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Irak-Konflikt: Schwere Anschlagsserie auf Ölpipelines

Saboteure haben innerhalb eines Tages mit Sprengstoffanschlägen im Nordirak vier wichtige Ölpipelines in Brand gesetzt. Damit sanken die Ölexporte wieder deutlich - Auswirkungen auf den Ölpreis sind zu erwarten.

Wegen der bisher schwersten Angriffe auf die Ölwirtschaft des Golfstaates sank die Öllieferung an die größte irakische Ölraffinerie in Baidschi deutlich. Die Übergangsregierung ist darum bemüht, die Lagerbestände vor dem Winter aufzufüllen. In den vergangenen Wochen ist die Ölwirtschaft im Norden und Zentrum des Landes verstärkt zum Ziel von Angriffen geworden. Am späten Dienstagnachmittag ereignete sich Kreisen der Ölindustrie zufolge der vierte Anschlag auf eine Pipeline im Nordirak seit Mittwoch. "Sie haben Raketen, Maschinengewehre und Bomben eingesetzt," hieß es in den Kreisen. Die angegriffene Pipeline sei direkt mit einem Ölfeld 35 Kilometer südlich von Kirkuk verbunden gewesen. Bereits vor diesem vierten Anschlag war aus Kreisen verlautet, die über die Türkei laufenden Exporte seien beeinträchtigt.

Alle Zuflüsse zu den Pipelines gestoppt

In der Nacht zum Dienstag war den Angaben zufolge zunächst eine Export-Pipeline bei Kirkuk attackiert worden. Dann habe es noch zwei weitere Anschläge gegeben. Einer davon habe einer Pipeline in der Region Koschkaja gegolten, über die Erdöl zur Haupt-Exportpipeline gepumpt wird. Fernsehbilder der Nachrichtenagentur Reuters zeigten dort einen großen Brand. "Wir haben für den Moment alle Zuflüsse gestoppt. Das Feuer in Koschkaja bedeckt eine Fläche von rund einem Quadratkilometer. Der Brand an der Export-Pipeline ist ebenfalls groß", sagte ein Vertreter der staatlichen North Oil Company. "Technisch gesehen wurde das System heruntergefahren."

Eine Explosion, die sich am Dienstagabend nahe der Ölfelder von Chubbasa, 40 Kilometer westlich von Kirkuk, ereignete, löste ein so großes Feuer aus, dass die Feuerwehr trotz der Dunkelheit und der damit verbundenen Gefahr von Terroranschlägen ausrückte. Ein Mitglied der für den Schutz der Ölindustrie eingesetzten Wachbrigaden in Kirkuk sagte, dies sei ihr erster Nachteinsatz in der Region. Bislang hätten die Feuerwehrleute aus Sicherheitsgründen immer bis zum nächsten Morgen gewartet.

Weitere Lieferungen fraglich

In der Türkei hieß es, es fließe immer noch Öl aus dem Irak, wenn auch in kleineren Mengen. Dies Öl komme wahrscheinlich von kleineren Feldern nördlich der Anschlagsorte über die Pumpstation in Tikrit. Es war jedoch unklar, ob dies beibehalten werden konnte. Die unsichere Lage im Irak und immer wiederkehrende Anschläge auf die Ölindustrie des Landes haben in den vergangenen Monaten zu dem rasanten Anstieg der Ölpreise auf Rekordniveau beigetragen.

Bei einem Autobombenanschlag vor dem Bildungsministerium in der irakischen Hauptstadt Bagdad wurden mindestens sechs Menschen getötet. Zum Zeitpunkt der Explosion hielten sich nach Angaben von Bildungsminister Sami al-Mudhaffar hunderte Menschen in dem Gebäude auf. "Dieser neue Terrorakt hätte leicht in einer richtigen Katastrophe enden können, wenn die Wachleute den mit Sprengstoff beladenen Wagen nicht davon abgehalten hätten, das Gebäude zu erreichen", sagte der Minister. Bei Anschlägen in Mossul und Samarra starben mindestens sechs weitere Menschen. In Samarra wurde Polizeiangaben zufolge zudem ein US-Soldat entführt. Die Gruppe des Moslem-Extremisten und Al-Kaida-Verbündeten Abu Mussab al-Sarkawi stellte unterdessen ein Video von der Ermordung einer japanischen Geisel ins Internet.

Autobomben in Bagdad und Mossul

Die Autobombe in Bagdad explodierte in einer Seitenstraße nahe einer Mauer vor dem Ministeriumsgelände. Die Explosion beschädigte das Gebäude schwer und riss einen tiefen Krater in die Straße. 31 Autos wurden zerstört, Feuerwehrleute kämpften gegen ausgebrochene Brände. Rauch stand über dem vorwiegend von Sunniten bewohnten Viertel im Stadtzentrum. Nach Angaben des Innenministeriums wurden acht Menschen verletzt. In Mossul im Norden des Landes wurden Augenzeugen zufolge bei einem Anschlag auf eine Patrouille des irakischen Militärs zwei Soldaten getötet und vier weitere verletzt. Wahrscheinlich sei auch dort eine Autobombe detoniert. In der rund 400 Kilometer nördlich von Bagdad gelegenen Stadt haben Rebellen in den vergangenen Monaten vermehrt Anschläge auf irakische Sicherheitskräfte und Behördenvertreter verübt.

In Samarra wurden bei Anschlägen drei irakische Soldaten getötet und drei weitere verletzt. Zudem wurde ein irakischer Mitarbeiter der US-Streitkräfte in der Stadt erschossen. Nach Auskunft eines Krankenhauses war seine Leiche von Kugeln durchsiebt. Ebenfalls in Samarra wurde am Montag ein US-Soldat entführt, wie die irakische Polizei am Dienstag mitteilte. Das US-Militär bestätigte dies zunächst nicht. In der Hand von Entführern befanden sich noch immer ein weiterer US-Bürger und ein Nepalese.

Kampf um die Kontrolle

Das US-Militär erhöhte unterdessen seinen Druck auf die Rebellenhochburgen Falludscha und Ramadi im Zentralirak. Nach Auskunft von Krankenhausmitarbeitern kamen bei Gefechten in Ramadi zehn Menschen ums Leben, neun weitere seien verletzt worden. Bei US-Luftangriffen auf Falludscha wurden Augenzeugen zufolge fünf Menschen verletzt. Das US-Militär und die irakische Übergangsregierung hatten wiederholt erklärt, die Kontrolle über die Rebellenbastionen im Irak noch vor den für Januar geplanten Wahlen wiedererlangen zu wollen. Die über die Türkei laufenden irakischen Ölexporte wurden nach Angaben aus Kreisen der Ölindustrie durch Sabotageakte an drei großen Pipelines in der Nacht auf Dienstag beeinträchtigt. Dabei habe es sich um die bisher schwersten Anschläge auf die Öl-Infrastruktur des Golfstaates gehandelt, hieß es. Die unsichere Lage im Irak hat zu dem massiven Ölpreisanstieg der vergangenen Monate beigetragen.

Unterdessen stellte die Rebellengruppe um den Moslem-Extremisten Al-Sarkawi eine Video-Aufzeichnung ins Internet, der die Hinrichtung der japanischen Geisel Shosei Koda zeigt. Die Leiche des Japaners war am Wochenende in Bagdad gefunden worden. Der Film zeigt, wie der Mann, dessen Hände auf den Rücken gebunden sind, auf eine US-Flagge gezerrt wird. Dann enthauptet einer von drei vermummten Männern die Geisel mit einem Messer. Die Gruppe lehnte eigenen Worten zufolge ein Lösegeld in Höhe von mehreren Millionen Dollar ab und drohte der japanischen Regierung mit neuer Gewalt sollte sie ihre Soldaten nicht abziehen.