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Irak: Folter in der Verantwortung des Geheimdienstes?

Die Misshandlung von irakischen Gefangenen im Abu-Gharib-Gefängnis bei Bagdad sollen in der Verantwortung des US- Militärgeheimdienstes gelegen haben. Das sagt die suspendierte Leiterin des Gefängnisses

Die Misshandlung von irakischen Gefangenen im Abu-Gharib-Gefängnis bei Bagdad sollen in der Verantwortung des US- Militärgeheimdienstes gelegen haben. Geheimdienstoffiziere hätten die Demütigung der Gefangenen möglicherweise sogar angeordnet, meinte die wegen der skandalösen Vorfälle suspendierte Leiterin des Gefängnisses, Brigadegeneralin Janis Karpinski, einem Bericht der "New York Times" vom Sonntag zufolge.

Der Gefängnisblock, in dem die Folterungen stattgefunden haben, sei vom Militärgeheimdienst kontrolliert worden, sagte Karpinski. Sie selbst habe erst vor wenigen Wochen von den Vorwürfen erfahren. Ein geheimer Armeebericht lege ihrer Darstellung nach den Schluss nahe, die schweren Misshandlungen seien auf Anweisung des Geheimdienstes erfolgt.

Magazinbericht mit weiteren Details

Die US-Armee hat einem Magazinbericht zufolge in einer internen Untersuchung eine sadistische Misshandlung von gefangenen Irakern durch ihre Soldaten festgestellt.

Zu den Misshandlungen zählten auch sexuelle Drohungen und Übergriffe, berichtete das US-Magazin "The New Yorker" auf seiner Webseite. Der Untersuchungsbericht der Armee umfasse 53 Seiten und sei im Februar fertig gestellt worden. Die zurzeit der mutmaßlichen Übergriffe Verantwortliche für das Gefängnis äußerte den Verdacht, Mitglieder des US-Militärgeheimdienstes hätten die Täter zu den Misshandlungen ermutigt.

Der US-Sender CBS hatte vor wenigen Tagen Fotos von Misshandlungen in dem berüchtigten Bagdader Gefängnis Abu Ghraib ausgestrahlt. Die Bilder lösten einen Aufschrei aus. Kritiker halten den USA vor, damit endgültig den Kampf um die öffentliche Meinung im Irak verloren zu haben.

Sexueller Missbrauch

Der Untersuchung zufolge hätten US-Soldaten phosphorhaltige Flüssigkeit über die Häftlinge geschüttet, "Gefangene mit einem Besengriff und einem Stuhl geschlagen, männlichen Häftlingen mit Vergewaltigung gedroht", berichtete der „New Yorker“. Häftlinge seien mit einem Leuchtstab und wahrscheinlich einem Besenstil sexuell missbraucht worden. Außerdem sei es einem Wachmann der Militärpolizei gestattet worden, die Wunde eines Gefangenen zu nähen. Dieser habe sich verletzt, als er gegen seine Zellenwand geschleudert worden sei. Der Untersuchungsbericht sei vom US-Oberkommandierenden im Irak, General Ricardo Sanchez, autorisiert und liege der Redaktion vor, schrieb das Magazin. Die Ausgabe mit dem Artikel wird von Montag an verkauft.

Den von CBS gesendeten Bildern zufolge sollen US-Soldaten irakische Häftlinge in demütigenden Positionen vorgeführt und zu entwürdigenden Handlungen gezwungen zu haben. Das Gefängnis Abu Ghraib war unter Ex-Präsident Saddam Hussein eine Folter- und Hinrichtungsstätte.

AP/Reuters / AP / DPA / Reuters