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Jaroslaw Kaczynski: Polnischer Oppositionsführer drängt auf EM-Boykott

Der polnische Oppositionsführer Jaroslaw Kaczynksi hält die Androhung eines EM-Boykotts für legitim. Der polnische Staatspräsident Bronislaw Komorowski hingegen hatte den Boykott zuvor als "unangemessene Reaktion" bezeichnet.

Der polnische Oppositionsführer Jaroslaw Kaczynski hat sich für einen Boykott der Ukraine während der Fußballeuropameisterschaft ausgesprochen. Der Druck auf das Nachbarland, das gemeinsam mit Polen EM-Gastgeber ist, müsse verstärkt werden, schrieb Kaczynski in einem Beitrag für die polnische Nachrichtenagentur PAP (Donnerstag).

Das Vorgehen der ukrainischen Führung gegen die Opposition, vor allem gegen die inhaftierte ehemalige Regierungschefin Julia Timoschenko, erfordere eine harte Haltung auch der polnischen Politiker. "Auch die polnische Regierung sollte mit dem Boykott des ukrainischen Teils der EM drohen", forderte Kaczynski. Seine Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS) begrüße die bisherigen Boykottforderungen westlicher Politiker.

Der polnische Staatspräsident Bronislaw Komorowski hatte dagegen am Mittwochabend in einem Fernsehinterview einen EM-Boykott der Ukraine als unangemessene Reaktion bezeichnet. Er warnte davor, dass eine Isolation des Landes die Westintegration der Ukraine gefährde.

Lemke: EM-Boykott bestraft Sportler und Fans

Der UN-Sonderberater für Sport, Willi Lemke, hat vor einem politischen Boykott der Fußball-Europameisterschaft in der Ukraine gewarnt. "Ich finde es viel besser, wenn man dort hinfährt und die Möglichkeit des Dialogs in allen Feldern - mit den Fans, mit den Offiziellen - versucht hinzubekommen. Natürlich auch mit Vertretern der Opposition", sagte Lemke am Donnerstag im Deutschlandfunk mit Blick auf die Menschenrechtssituation.

Mit eine Boykott der EM-Spiele bestrafe man den Sport "und diejenigen, die sich jetzt sehr sehr darauf freuen". Lemke forderte, die Nationalspieler über die politische Lage in der Ukraine aufzuklären, bevor sie zur EM reisen.

Nach Angaben der Tochter von Julia Timoschenko verschlechtert sich der Gesundheitszustand der inhaftierten ukrainischen Oppositionsführerin von Tag zu Tag. Die Lage sei lebensbedrohlich, sagte Jewgenija Timoschenko am Donnerstag im ZDF-"Morgenmagazin". Die erkrankte Ex-Regierungschefin war am 20. April in den Hungerstreik getreten. Am Fall Timoschenko hatte sich die Debatte über Menschenrechtsverletzungen und Ukraine-Boykott entzündet.

fle/DPA / DPA