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Irak: Spanien beginnt mit dem Truppenabzug

Ungeachtet des Bedauerns aus dem Weißen Haus hat Spanien mit dem Abzug seiner 1300 Soldaten aus dem Irak begonnen. Auch Honduras will seine Soldaten nach Hause holen.

Ungeachtet des Bedauerns aus dem Weißen Haus hat Spanien mit dem Abzug seiner 1300 Soldaten aus dem Irak begonnen. Dies teilte Spaniens Verteidigungsminister José Bono am Montag, einen Tag nach dem Rückzugsbefehl des spanischen Ministerpräsidenten José Luis Rodríguez Zapatero, in Madrid mit. Der Rückzug werde in weniger als sechs Wochen abgeschlossen sein.

Zuvor hatte US-Präsident George W. Bush sein Bedauern über die Entscheidung Madrids geäußert. Zugleich habe Bush den neuen spanischen Ministerpräsidenten José Luis Rodríguez Zapatero in einem Telefongespräch aufgefordert, den Rückzug so zu koordinieren, dass keine Soldaten der US-geführten Koalition gefährdet würden, berichtete der US-Fernsehsender CBS. Bush ermahnte Zapatero, bei künftigen Entscheidungen müsse verhindert werden, dass Terroristen im Irak fälschlicherweise ermutigt würden.

Koalitionstruppen suchen nach Ersatz für die Spanier

Die turnusgemäße Ablösung der im Irak stationierten spanischen Truppen sei gestoppt worden, kündigte der spanische Minister Bono an. Zwar sollten 190 spanische Soldaten mit einer Sondermaschine von Spanien in den Irak fliegen. Dabei handele es sich aber um eine Spezialeinheit, die an der Rückzugsoperation beteiligt sei. Diese Soldaten seien keine Ablösung für heimkehrende Militärs. Nähere Einzelheiten über die Heimkehr der Spanier wollte der Minister aus Gründen der Sicherheit nicht bekannt geben.

Zapatero hatte den Truppenabzug am Sonntag damit begründet, dass die Forderung Madrids, alle im Irak stationierten ausländischen Truppen dem Kommando der Vereinten Nationen zu unterstellen, vorerst nicht erfüllt werde. Die Koalitionstruppen im Irak begannen unterdessen mit der Suche nach einem Ersatz für die Spanier. Die "New York Times" berichtete am Montag, Mitarbeiter des Weißen Hauses hätten kein Geheimnis daraus gemacht, dass es sich um einen ganz bitteren Moment für Präsident Bush handle.

Honduras zieht ebenfalls Truppen aus Irak ab

Nach Spanien will auch Honduras kurzfristig seine Truppen aus dem Irak abziehen. Die rund 370 Soldaten des mittelamerikanischen Landes würden schnellstmöglich nach Hause zurückkehren, teilte Staatspräsident Ricardo Maduro am Montagabend (Ortszeit) in einer Fernseh- und Radioansprache mit. Die honduranischen Soldaten waren bisher Teil der von Spanien geführten Brigade "Plus Ultra". Dieser gehören auch Einheiten aus El Salvador und der Dominikanischen Republik an. Die Regierungen dieser beiden Länder teilten jedoch mit, sie wollten ihre insgesamt 679 Soldaten nicht vorzeitig abziehen.

Im Irak befahl der radikale Schiiten-Prediger Muktada el Sadr, alle Angriffe auf spanischen Soldaten einzustellen. "Wir haben angeordnet, alle militärischen Operationen gegen sie (die Spanier) zu beenden", sagte El Sadrs Sprecher in der Pilgerstadt Nadschaf, Kais el Chasali. "Wir rufen das tapfere irakische Volk auf, ihre Sicherheit während des Abzugs zu garantieren."

Negroponte soll US-Botschafter in Bagdad werden

Der amerikanische UN-Botschafter John Negroponte soll nach der Machtübernahme durch eine neue irakische Regierung am 1. Juli US-Botschafter in Bagdad werden. Das kündigte Bush im Beisein des 64- Jährigen im Weißen Haus an. Negroponte wird dann an Stelle des obersten US-Zivilverwalters Paul Bremer höchster US-Vertreter im Irak sein. Die Botschaft in Bagdad soll mit 3000 Mitarbeitern die größte Auslandsvertretung der USA werden.

Fischer will neue UN-Resolution

Bundesaußenminister Joschka Fischer und sein neuer französischer Kollege Michel Barnier machten sich am Montag für eine stärkere Einbindung der UN stark. Es sei sehr wichtig, eine "nützliche und glaubwürdige" UN-Resolution zu Stande zu bekommen, sagte Barnier bei seinem Antrittsbesuch in Berlin. Auch Polen, das in der Zone, das von den Spaniern verlassen wird, das Oberkommando führt, setzt darauf, dass eine neue UN-Resolution zusätzliche Staaten zu einem Engagement im Krisengebiet bewegen könnte.

US-Militärsprecher in Bagdad betonten am Montag, dass der Abzug der 1300 spanischen Soldaten keine größeren Probleme für die Besatzungsstreitkräfte nach sich ziehe. "In der Region wird es zu keinem Zeitpunkt ein Sicherheitsvakuum geben", sagte General Mark Kimmitt. Das spanische Kontingent habe eine Größenordnung, die es "in kurzer Zeit" ersetzbar mache.

Leichte Entspannung in Falludscha

Der Sprecher der US-Verwaltung im Irak, Dan Senor, gab am Montag bekannt, dass sich Vertreter der Besatzungsmacht und der Bürger der Aufständischen-Hochburg Falludscha auf eine gemeinsame Erklärung geeinigt hätten, um die Lage zu entschärfen. Demnach verpflichten sich die Bürger von Falludscha, alle Angriffswaffen abzugeben und gemeinsame Patrouillen von US-Streitkräften und irakischen Sicherheitsorganen zuzulassen. Das US-Militär gewährt dafür ungehinderten Zugang für Krankentransporte sowie zum Städtischen Krankenhaus, von dem die Bevölkerung durch den Belagerungsring abgeschnitten wurde.

DPA