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Bodenoffensive in Israel: Eskalation macht Zivilisten das Leben zur Hölle

Mit einer groß angelegten Bodenoffensive ist der Konflikt im Nahen Osten eskaliert. Es gibt Opfer auf beiden Seiten. Die Ereignisse des Tages zum Nachlesen.

Zehn Tage nach Beginn seiner Luftangriffe auf den Gazastreifen hat Israel Bodentruppen in das Palästinensergebiet geschickt. Nach Angaben palästinensischer Rettungskräfte wurden in der Nacht zum Freitag 19 Palästinenser durch Panzerbeschuss und andere Kampfhandlungen getötet, darunter ein fünf Monate altes Baby. Die tödlichen Angriffe ereigneten sich demnach in Rafah, Chan Junis und Beit Hanun.

+++17:05 Uhr: Menschen im Gazastreifen noch immer ohne Strom +++

Die Eskalation im Gazastreifen trifft die Zivilbevölkerung besonders hart. Auf Twitter schreiben viele, dass sie seit heute Morgen keinen Strom und kein Wasser haben und befürchten dahinter eine psychologische Strategie des israelischen Militärs. In der 600.000-Einwohner-Stadt Gaza sollen die Straßen wie ausgestorben daliegen.

+++16:26 Uhr: UN-Sicherheitsrat vereinbart Krisen-Sitzung +++

Die Türkei und Jordanien beantragen beim Sicherheitsrat der Vereinten Nationen eine Krisen-Sitzung. Das Gremium wird um 21 Uhr unserer Zeit in New York zusammenkommen, um sich zu beraten. Der Rat hatte sich bereits am 10. Juli zur Gaza-Krise getroffen, sich aber nicht auf eine Resolution einigen können. Zwei Tage später forderte er aber in einem einstimmigen Beschluss eine Waffenruhe.

+++ 15:14 Uhr: Ägyptische Armee geht gegen islamistische Extremisten vor +++

Die ägyptische Armee stürmt im Kampf gegen Milizen nahe der israelischen Grenze mehrere Dörfer auf der Sinai-Halbinsel. Augenzeugen berichten, dass eine große Zahl Soldaten in gepanzerten Fahrzeugen in die Gebiete nahe den Ortschaften Rafah, Scheich Suwaid und Al-Arisch kommen, und von Haus zu Haus nach bewaffneten Kämpfern suchen. Nach Angaben aus Sicherheitskreisen sollen mit der Operation islamistische Extremistengruppen zerschlagen werden. Dabei seien auch zwei Schmugglertunnel zum Gazastreifen zerstört worden.

Die Militärkampagne im Norden des Sinai dauert schon seit mehr als einem Jahr an. In der Region sind zahlreiche Dschihadisten aktiv, regelmäßig gibt es Angriffe auf Sicherheitskräfte.

+++ 14:56 Uhr: Papst telefoniert mit Peres und Abbas +++

Papst Franziskus telefoniert mit Israels Staatschef Schimon Peres und Palästinenserpräsident Mahmud Abbas und äußert "seine sehr ernste Sorge" über die Eskalation des Nahost-Konflikts. Der 77-Jährige beklagt ein "Klima der wachsenden Feindlichkeit, des Hasses und Leids für die beiden Völker".

Der Argentinier erinnert die beiden Präsidenten, an die Notwendigkeit, weiter zu beten und sich einzusetzen, damit alle Beteiligten alles täten, "um die Feindseligkeiten zu beenden und sich um einen wirklichen Frieden und Versöhnung zu bemühen".

+++ 14:18 Uhr: Polizei verbietet Demonstration in Paris +++

Aus Sorge vor Ausschreitungen verbietet die Pariser Polizei eine geplante Demonstration pro-palästinensischer Gruppen gegen das militärische Vorgehen Israels im Gazastreifen. Es könne nicht garantiert werden, dass die für Samstag geplante Demonstration "in aller Sicherheit" ablaufe, sagt die Polizei. Die Organisatoren der Demonstration kündigten umgehend an, vor Gericht per Eilverfahren eine Erlaubnis erzwingen zu wollen.

Der Beschuss des Gazastreifens geht unterdessen rigoros weiter:

+++ 14:01 Uhr: Armee veröffentlicht Video des Einsatzes +++

Im offiziellen Youtube-Kanal veröffentlicht das israelische Militär Bilder von der Bodenoffensive. Sie zeigen, wie Panzer den Grenzzaun zum Gazastreifen öffnen. Es folgen Bodentruppen und ein Funkspruch.

+++ 13:25 Uhr: Augenzeugen berichten von Dauerbeschuss an Gaza-Grenze +++

Der Nahost-Korrespondent des ZDF berichtet direkt aus dem Kriesengebiet.

+++ 12:55 Uhr: Über Twitter wird Demo in Berlin organisiert +++

+++ 12:40 Uhr: Israel zieht Diplomaten aus der Türkei ab +++

Israel zieht wegen der Ausschreitungen vor seinen diplomatischen Vertretungen in der Türkei Botschaftspersonal ab. Die Vertretungen würden nur noch mit dem absolut notwendigen Personal besetzt, erklärt das israelische Außenministerium. Die türkische Polizei habe die Botschaft in Ankara und das Konsulat in Istanbul nicht ausreichend geschützt.

+++ 11:55 Uhr: Israelischer Regierungschef rechtfertigt die Angriffe +++

"Es ist nicht möglich, das Tunnelproblem nur aus der Luft zu beseitigen, unsere Soldaten gehen jetzt auch am Boden dagegen vor", begründet Benjamin Netanjahu die Bodenoffensive. Die Armee habe den Auftrag, "die Terrortunnel zu zerstören, die aus dem Gazastreifen nach Israel gegraben wurden".

+++ 11:54 Uhr: Auch Mediengebäude in Gaza werden beschossen +++

Eine palästinensische Nachrichtenagentur meldet, dass Kampfhubschrauber den Al-Dschauhara-Turm in der Stadt Gaza unter Feuer genommen hätten. Ein weiterer Angriff galt einem Hoochhaus im Stadtteil Rimal. Mehrere Mitarbeiter eines von dort sendenden lokalen Radios wurden demnach verletzt. Der Sendebetrieb wurde unterbrochen. Das israelische Militär nimmt dazu bislang keine Stellung.

+++ 11:46 Uhr: Merkel: Israel muss sich gegen Hamas wehren +++

Bundeskanzlerin Angela Merkel bekräftigt Israels Recht zur Selbstverteidigung. Deutschland stehe in dieser Frage an der Seite Israels. "Das muss natürlich angemessen durchgeführt werden", sagt Merkel. "Es gibt eine völlig neue Qualität der Bewaffnung der Hamas." Die Großstädte Jerusalem und Tel Aviv seien für die radikale Palästinenserorganisation mit Raketen erreichbar. "Jedes Land muss sich natürlich, wenn es so angegriffen wird, wehren." Zugleich strebe Deutschland eine diplomatische Lösung an.

+++ 10:47 Uhr: Netanjahu: Können Offensive ausweiten +++

Die Bodenoffensive im Gazastreifen hat bereits jetzt erhebliche Folgen. Nach den Worten von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu ist Israel aber bereit, die die Militäraktionen noch erheblich auszuweiten. Näher äußerte er sich nicht.

+++ 10.27 Uhr: Demonstranten attackieren Israels Konsulat in Istanbul +++

Die türkische Nachrichtenagentur Dogan berichtet, dass hunderte Demonstranten in der Nacht zu Freitag aus Protest gegen die Offensive im Gazastreifen das israelische Generalkonsulat in der türkischen Metropole Istanbul attackiert haben. Teilnehmer warfen mit Steinen Fenster ein und versuchten auf das Gelände des Konsulats vorzudringen, Demnach schwenkten Demonstranten palästinensische Flaggen und skandierten israelfeindliche Parolen. Die Polizei schritt dem Bericht zufolge mit Wasserwerfern und Tränengas ein, um die Menge auseinander zu treiben.

+++ 9.07 Uhr: Vereinte Nationen und USA appellieren an Israel +++

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon sagt, er bedauere, dass "ein bereits gefährlicher Konflikt nun noch weiter eskaliert ist". Israel müsse nun noch "weit mehr tun, um zivile Opfer zu vermeiden". US-Außenminister John Kerry forderte in einem Telefonat mit Netanjahu, die Bodenoffensive müsse sich "zielgerichtet" gegen die Tunnel richten. Eine "weitere Eskalation" der Lage müsse vermieden und der Waffenstillstand von 2012 "so schnell wie möglich" wieder hergestellt werden.

+++ 7:10 Uhr: Erster israelischer Soldat bei Offensive getötet +++

Ein erster israelischer Soldat ist in der Nacht zum Freitag bei der Bodenoffensive im Gazastreifen gestorben. Die Armee teil mit, es habe im nördlichen Abschnitt des palästinensischen Küstengebiets einen ersten Verlust auf eigener Seite gegeben. "In der Nacht ist viel passiert", sagte der Chefsprecher des Militärs, General Moti Almos, im Armeeradio. "Wir untersuchen noch die Umstände des Vorfalls, bei dem ein Soldat getötet wurde, und werden die Ergebnisse dann bekanntgeben."

kbl/DPA/AFP/Reuters / DPA / Reuters