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Irak-Wahlgewinner Allawi: "Saddam ohne Schnurrbart"

Ajad Allawi ist ein Überlebenskünstler, privat wie politisch. Letzteres hat der frühere irakische Ministerpräsident bei der Parlamentswahl erneut bewiesen: Seine oppositionelle Irakija-Partei hat die Abstimmung mit knappem Vorsprung gewonnen.

Er hat sich gegen einen angeblich von Saddam Hussein beauftragten Attentäter zur Wehr gesetzt, mehrere Jahre seines Lebens im Exil verbracht und Gerüchten zufolge höchstpersönlich zahlreiche Aufständische erschossen. Ajad Allawi ist ein Überlebenskünstler, privat wie politisch. Letzeres hat der frühere irakische Ministerpräsident bei der Parlamentswahl erneut bewiesen: Seine oppositionelle Irakija-Partei hat die Abstimmung mit knappem Vorsprung gewonnen.

Im Wahlkampf setzte der Schiit auf nationale Identität und konnte sich damit als Alternative zu religiös eingefärbter irakischer Politik positionieren. Viele trauen dem gelernten Chirurgen zu, die konfessionellen Gräben im Land zu überwinden. Zugleich wird er oft als "Saddam ohne Schnurrbart" bezeichnet - jedenfalls von denen, die sich eine harte Hand an der Spitze des Staats wünschen. Dazu passt, dass der frühere Regierungschef bewusst Gerüchte im Raum stehen lässt, er habe während seiner ersten Amtszeit von 2004 bis 2005 mehrere Aufständische getötet.

Allawi sei "ein säkularer Nationalist, weit entfernt von schiitischen Islamisten", und habe damit bei Schiiten und Sunniten gepunktet, sagt der Nahost-Experte Michael Hanna von der Century Foundation mit Sitz in New York. Obwohl er selbst der schiitischen Glaubensrichtung angehört, fordert Allawi seit langem mehr Einfluss für die sunnitische Minderheit. Als ehemaliges Mitglied der Baath-Partei von Saddam Hussein überlebte er einen versuchten Anschlag, der vom damaligen Staatschef persönlich in Auftrag gegeben worden sein soll. Schließlich gründete Allawi eine Oppositionsgruppe mit dem Ziel, die Herrschaft Saddam Husseins zu stürzen.

Kritik blieb dem Überlebenskünstler nicht erspart: Während seiner Amtszeit als Ministerpräsident wurden Vorwürfe wegen weit verbreiteter Korruption laut. Vorwürfe handelte er sich auch ein, weil er während seiner Zeit als Abgeordneter nicht zu Sitzungen im Parlament erschien. Und im Wahlkampf wurde Allawi übelgenommen, dass er einige Zeit im Ausland verbrachte, darunter in Saudi-Arabien.

Für seine erste Amtszeit wurde Allawi, der fließend Englisch spricht, vom irakischen Verwaltungsrat gewählt, der nach der Invasion von den USA eingesetzt wurde. Er hat sich bemüht, diese Verbindung herunterzuspielen und distanziert sich außerdem von vielfach berichteten Verbindungen zum britischen Geheimdienst MI6 und der CIA während Saddam Husseins Herrschaft. Seine Partei Irakische Nationalallianz (INA) unterhielt in den Jahren vor der US-Invasion Kontakte zur CIA und dem Außenministerium in Washington.

Seine Familie hält Allawi vom Irak fern: Seine Angehörigen leben aus Angst vor Anschlägen in London.

Adam Schreck, APN / APN