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Rumsfelds Memoiren Ex-Außenminister beschuldigt Schröder und Chirac

In seinen Memoiren rechnet der ehemalige US-Außenminister Donald Rumsfeld mit Frankreich und Deutschland. Die europäischen Staaten hätten mit ihrem Verhalten den Irak-Krieg begünstigt.

Gut vier Jahre nach seinem Ausscheiden aus dem Amt hat der frühere US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld mit den einstigen entschiedenen Irakkriegsgegnern Gerhard Schröder und Jacques Chirac "abgerechnet". In seinen am Dienstag erschienenen Memoiren lastet der Ex-Pentagonchef dem damaligen Bundeskanzler und dem französischen Ex-Präsidenten an, mit ihrer Opposition die amerikanische Androhung einer Militäraktion weniger glaubwürdig gemacht zu haben. Dadurch hätten Schröder und Chirac dem irakischen Diktator Saddam Hussein "ein falsches Sicherheitsgefühl" vermittelt und letztendlich den Irakkrieg "wahrscheinlicher" gemacht.

Rumsfeld schreibt weiter, dass die deutsche und französische Position es Kritikern der USA erlaubt habe zu behaupten, dass "Europa" gegen eine Militäraktion sei. Dabei habe eine "große Mehrheit" europäischer Länder die USA unterstützt.

"Noch besorgniserregender ist, dass die Franzosen und Deutschen Saddams Regime, absichtlich oder nicht, den Eindruck vermittelt haben, dass sie eine militärische Konfrontation verhindern könnten", so der heute 78-Jährige. "Indem sie Saddam ein falsches Sicherheitsgefühl gegeben und dadurch den Anreiz für ihn zum Einlenken (...) verringert haben, haben die Franzosen und Deutschen zweifellos einen Krieg wahrscheinlicher und nicht weniger wahrscheinlich gemacht."

Rumsfeld war Ende 2006 von Präsident George W. Bush gefeuert worden - nachdem die Republikaner bei der Kongresswahl wegen des zunehmend unpopulären Irakkriegs eine verheerende Niederlage erlitten hatten. In den 815 Seiten umfassenden Memoiren mit dem Titel "Known and Unknown" (Bekannt und Unbekannt) verteidigt der Ex-Pentagonchef Rumsfeld die Kriegsentscheidung ohne Wenn und Aber, räumt allerdings ein, dass in der Anfangsphase ein größeres Truppenaufgebot möglicherweise besser gewesen wäre.

Rumsfeld, oft im Zentrum des transatlantischen Streits um den Irak, äußert sich in dem Buch auch zu seiner damaligen berühmt-berüchtigten Einstufung Deutschlands und Frankreichs als "altes Europa". Mit der Bemerkung wollte Rumsfeld darauf hinweisen, dass die Deutschen und Franzosen in Sachen Irakkrieg nicht für den gesamten europäischen Kontinent sprächen.

"Ironischerweise war mein Kommentar unbeabsichtigt", schreibt Rumsfeld. "Ich wollte eigentlich sagen, dass Frankreich und Deutschland die "alte Nato" repräsentieren." So oder so: Das "alte Europa" sei zum Volksmund-Begriff geworden. "Der Teil der Amerikaner, die es bevorzugten, Pommes Frites als "Freiheitsfritten" zu bezeichnen, liebte ihn." Die "Eliten" in Paris und Berlin, "die sich selbst als Beschützer einer hoch entwickelten neuen Weltordnung betrachteten, taten es nicht. Alles in allem hat mich der Aufruhr amüsiert."

In den Memoiren äußert sich Rumsfeld auch wenig schmeichelhaft über damalige US-Regierungskollegen wie Außenminister Colin Powell und Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice. Powell und dessen Gefolgsleuten lastet er unter anderem schlechtes Management und Skepsis gegenüber Regierungsinitiativen an, die schon an Illoyalität gegrenzt habe. Rice bescheinigt der Ex-Pentagonchef volle Loyalität, aber dafür Inkompetenz und schlechte Organisation.

DPA/mm DPA

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