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Irak: Massaker in Moschee

Bei einer Schießerei in einer schiitischen Moschee in Bagdad sind mehrere Menschen ums Leben gekommen. Ein radikaler Prediger warf den US-Soldaten ein Massaker vor. Die Amerikaner sprechen von Razzia und Geiselbefreiung.

Bei Kämpfen mit amerikanischen und irakischen Soldaten sind in einer schiitischen Moschee in Bagdad nach Polizeiangaben 22 Menschen getötet worden. Bewaffnete Männer hätten das Feuer auf eine US-Patrouille eröffnet, sagte ein Polizeisprecher. Ein Berater des radikalen schiitischen Predigers Muktada al Sadr erklärte dagegen, die Soldaten hätten ohne ersichtlichen Grund zuerst auf die Al-Mustafa-Moschee im östlichen Stadtbezirk Ur geschossen.

Insgesamt kostete die Gewalt im Irak am vergangenen Tag mindestens 69 Menschen das Leben. Die amerikanischen Streitkräfte sprachen von 16 getöteten Aufständischen bei der Razzia in Bagdad. 15 weitere seien festgenommen, eine "nichtwestliche Geisel" sei befreit worden. Die Moschee sei bei dem Einsatz weder betreten noch beschädigt worden, hieß es in einer mehrere Stunden nach dem Zwischenfall veröffentlichten Militärerklärung.

Ministerpräsident Ibrahim al Dschaafari zeigte sich besorgt und besprach den Vorfall mit der irakischen Militärführung und dem US-General George Casey, wie sein Sprecher Abdul Ressak al Kadhimi sagte. Der Regierungschef habe den Familien der Getöteten eine Entschädigung versprochen.

30 enthauptete Leichen

In einer Ortschaft nördlich von Bagdad entdeckten die irakischen Streitkräfte 30 zumeist enthauptete Leichen. Über die Identität der Toten oder die mutmaßlichen Täter machten die Behörden zunächst keine Angaben. Militärsprecher Saman Talabani hatte zuvor erklärt, Anwohner des Dorfes Mulla Eid in der Nähe von Buhris, rund 60 Kilometer nördlich von Bagdad, hätten den Leichenfund gemeldet. Seit dem Anschlag auf eine schiitische Moschee in Samarra Ende Februar hat die Gewalt zwischen den verschiedenen Bevölkerungsgruppen im Irak zugenommen.

Irakische Polizisten zu Unrecht festgenommen

US-Soldaten nahmen unterdessen bei einer Razzia in einem Gebäude des Innenministeriums etwa zehn irakische Polizisten vorübergehend in Gewahrsam. Die Truppen hätten dort 17 sudanesische Gefangene entdeckt, sagte ein Polizeisprecher. Die Soldaten hätten die Bewachung der Häftlinge übernommen. Den US-Streitkräften hätten offenbar Berichte vorgelegen, dass die Gefangenen misshandelt worden seien. Dies sei jedoch nicht der Fall gewesen, erklärte der Sprecher, und die Polizisten seien wenig später wieder freigelassen worden.

Briten wollen Truppenstärke im Irak reduzieren

Großbritannien wird nach Ansicht von Premierminister Tony Blair die Zahl seiner Soldaten im Irak reduzieren können. Die irakische Regierung entwickle derzeit die Kapazitäten ihrer Sicherheitskräfte weiter, sagte Blair in Australien. Im gleichen Maße könne Großbritannien seine Truppen abziehen. Einen Zeitrahmen für den Abzug wollte er nicht nennen. Blair traf am Samstagabend zu einem Besuch in Australien ein. Im Mittelpunkt der Gespräche sollten der Kampf gegen den Terrorismus und der Krieg im Irak stehen.

AP / AP
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