HOME

Irakkrieg: "Rummy-Show" vor dem Ende?

Pentagonchef Donald Rumsfeld steht als "Irak-Pfuscher" am Pranger. In Bestandsaufnahmen drei Jahre nach der Invasion wird Rumsfeld ein Großteil der Schuld an der Gewalt im Irak zugewiesen.

Pentagonchef Donald Rumsfeld ist selten gut auf die Medien zu sprechen, und zurzeit weniger denn je. Beklagt sich der US-Verteidigungsminister seit Beginn des Irak-Kriegs immer wieder darüber, dass sich die Presse aus all den Entwicklungen im Zweistromland stets nur Negatives herauspicke, hört und liest er in diesen Tagen insbesondere Schlechtes über sich selbst.

In Bestandsaufnahmen drei Jahre nach der Invasion wird Rumsfeld ein Großteil der Schuld an der Gewalt im Irak zugewiesen. Von der "New York Times" bis hin zum Sender CNN spekulieren die Medien darüber, ob und wie lange sich "Rummy" noch im Amt halten wird.

So zeigt denn der Minister vor Journalisten wieder häufiger sein charakteristisches Lächeln. Rumsfeld tut das immer, wenn er persönlich in die Schusslinie gerät, und oft ist er dann auch besonders unterhaltsam - jener Stil, der seinen Pressekonferenzen den Titel "Rummy-Show" eingetragen hat.

Der Pfuscher, Donald Rumsfeld

Die Quintessenz der Vorwürfe: Selbstherrlich habe Rumsfeld alle Warnungen in den Wind geschlagen, dass das von ihm entsandte Truppenkontingent zwar groß genug zur Eroberung von Bagdad sei, aber nicht zur Stabilisierung der Lage im Land. George W. Bush sei von seinem Verteidigungsminister schlecht beraten worden, schrieb die "New York Times". Die Frage, ob durch eine verpfuschte Invasion Chancen verspielt worden seien, möge sich angesichts der derzeitigen Situation erübrigt haben, "bis auf eine Ausnahme: Der Pfuscher, Donald Rumsfeld, ist immer noch im Amt".

Kolumnistin Maureen Dowd zitierte darüber hinaus einen Regierungsbeamten mit den Worten, Rumsfelds Gewicht bei Minister-Treffen im Weißen Haus sei nicht mehr so groß wie früher. Der 73- Jährige werde wie ein exzentrischer alter Onkel behandelt, den man ignoriere.

Der Diktator, Donald Rumsfeld

Aber es sind nicht nur die Medien, die Rumsfeld ins Visier genommen haben. Die harscheste Kritik kam aus den militärischen Reihen. Rumsfeld müsse gehen, er habe strategisch und taktisch versagt, er sei nicht kompetent genug, die US-Streitkräfte zu führen, geschweige denn sie in einem Krieg anzuführen, befand Paul Eaton, ein pensionierter Generalmajor, der von 2003 und 2004 für die Ausbildung des irakischen Militärs zuständig war.

Rumsfeld sei selbst ein Diktator, fordere von seinen Offizieren nicht nur Loyalität, sondern "Vasallentreue", und sein Ego sei so groß, dass er überhaupt keine Ratschläge annehme, sagte Eaton. So sei Rumsfeld von kompetenten Offizieren gewarnt worden, dass die irakischen Sicherheitskräfte nach der Zerstörung des Staatsapparats "dahinschmelzen" würden, Chaos entstehen werde und daher mehr US-Truppen erforderlich seien.

Präsident George W. Bush bescheinigte seinem Minister einen "prima Job", was aber nicht viel besagt. Denn ähnlich lobte er nach dem Hurrikan "Katrina" im vergangenen Jahr den damaligen Chef der Behörde für Katastrophenmanagement, Michael Brown. Er musste dann bald angesichts der späten Reaktion auf den Sturm zurücktreten.

Ausweg: "ehrenvoller" Ruhestand

Was Rumsfeld betrifft, hat es Bush aber schwerer. Er hielt nach seiner Wiederwahl 2004 an ihm fest, obwohl sogar republikanische Kreise einräumten, dass sich Rumsfeld in Sachen Truppenstärke im Irak gründlich verkalkuliert habe und nicht auf den massiven Aufstand im Land und die Machtkämpfe zwischen den Bevölkerungsgruppen vorbereitet gewesen sei. Bush lehnte auch zwei Rücktrittsangebote von Rumsfeld im Zuge des Gefangenen-Misshandlungsskandals von Abu Ghoreib ab. Die Gründe dafür liegen auf der Hand. Zum einen schätzt der Präsident die Loyalität seines langjährigen Vertrauten, zum anderen - und wichtiger noch - könnte ein Rücktritt Rumsfelds zum jetzigen Zeitpunkt als Eingeständnis von Fehlern bei der Irak-Politik aufgefasst werden.

Aber das Blatt könnte sich im Fall eines deutlich sichtbaren Fortschritts im Irak ändern - wie der sehnsüchtig erwarteten Bildung einer Regierung unter Einschluss aller Bevölkerungsgruppen. Das gäbe Bush die Chance, den "alten Onkel" ehrenvoll in den Ruhestand zu schicken: mit einem Dankeschön für die geleisteten Dienste.

Gabriele Chwallek/DPA