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Irak: Dutzende Tote bei US-Angriff auf Rebellen

Bei der Bombadierung von Rebellenstellungen in Falludscha und Ramadi durch die US-Armee kamen dutzende Menschen ums Leben. Angeblich befinden sich auch zahlreiche Frauen und Kinder unter den Opfern.

Angesichts neuer Gewalt und Entführungen im Irak haben die US-Streitkräfte in der Nacht zum Freitag mutmaßliche Stellungen sunnitischer Aufständischer in Falludscha und Ramadi angegriffen. Die Operation galt nach Militärangaben Anhängern des jordanischen Extremisten Abu Mussab al Sarkawi. Bis zu 60 Kämpfer seien allein in Falludscha getötet worden. Nördlich von Bagdad wurde die Leiche eines westlichen Ausländers gefunden.

Auch Frauen und Kinder getötet

Von amerikanischer Seite war von einem Präzisionsangriff auf ein Haus in Falludscha und einem Folgeschlag in einer Nachbarstadt die Rede. Dabei seien drei Gebäude zerstört worden, die vom Netzwerk Sarkawis genutzt worden seien. Die Kämpfer, die den ersten Schlag überstanden hätten, seien nach Karjat ar Rufusch geflohenen, wo sich schon 90 Aufständische versteckt hätten. Nach Angaben von Ärzten eines Krankenhauses in Falludscha wurden 16 Zivilisten, darunter Frauen und Kinder, bei einem Luftangriff getötet.

Die Aktion in Ramadi hatte nach US-Angaben die bislang wenig bekannte Gruppe namens Daham Terroristen-Netzwerk zum Ziel, die Verbindungen zu Al Sarkawi haben soll. Bei dem dortigen Angriff wurden nach irakischen Angaben sieben Menschen getötet und fünf weitere verletzt.

Zu neuen Kämpfen kam es auch in der westlichen Provinz Anbar. Dort wurden nach Militärangaben drei amerikanische Marineinfanteristen getötet. Die irakische Regierung erklärte, sie verhandele in Anbar ebenso wie im Bagdader Stadtteil Sadr mit Stammesfürsten, um eine Beendigung der Kämpfe zu erreichen.

Unklarheit über Schicksal australischer Geiseln

Der tote westliche Ausländer wurde nach Angaben irakischer Sicherheitskräfte nahe des Dorfes Jethrib aus dem Tigris gezogen. Der Mann habe blonde Haare sowie die Gesichtszüge eines Europäers oder Amerikaners und sei von kräftiger Gestalt. Seine Hände seien hinter seinem Rücken gefesselt gewesen. Die Todesursache war allem Anschein nach ein Schuss in den Hinterkopf.

Die australische Regierung erklärte, sie prüfe den Fall. Eine irakische Extremistengruppe hatte unlängst die Entführung von zwei Australiern vermeldet. Am Donnerstag wurde die Verschleppung von zwei Amerikanern und einem Briten sowie womöglich auch drei Schweden bekannt. Unterdessen wurde ein syrischer Lastwagenfahrer bei Kirkuk als weitere Geisel genommen.

Laut US-Bericht keine Massenvernichtungswaffen

Die Äußerungen von UN-Generalsekretär Kofi Annan, der Irak-Krieg sei illegal gewesen, sorgten weiterhin für Zündstoff. Das Außenministerium in Washington bekräftigte die Auffassung der USA, der Krieg sei vom Völkerrecht ebenso wie von einschlägigen UN-Resolutionen solide abgedeckt gewesen. Die im November 2002 verabschiedete UN-Resolution 1441 habe "ernste Konsequenzen" angedroht, falls der Irak nicht abrüste. Dies habe Krieg bedeutet.

Laut einem Bericht des amerikanischen Chefinspekteurs Charles Duelfer hat der Irak vor dem Krieg keine Massenvernichtungswaffen besessen. Es habe aber Anzeichen dafür gegeben, dass Saddam Hussein über entsprechende Pläne verfügt habe, die er zu einem späteren Zeitpunkt habe umsetzen wollen. Dies geht aus einem 1.500 Seiten starken Bericht des Chefs der so genannten Iraq Survey Group hervor. Die vermeintliche Existenz irakischer Massenvernichtungswaffen hatte im vergangenen Jahr als Hauptgrund zur Rechtfertigung des Irak-Krieges gedient.

AP / AP