Israel Peres verlässt Arbeitspartei


Der abgewählte Chef der israelischen Arbeitspartei, Schimon Peres, hat seinen Austritt erklärt. Bei den kommenden Wahlen will er ausgerechnet seinen einstigen Rivalen unterstützen.

In einem historischen Schritt hat der israelische Spitzenpolitiker Schimon Peres am Mittwoch seinen Austritt aus der Arbeitspartei erklärt. Peres sagte vor Journalisten in Tel Aviv, er wolle bei der kommenden Parlamentswahl Ministerpräsident Ariel Scharon und dessen neue Partei Kadima unterstützen.

Nur eine Koalition könne Fortschritte im Nahost-Friedensprozess garantieren, sagte der 82-Jährige. "Der Mann, der am besten geeignet ist, eine solche Koalition zu führen, ist Ariel Scharon", sagte Peres. "Die Sorge ist tief, aber die Hoffnung ist groß." Vor drei Wochen war Peres, der seit fast 50 Jahren Parteimitglied der Arbeitspartei war, durch Amir Perez als Vorsitzender abgelöst worden.

Spekulationen über Ministerposten

In den vergangenen Tagen hatten sich die Spekulationen über die Zukunft von Peres gehäuft. Israelische Medien berichteten, im Falle eines Wahlsiegs von Scharon könnte er dann einen ranghohen Ministerposten bekommen. Die ehemalige Kommunikationsministerin Dalia Itzik, die als Vertraute von Peres gilt, war am Dienstag aus der Arbeitspartei ausgetreten und hatte sich Scharons Partei angeschlossen.

Die israelische Parteienlandschaft erlebt gegenwärtig eine tief greifende Neuordnung. Perez hatte nach der Übernahme der Parteiführung die Koalition der Arbeitspartei mit Scharon aufgekündigt. Scharon verließ seinerseits seinen Likud und gründete eine neue Partei. Die Parteien von Scharon und Perez liefern sich seti Tagen ein heißen Rennen im Kampf um Kandidaten für ihre Listen und wenden sich dabei auch an Prominente, die bislang nicht in der Politik aktiv waren.

Die israelische Zeitung "Jediot Achronot" veröffentlichte am Mittwoch eine Umfrage, der zufolge Scharons Partei bei Neuwahlen im März mit 34 von 120 Parlamentssitzen stärkste Fraktion werden könnte. Die Arbeitspartei folgt mit 27 Mandaten. Der Likud-Rumpf war dagegen mit nur zehn Mandaten - einem Viertel seiner vorherigen Stärke - abgeschlagen auf dem vierten Platz, nach der ultra-orthodoxen Schas-Partei.

Reuters/DPA DPA Reuters

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