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Buch von Ex-Sicherheitsberater: John Bolton und Justizminister Barr werfen Trump beunruhigende Nähe zu Autokraten vor

Das Buch von Donald Trumps Ex-Sicherheitsberater John Bolton sorgt für Unruhe. Die "New York Times" berichtet, Justizminister Barr habe befürchtet, der US-Präsident sei bereit, ausländischen Autokraten "Gefälligkeiten" zu erweisen.

Donald Trump und Recep Tayyip Erdogan

Schätzen sich: Donald Trump und Recep Tayyip, hier im November im Weißen Haus

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John Boltons Buch erscheint erst im März, doch die Vorbeben, die es auslöst, sind schon jetzt gewaltig. Mitten im Amtsenthebungsverfahren gegen Donald Trump gelangen Auszüge an die Öffentlichkeit, nach denen der frühere Sicherheitsberater die Vorwürfe gegen den US-Präsidenten im Grunde bestätigt. Nicht nur für Trumps Verteidiger ist das ein Schlag in den Nacken. Und es bleibt nicht bei den wenigen, durchgesickerten Sätzen aus dem Manuskript. Laut der "New York Times" stellt der 71-Jährige seinem früherem Chef generell ein fragwürdiges Zeugnis aus.

War Donald Trump zu Gefälligkeiten bereit?

Wie das Blatt schreibt, seien sowohl Bolton als auch Justizminister William Barr besorgt darüber gewesen, auf welche Weise Trump mit Autokraten wie Recep Tayyip Erdogan aus der Türkei und Xi Jinping aus China spreche. So habe Barr im privaten Rahmen seine Sorge geäußert, dass der US-Präsident bereit sei, seinen Kollegen aus der Türkei und China persönliche Gefälligkeiten zu gewähren. Konkret habe Trump bei Treffen mit ihnen den Anschein erweckt, dass er "unbotmäßigen Einfluss" auf zwei Untersuchungen des US-Justizministeriums gegen Unternehmen aus diesen Ländern nehmen könne, wird Barr in dem Buch zitiert. Konkret werden die Ermittlungen gegen die türkische Bank Halkbank genannt, sowie der chinesische Telekom-Ausrüster ZTE.

Donald Trump und John Bolton

"John Boltons Bericht unterstreicht das Unbehagen über Trumps Kuschelkurs gegenüber autoritären Herrschern, die schon länger von Experten und Opposition kritisiert wird. Offenbar gibt es auch im Kreis des Regierungskabinette Misstrauen über Trumps Außenpolitik- und Sicherheitsagenda", schreibt die "New York Times".

Das Justizministerium dementiert die kolportierten Äußerungen von William Barr: "Es gab keine Diskussion über "persönliche Gefallen" und "unzulässigen Einfluss" auf Ermittlungen. Auch habe Justizminister Barr Trumps Konversationen mit ausländischen Staatslenkern nicht als unangemessen bezeichnet. "Sollte Herr Bolton dies tatsächlich geschrieben haben, dann scheint er seine eigenen Ansichten Justizminister Barr in den Mund gelegt haben – Ansichten, die mit denen der Justizminister nicht übereinstimmt", so eine Sprecherin.

Wer hat die Auszüge an die "NYT" weitergegeben?

Boltons Buch-Auszüge versetzen auch andere Behörden in Unruhe. Bislang ist nur bekannt, dass das Manuskript Ende Dezember ans Weiße Haus geschickt wurde – wo es routinemäßig auf mögliche sicherheitsrelavante Passagen untersucht wird. Sowohl der Autor als auch sein Verlag bestreiten, Inhalte an die "New York Times" weitergegeben zu haben. Laut Boltons Anwalt kämen die jetzt öffentlich gewordenen Abschnitte direkt aus der Regierungszentrale. Als konkrete Quelle wird der Nationale Sicherheitsrat genannt. Der aber will sich dazu bislang nicht äußern.

nik