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Irak: Geheime Beschaffungszentrale für Waffenprogramm entdeckt

Geheime Beschaffungszentrale für Saddams Waffenprogramm entdeckt – auch deutsche Firmen im Verdacht

Hamburg - Firmen aus Deutschland haben auch in der Zeit des UN-Embargos Material und Technik für Saddam Husseins Rüstungsprogramm geliefert. Reporter des stern haben in bisher geheimen Archiven der irakischen Firma "Bashair Trading Company" Dokumente, Verträge, Lieferscheine und Zahlungsanweisungen aufgespürt, die Aufschluss darüber geben, wie der Irak westliche High-Tech-Militärgüter beschafft und UN-Inspektoren getäuscht hat. Seit Ende der 90er Jahre war die Firma Bashair in Bagdad die Zentrale im illegalen Waffenbeschaffungsprogramm Saddam Husseins. Von hier aus wurde die Beschaffung von Luft- und Panzerabwehrraketen, Ersatzteilen für Schiffe, MiG-Jets, Hubschrauber, Kanonenrohre, High-Tech-Geräte für Abhöranlagen und Radargeräte, säureresistente Chemikalienpumpen, Präzisionsfräsen und sogar einer kompletten Munitionsfabrik organisiert. Nach Recherchen des stern waren drei Firmen in Syrien die wichtigste Drehscheibe der internationalen Transfers. Als Lieferanten der heißen Ware sind in den Bashair-Unterlagen neben Firmen aus Russland, Polen und Südkorea auch US-Unternehmen und Firmen aus Deutschland genannt. Der stern hat alle Dokumente, die Verbindungen zu deutschen Unternehmen betreffen, dem zuständigen Zollkriminalamt in Köln übergeben. Sie lösten nun die größte Welle von Razzien in Sachen Irak seit Jahren in Deutschland aus: Bei vier Firmen beschlagnahmten die Fahnder Computer und Akten. Von der Firma KSB AG im fränkischen Pegnitz kamen sechs Chemikalienpumpen, die Saddams Rüstungsbeschaffer über eine jordanische Tarnfirma im Dezember 2000 geordert hatten. Die im hessischen Karben ansässige Handelsfirma Katex Textilien GmbH hatte u.a. im April 2000 an eine jordanische Zwischenfirma 80 Säurepumpen geliefert. Laut Verträgen und Frachtbriefen, die dem stern vorliegen, gingen diese Pumpen weiter an Bashair. Ermittelt wird auch gegen die Firmen MEA Machinery und MEA International im nordrhein-westfälischen Windeck. Aus dem September 2000 stammt ein Vertrag zwischen MEA und der türkischen Tarnfirma Toros über die Lieferung eines Präzisionslasers, der in Bagdad ankam und auch von dort bezahlt wurde. Die Verbindung belegt auch ein auf MEA-Briefpapier abgefasstes Protokoll des MEA-Geschäftsführers vom 12. März 2000, das mit dem Wunsch auf glänzende Geschäfte "zum Segen des Großen Irak und für beide Parteien" schließt. Intensive Geschäftsbeziehungen pflegten die Iraker auch zu Firmen aus jenen Ländern, deren Regierungen im Krieg gegen den Irak die USA unterstützt haben: Eine tschechische Firma lieferte CNC-Fräsmaschinen, eine polnische verfrachtete 32 Raketenmotoren nach Bagdad und aus Bulgarien kamen Panzer und Kornet-Raketen. Nur das, wonach UN-Inspektoren monatelang gesucht und womit die USA und Großbritannien den Krieg begründet haben - atomare, biologische und chemische Massenvernichtungswaffen - findet sich nicht in den Akten von Bashair.