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Irak: Türkei droht USA mit Ende der Zusammenarbeit

Die andauernde Offensive der USA in der nordirakischen Stadt Talafar lässt die türkischen Proteste schärfer werden: Die Türkei droht den Amerikanern mit einem Ende der Zusammenarbeit im Irak.

Die Türkei hat den USA bei einer Fortsetzung der Militäroffensive gegen die nordirakische Stadt Talafar mit dem Ende der Zusammenarbeit im Irak gedroht. Der türkische Außenminister Abdullah Gül sagte nach US-Medienberichten, in diesem Fall werde die Kooperation mit den USA vollständig beendet werden. Gül nannte die US-Angriffe, bei denen auch Opfer unter der Zivilbevölkerung zu beklagen gewesen seien, einen Fehler. Bereits am vergangenen Freitag hatte das türkische Außenministerium die USA zu einem Stopp der Offensive gedrängt, berichtete der britische Sender BBC. In dem Gebiet leben zahlreiche Türkischstämmige.

Die Türkei leistet für die US-Truppen im Irak logistische Hilfe. Außerdem führen über die Türkei wichtige Nachschubwege in das Nachbarland. Die türkische Luftwaffenbasis Incirlik wird von den US- Streitkräften für den Truppenaustausch genutzt.

Die USA und ihre irakischen Verbündeten begannen in der vergangenen Woche eine groß angelegte Militäroperation gegen Talafar begonnen Talafar gilt als Schutzhafen für Terroristen, die aus Syrien in den Irak einsickern.

Sprengsatz explodiert in Bakuba

Drei irakische Polizisten sind am Dienstagmorgen in Buhriz bei Bakuba durch einen Sprengsatz getötet worden. Sie seien dabei gewesen, einen Kontrollpunkt zu errichten, als die Bombe explodierte, berichteten Krankenhausärzte in der rund 60 Kilometer nördlich von Bagdad gelegenen Stadt Bakuba. Buhriz gilt als Hochburg der Aufständischen.

In Bagdad wurden am Montagnachmittag zwei US-Soldaten getötet, als Aufständische einen Sprengsatz zündeten und das Feuer auf sie eröffneten. Drei weitere Soldaten erlitten Verletzungen, teilte das US-Militärkommando am Dienstag in Bagdad mit.

Eine Erdölpipeline in der Nähe der nordirakischen Raffinerie-Stadt Bedschi stand in der Nacht zum Dienstag in Flammen. Dies berichtete das US-Militärkommando in Bagdad unter Berufung auf zivile Vertragsbedienstete des US-Militärs. Die Pipeline wurde abgestellt, die Brandursache werde untersucht, hieß es.

Entführter LKW-Fahrer vermutlich tot

Unterdessen wurde bekannt, dass ein im Irak verschleppter türkischer Lastwagenfahrer von seinen Entführern ermordet worden sein soll. Ein entsprechendes Video sei auf einer islamistischen Internetseite veröffentlicht worden, berichteten türkische Medien. Die Aufnahmen trügen als Datum den 17. August. Drei Tage zuvor sei der Fahrer entführt worden.

Luftangriffe auf Falludscha

Bei Luftangriffen auf mutmaßliche Anhänger des Top-Terroristen Abu Mussab el Sarkawi hat die US-Armee am Montag im westirakischen Falludscha mindestens 16 Menschen getötet. Weitere 23 Menschen wurden nach Angaben von Krankenhausärzten verletzt. Das US-Militär erklärte in Bagdad, der "Präzisionsschlag" der Luftwaffe habe einem Treffen von Terroristen der Gruppe um den Jordanier El Sarkawi gegolten. Der Schlag sei "wirksam und genau" gewesen und habe "das Leben unschuldiger Zivilisten verschont". Dieser Darstellung widersprachen Augenzeugen in der Stadt. Neue Kämpfe wurden am Montag auch aus der Nachbarstadt Ramadi gemeldet. Der irakische Ministerpräsident Ijad Allawi schloss trotz der Gewalt im Irak eine Verschiebung der für Januar geplanten Wahlen aus. Es könne zwar sein, dass die Wahlen in einigen umkämpften Städten zunächst nicht stattfinden könnten, sagte er der britischen Zeitung "The Times". Das bedeute aber nicht, dass deshalb die gesamte Wahl verschoben werde. In einzelnen umkämpften Städten könne die Wahl möglicherweise später nachgeholt werden.

Freilassung entführter Italienerinnen gefordert

Der italienische Außenminister Franco Frattini forderte am Montag in Kuwait die sofortige Freilassung der beiden im Irak entführten Italienerinnen. Die beiden Frauen seien im Irak gewesen, um Gutes zu tun und der Bevölkerung zu helfen, erklärte der Politiker. Unterdessen wächst die Sorge um die beiden Mitarbeiterinnen einer Hilfsorganisation, die am vergangenen Dienstag in Bagdad entführt worden waren. Auf einer Islamisten-Seite im Internet war am Sonntag eine Erklärung aufgetaucht, in der die angeblichen Entführer mit der Ermordung der Frauen innerhalb von 24 Stunden drohten, sollte die italienische Regierung ihre rund 3000 Soldaten nicht aus dem Irak abziehen. Unterzeichnet war die Botschaft mit "Organisation des Islamischen Dschihad im Irak".