Israels Botschafter Stein "Es reicht nicht, nur Frieden zu sagen"


Ägypten will Israel bei der Freilassung eines verschleppten Soldaten helfen. Im Interview mit stern.de sagt Israels Botschafter Schimon Stein, warum sein Land den Nachbarn schätzt und was es von Syriens Vorschlag hält, Friedensgespräche zu führen.

Herr Botschafter, im Badeort Scharm al Scheich fand das ägyptisch-israelische Gipfeltreffen statt, bei dem auch die Freilassung des verschleppten israelischen Soldaten Gilat Schalit verhandelt wird. Wie sind die Verhandlungen gediehen?

Ich weiß, dass die Freilassung für Israel eine zentrale Angelegenheit ist und wir alles unternehmen werden, um Gilat Schalit freizubekommen.

Welche Rolle spielt Ägypten dabei?

Eine große. Ägypten bemüht sich seit Beginn der Entführung im Juni 2006, um seine Freilassung. Allerdings sind die Verhandlungen sehr schwierig, aber wir sind bereit, einen Preis für die Freilassung zu zahlen.

Es heißt, Israel sei bereit, Schalit gegen 450 palästinensische Gefangene auszutauschen.

Es hilft nichts, eine Zahl in den Raum zu stellen. Damit erhöht man nur den Druck oder schürt unrealistische Erwartungen. Es kommt darauf an, dass wir bereit sind, Zugeständnisse zu machen, also Gefangene auszutauschen. Nur müssen wir geduldig sein, auch wenn die Familie des Soldaten langsam die Geduld verliert. Wir wollen jetzt mit Hilfe der ägyptischen Bemühungen, die Sache so schnell wie möglich über die Bühne bringen.

Sie sind optimistisch?

Wissen Sie, wenn man in unserer Region optimistisch ist, dann fragen alle immer erst, warum man optimistisch ist. Ich aber will optimistisch sein, damit diese traurige Geschichte endet. Denn das Schicksal der Familie ist für uns Israelis von großer Bedeutung. Ägypten versteht das. Und Ägypten versteht auch, dass die Freilassung des Soldaten ein Beitrag dazu ist, Palästinenser-Präsident Mahmud Abbas zu stärken.

Das Verhältnis von Israels Regierungschef Ehud Olmert und Mahmud Abbas wird als sehr gut beschrieben.

Für uns ist Abbas wichtig, weil er für eine politische Perspektive im Nahen Osten steht. Für eine politische Lösung, die in zwei Staaten münden soll. Und er steht Kräften gegenüber, wie Hamas, Syrien und Iran, die eben keine Perspektive bieten. Zumindest keine, die auf eine Beilegung des Konflikts zielt. Deshalb ist es uns wichtig, Abbas zu stärken. Deswegen haben wir ja auch Maßnahmen ergriffen, den seinen moderaten Kurs zu unterstützen. Wie zum Beispiel die Reiseerleichterungen für Palästinenser im Westjordanland.

Andere Ankündigungen des Gipfeltreffens vor Weihnachten, wie die Schließung von Kontrollpunkten oder die Überweisung von zurückgehaltenen Steuereinnahmen in Höhe von 100 Millionen Dollar wurden allerdings noch nicht umgesetzt.

Einen Teil der Verpflichtungen haben wir schon erfüllt und wir bemühen uns, auch den Rest so schnell wie möglich zu implementieren.

Unterstützt Israel die Absicht Mahmud Abbas', neu wählen zu lassen?

Wahlen in den palästinensischen Gebieten sind eine Angelegenheit der dortigen Behörden und die alleinige Entscheidung von Abbas. Wir wollen, dass die Extremisten nicht die Oberhand gewinnen.

Vor kurzem ist Syrien, Gegner der Zwei-Staaten-Lösung im Nahen Osten, überraschend mit einen Gesprächsangebot auf Israel zugekommen. Es will Verhandlungen unter dem Motto "Land für Frieden" führen. Nehmen Sie das Angebot ernst?

Israels strategisches Interesse ist es, den Konflikt mit Syrien und dem Libanon friedlich beizulegen. Mit Jordanien und Ägypten ist uns das auch schon gelungen, mit Syrien und dem Libanon leider noch nicht. Wenn aber Syrien sein Angebot unter die Parole "Land für Frieden" stellt, dann ist uns allen klar, welches Gebiet Syrien dabei im Auge hat, nämlich die Golan-Höhen ....

... über die Israel grundsätzlich verhandeln würde.

Aber die Frage für uns ist: Was bekommen wir eigentlich von Syrien? Wenn es zu Verhandlungen kommt, dann muss das Klima stimmen. Und Terror, wie er von Syrien unterstützt wird, führt nicht gerade zu einem guten Klima. Wenn von uns ein Preis verlangt wird, und der Preis aus Land besteht, dann wollen wir schon wissen, was das für ein Frieden ist, der uns in Aussicht gestellt wird.

Sie misstrauen Syrien zutiefst?

Die destruktive Rolle, die das Land im Libanon-Konflikt gespielt hat, dessen Hilfen für die Hisbollah und die Hamas, die Allianz mit Iran - all das bedroht die moderaten Kräfte in der Region. Von Syriens Präsident Baschar al Assad haben wir bis heute kein Zeichen von friedensfördernden Maßnahmen gesehen. Und alle Zeichen deuten darauf hin, dass das neue syrische Angebot nur der Versuch des Landes ist, sich aus der internationalen Isolation zu befreien. Alleine Frieden sagen, reicht leider nicht.

Das vergangene Jahr war turbulent - für Israel und die Region. Was erwarten Sie vom neuen Jahr?

2007 könnte noch einmal ein Schicksalsjahr werden. Es geht um eine Weichenstellung für die Zukunft. Wenn sich die moderaten Kräfte - Jordanien, Saudi-Arabien, Ägypten und Palästinenser-Präsident Mahmud Abbas durchsetzen, dann bin ich optimistisch. Nicht aber, wenn diejenigen, die Oberhand gewinnen, die die Region terrorisieren wollen. Also Iran, Syrien, Hisbollah und Hamas. Es kommt ein großes Stück Arbeit auf uns zu.

Interview: Niels Kruse

Anmerkung der Redaktion: Am Donnerstag sind bei einer israelischen Razzia in Ramallah vier Palästinenser getötet und rund 20 weitere verletzt worden. Das Gespräch mit Schimon Stein wurde wenige Stunden vor der Aktion geführt.


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