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Wahl in Israel: Nach der Wahl: So denken Israelis über Netanjahus Sieg

Der israelische Wahlkrimi ist vorbei und es sieht nach einer erneuten Netanjahu-Regierung aus: In einem spannenden Kopf-an-Kopf-Rennen konnte er sich gegen seinen Herausforderer Benny Gantz behaupten. Die Reaktionen fallen unterschiedlich aus.

Video: Kein klarer Sieger nach Wahl in Israel

Es war einer der spannendsten Wahlabende, die Israel wohl je erlebt hat. Nachdem Ministerpräsident Benjamin Netanjahu Neuwahlen ausrief, zeichnete sich ein knappes Rennen ab. Denn der Ex–Militär Benny Gantz und seine Parteienallianz Kahol Lavan lieferten sich schon vor der Wahl in den Umfragen ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit Netanjahus rechtskonservativer Likud-Partei. Teilweise lag Gantz sogar vorne. Auch nach den ersten Hochrechnungen wurde deutlich, dass Kahol Lavan vor Likud lag. Doch Netanjahu konnte die religiösen und rechten Parteien, mit denen er schon eine Regierungskoalition schloss, hinter sich sehen – und das verschaffte ihm eine Mehrheit.

Wähler in Israel sind enttäuscht

So gespalten wie der Wahlkampf verlief, so gespalten wird auch das Ergebnis aufgenommen - in Bevölkerung und Presse. Bei einigen Wählern macht sich Enttäuschung breit. So erzählt Clara Libermann, 79 Jahre aus Rishon LeZion nahe Tel Aviv, gegenüber dem stern: "Ich bin enttäuscht. Ich dachte, ein Wandel würde kommen, aber im Moment sind wir einfach nur traurig. Ich hatte auf ein besseres Leben für meine Kinder und Enkelkinder gehofft!" Und der 62-jährige Yehuda Alain Schwartz aus Jerusalem meint zum Wahlausgang: "Die Wähler mochten die Spaltung der Parteien nicht." Kahol Lavan habe sich zwar gut geschlagen, aber die israelische Gesellschaft habe sich nach rechts gewandt, so Schwartz. "Aber eine Millionen Wähler (von Kahol Lavan) haben gegen Korruption von links und rechts gestimmt und das ist ein gutes Zeichen." 

Die israelische Presse reagiert unterschiedlich auf Netanjahus Sieg. Die Tageszeitung "Haaretz" schreibt in ihrer Onlineausgabe beispielsweise, dass der "hässlichste Wahlkampf aller Zeiten" nun endete, Netanjahu aber trotz seines Sieges eher geschwächt dasteht: "Im Gegensatz zu den vorherigen Wahlen, bei denen Netanjahu gegenüber seinen rechten Partnern eine große Macht hatte, verwässern die Parteienvielfalt und seine delikate rechtliche Situation diese Macht." Damit spielt "Haaretz" auf die Korruptionsvorwürfe gegen Netanjahu an.

Netanjahu ein "Underdog"

Das Nachrichtenportal "Arutz Sheva" bezeichnete Netanjahu als "Underdog" und schreibt: "Netanjahus Sieg hat alle getäuscht, von der 'New York Times' in Übersee bis zur 'Haaretz' (…) Jetzt ist es die Aufgabe von Netanjahu, die Mehrheit der Knesset mit 61 Sitzen zusammenzubauen."

Und die "Jerusalem Post" schreibt, dass es nicht wichtig sei, wie man gewinnt, sondern dass man gewinnt: "Es war eine hässliche Wahl, diese war hässlicher als die meisten, weil sie so unideologisch war: es ging so wenig über Themen und so viel über Persönlichkeiten. Um zu gewinnen, musste Netanjahu eine Spaltungskampagne durchführen; musste eine Fusion zwischen Bayit Yehudi und dem rechtsextremen Otzma Yehudit inszenieren und musste eine Bärenumarmung von US–Präsident Donald Trump gewinnen. Obwohl es für jede dieser Aktionen einen Preis geben wird, ist er bereit, ihn zu zahlen – wenn er muss alles – um zu gewinnen."

Quellen: "Haaretz", "Arutz Sheva", "The Jerusalem Post", ynet.com

Netanjahu gegen Gantz: Spannende Wahlen in Israel