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Irak: Vermisste Deutsche vermutlich tot

Ein britischer Reporter vom "Sunday Telegraph" ist nach eigenen Angaben von irakischen Rebellen zu den Leichen der beiden vermissten Deutschen geführt worden.

Ein britischer Reporter ist nach eigenen Angaben von irakischen Rebellen zur Leiche eines 25-jährigen Deutschen geführt worden, der seit Mittwoch vermisst wird. Lee Gordon vom "Sunday Telegraph" berichtete in der heutigen Ausgabe, er habe einen Ausweis des 25-jährigen gesehen, der bei einem Feuergefecht zusammen mit seinem Kollegen erschossen worden sei. Die beiden Leichen hätten ausgestreckt neben der Straße gelegen. Das Bundesinnenministerium hatte am Samstag nicht ausgeschlossen, das zwei bei Falludscha vermisste Sicherheitsbeamte der Deutschen Botschaft nicht mehr am Leben seien.

Die irakische Rebellengruppe hat Gordon nach dessen Angaben erlaubt, über ihre Aktivitäten zu berichten. Sie hätten ihn zu dem Ort an der Straße nahe des Tigris geführt, an dem der weiße Allradwagen der Deutschen bei einer Verfolgungsjagd gestoppt worden sei, indem ihm die Reifen zerschossen worden seien. Die Leiche des 25-Jährigen sei von mehreren Kugeln getroffen, sein Gesicht blutüberströmt gewesen. Der Kommandeur habe einen jungen Kämpfer scharf zurechtgewiesen, der seinen Fuß triumphierend auf den Toten habe stellen wollen. In der Nähe hätten sechs Iraker Gräber für die beiden Deutschen ausgehoben.

Die Rebellen, berichtete Gordon, hätten den aus sechs Geländewagen bestehenden Konvoi verfolgt, nachdem er ihren Kontrollpunkt durchbrochen habe. Der Wagen der beiden Deutschen sei der Letzte gewesen; die Iraker hätten auf ihn mit Raketen und Gewehren geschossen, bis er mit zerschossenen Reifen von der Straße abgekommen und gegen ein Haus geprallt sei. Die Deutschen hätten keine Chance mehr gehabt.

Japanische Regierung erwartet baldige Freilassung der Geiseln

Die japanische Regierung hat heute Medienberichte bestätigt, wonach mit einer baldigen Freilassung der in Irak festgehaltenen Geiseln zu rechnen ist. Die Regierung habe aus unterschiedlichen Quellen erfahren, dass die Geiselnehmer die drei Japaner gegen Mittag freilassen würden, sagte ein Sprecher der regierenden Liberaldemokraten dem Fernsehsender Asahi. In Japan war es zum Zeitpunkt der Ankündigung bereits 11.00 Uhr morgens.

Die irakischen Entführer hatten laut einem Bericht des arabischen Fernsehsenders El Dschasira am Samstagmittag angekündigt, die Geiseln binnen 24 Stunden freizulassen. Der Sender berichtete unter Berufung auf die Geiselnehmer, sie hätten sich nach Vermittlung einer Organisation sunnitischer Muslime in Irak zu diesem Schritt entschlossen.

In Japan demonstrieren Kriegsgegner für einen Truppenabzug

Die Japaner, zwei Mitarbeiter einer Hilfsorganisation und ein Fotojournalist, waren vor wenigen Tagen verschleppt worden. Die Entführer hatten zunächst gedroht, ihre Geiseln zu töten, wenn Tokio seine Truppen nicht bis heute aus dem Irak abziehe. Die japanische Regierung lehnte dies kategorisch ab. Außenministerin Yoriko Kawaguchi appellierte stattdessen am Samstag in einer Video-Botschaft an die Entführer, die Gefangenen unverzüglich freizulassen.

Laut El Dschasira forderten die Entführer in einer Erklärung die japanische Öffentlichkeit auf, ihre Regierung zum Truppenrückzug aus dem Irak zu bewegen. In Japan demonstrierten indessen am Samstag den zweiten Tag in Folge rund 1.000 Kriegsgegner für einen Truppenabzug. Die Entführung stürzte Ministerpräsident Junichiro Koizumi in die schwerste politische Krise seit seinem Amtsantritt vor drei Jahren. Die in der Bevölkerung äußerst umstrittene Stationierung von 1.100 Soldaten im Irak ist für Japan das erste militärische Engagement in einer Krisenregion seit Ende des Zweiten Weltkrieges.

Verhandlungen in Falludscha sollen fortgesetzt werden

Mitglieder des irakischen Regierungsrats wollen im Laufe des Tages die Verhandlungen über eine Einstellung der Kämpfe in Falludscha fortsetzen. Unklar war, ob am Morgen eine Waffenruhe in Kraft getreten war, über die arabische Fernsehsender berichtet hatten. Von den US-Streitkräften gab es dafür keine Bestätigung. Es war aber nur vereinzelt Gefechtslärm zu hören.

Mahmud Othman vom Regierungsrat teilte mit, die Aufständischen in Falludscha hätten einer am Sonntag beginnenden Waffenruhe im Grundsatz zugestimmt, sie aber an die Bedingung geknüpft, dass sich die Amerikaner von der Stadt zurückziehen. Die US-Marineinfanterie hat ihrerseits am Samstag Verstärkungen in Stellung gebracht und mit einem Angriff auf die gesamte Stadt gedroht, sollten die Verhandlungen ergebnislos bleiben.

Seit Freitag haben 200.000 Einwohner Falludschas die Stadt verlassen

Die USA fordern als Gegenleistung für eine Waffenruhe die Auslieferung jener Iraker, die am 31. März vier US-Zivilisten töteten und verstümmelten und die Rückkehr der irakischen Polizei in die Stadt. Brigadegeneral Mark Kimmitt hatte am Samstag zudem gefordert, dass die irakischen Kämpfer ihre Waffen niederlegen und aus extremistischen Gruppen austreten, um den Aufstand in Falludscha vollständig zu beenden.

Oberstleutnant Brennan Byrne teilte heute mit, dass sein im Süden Falludschas stationiertes Bataillon keinen Befehl erhalten habe, die Belagerung abzubrechen. "Von Seiten der Rebellen hat es an diesem Morgen keinen Kontakt gegeben", sagte er. Er könne bestätigen, dass die US-Angriffe auf die Aufständischen fortgesetzt werden sollen. Die Aufständischen hätten die Wahl, sich zu ergeben oder zu sterben. Seit Freitag habe fast ein Drittel der 200.000 Einwohner Falludschas die Stadt verlassen, sagte Byrne weiter.