dort nur Angehörige des Netzwerks des jordanischen Terroristen El Sarkawi aufgehalten. Der Schlag sei "wirksam und genau" gewesen und habe "das Leben unschuldiger Zivilisten verschont".

Powell: Bis zur Wahl alles "unter Kontrolle"

Die BBC-Reporterin berichtete aus Bagdad, auch mehr als zwei Monate nach der Machtübergabe an die irakische Übergangsregierung hätten weder die irakischen Sicherheitskräfte noch die US-Truppen die Lage in der Hauptstadt unter Kontrolle. US-Außenminister Colin Powell sagte, die Koalitionstruppen machten im Irak eine "schwierige Zeit" durch. Doch werde der Aufstand bis zu den für Januar 2005 geplanten Wahlen "unter Kontrolle" gebracht werden. Das sei keine "unmögliche Aufgabe", betonte Powell im US-Fernsehsender NBC am Sonntag.

Allein im Stadtzentrum von Bagdad starben nach US-Angaben bei Kämpfen zwischen US-Soldaten und Aufständischen am Sonntag etwa 30 Menschen, Dutzende seien verletzt worden. In Ramadi 100 Kilometer westlich von Bagdad, griffen die Rebellen an mehreren Stellen US- Verbände an, berichteten Augenzeugen. Nach Angaben von Krankenhausärzten wurden dabei 11 Menschen getötet und 41 verletzt. In US-Medienangaben hieß es, es seien fast 200 Menschen bei Gewalttaten verletzt worden.

Nach der Entführung zweier Italienerinnen im Irak reist der römische Außenminister Franco Frattini zu Gesprächen an den Golf. Erste Station seiner Reise sei am Montag Kuwait, teilte das Außenministerium in Rom am Sonntag mit. Dort spreche er mit Regierungsstellen sowie mit religiösen Vertretern, hieß es. Ziel sei die Freilassung der beiden Frauen. Einzelheiten wurden nicht genannt. Die beiden Mitarbeiterinnen einer Hilfsorganisation sind seit Dienstag entführt. Die mutmaßlichen Entführer verlangen auf Islamisten-Seite im Internet den sofortigen Abzug der italienischen Soldaten aus dem Irak. Zehntausende Menschen demonstrierten am Wochenende in Italien gegen Terrorismus und für die Freilassung der beiden Frauen.

US-Hubschrauberangriff auf Menschenmenge

Bis zu 13 Opfer forderte am Sonntag ein Hubschrauberangriff der US-Streitkräfte auf einen von einer Menschenmenge umringten Schützenpanzer. Zu dem Anschlag auf den Panzer sowie Attacken auf das Gefängnis Abu Ghraib und die Grüne Zone bekannte sich im Internet die Gruppe um den Jordanier Abu Mussab al Sarkawi. Auch in Ramadi und anderen Städten im sunnitischen Dreieck gab es zahlreiche Tote. Der irakische Ministerpräsident Ajad Allawi schwor in Basra, die Aufständischen zur Rechenschaft zu ziehen.

Der Hubschrauberangriff in der Haifa-Straße in Bagdad diente nach US-Angaben der Zerstörung des zuvor von einer Autobombe beschädigten Schützenpanzers. Es sollte verhindert werden, dass die Waffen an Bord Aufständischen in die Hände fielen. Unter den Toten war auch ein Reporter von Al Arabija, wie der arabische Fernsehsender bestätigte. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums kamen bei Gefechten in der Haifa-Straße insgesamt 13 Menschen ums Leben, es war jedoch unklar, wie viele davon dem Hubschrauberangriff zum Opfer fielen. 61 Menschen wurden verletzt. Während der Kämpfe wurde auch die Grüne Zone rund um das Hauptquartier der US-Streitkräfte mit Raketen und Mörsergranaten angegriffen.

Das im Internet veröffentlichte Bekennerschreiben der Sarkawi-Gruppe Tauhid und Dschihad nahm direkt Bezug auf die Angriffe in der Haifa-Straße und auf die Grüne Zone. Zudem bekannte sich die Organisation zu einem Anschlag auf das Gefängnis Abu Ghraib. Dort versuchte nach US-Angaben ein mit Sprengsätzen bestücktes Auto, das Tor zu durchbrechen, wobei eine Bombe explodierte und den Fahrer tötete.

AP, DPA, Reuters

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