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Jubel in Ägypten Kairo feiert die Nacht durch


Nach dem Rücktritt von Husni Mubarak haben viele tausend Ägypter auf dem Tahrir-Platz in Kairo bis Samstagmorgen ausgeharrt und den Abgang des Präsidenten bejubelt.

Zeitenwende am Nil: Nach fast 30 Jahren an der Macht hat der ägyptische Staatschef Husni Mubarak dem Druck der Straße nachgegeben und abgedankt. Tausende Ägypter haben auf dem Tahrir-Platz in Kairo und Millionen im ganzen Land die Nacht über den Rückzug Mubaraks gefeiert. Noch ist unklar, wie lange die Demonstranten auf dem Tahrir-Platz bleiben wollen, berichteten Augenzeugen.

Ganz Kairo war am Freitagabend auf den Beinen. Es herrschte euphorische Karnevalsstimmung. Feuerwerksraketen schossen in den Nachthimmel. "Aufs Essen kann man zur Not verzichten, aber nicht auf die Freiheit", sagte ein Demonstrant. Friedensnobelpreisträger Mohammed El Baradei erklärte laut BBC kurz und bündig: "Das ist der schönste Tag meines Lebens."

"Masri hurrija! Masri thaura!"

Nach dem Rücktritt des Staatschefs am Freitag hatte das Oberkommando der ägyptischen Streitkräfte die Macht übernommen. Ein Sprecher des Militärs hatte anschließend erklärt, dass die Armee eine legitime zivile Regierung nicht auf Dauer ersetzen werde. Mubarak hatte sich mit seiner Familie in seine Residenz im Sinai-Badeort Scharm el Scheich zurückgezogen.

Die ägyptische Opposition hatte die Entwicklungen am Freitagabend mit lautem Jubel und Siegesgesängen gefeiert. Sie schwangen ägyptische Fahnen, trommeln, sangen, riefen sich Glückwünsche zu. Immer wieder skandierten sie: "Masri hurrija! Masri thaura!" - Ägyptische Freiheit! Ägyptische Revolution!

Obama: Ägypten steht erst am Anfang

US-Präsident Barack Obama begrüßte den Rücktritt. Die Stimme des Volkes sei gehört worden. "Aber dies ist kein Ende, das ist ein Anfang", sagte Obama in Washington. Es stünden sicher schwierige Tage bevor, an deren Ende "echte" Demokratie stehen müsse. Der US-Präsident rief das ägyptische Militär auf, die Rechte des Volkes zu achten. Er forderte die Aufhebung des Ausnahmezustandes sowie Verfassungsänderungen, die den Weg zu freien und fairen Wahlen ebneten.

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) äußerte sich sehr erfreut. "Wir sind alle Zeugen eines historischen Wandels", sagte sie in Berlin. Sie wünsche den Ägyptern eine Gesellschaft "ohne Korruption, Zensur, Verhaftung und Folter". Die Entwicklung in Ägypten müsse jetzt unumkehrbar gemacht und friedlich gestaltet werden. "Am Ende der Entwicklung müssen freie Wahlen stehen."

Militärrat übernimmt die Macht

Nach Mubaraks Rücktritt übernahm am Abend der Oberste Militärrat unter dem bisherigen Verteidigungsminister Mohammed Hussein Tantawi die Macht. Tantawi grüßte am Abend vor dem Präsidentenpalast in Kairo feiernde Demonstranten. Das Oberkommando der Streitkräfte werde Regierung und Parlament entlassen, berichtete der arabische Nachrichtensender Al-Arabija.

In einer Erklärung versicherte ein Sprecher des Obersten Militärrats im Fernsehen, dass das Militär den Willen des Volkes erfüllen wolle. Er dankte dem zurückgetretenen Präsidenten Husni Mubarak. Den Menschen, die bei den Protesten getötet wurden, bezeugte er mit einen militärischen Gruß Respekt. Sie hätten ihr Leben für die Freiheit Ägyptens gegeben. Am Donnerstag hatten die Demonstranten stundenlang hoffnungsvoll auf eine Erklärung Mubaraks gewartet und waren dann enttäuscht worden. Der 82-Jährige hatte nach fast 30 Jahren im Amt einen Rücktritt erneut abgelehnt. Dass Vizepräsident Omar Suleiman einen Teil der Vollmachten Mubaraks übernahm, ging der Opposition nicht weit genug.

Mubarak setzt sich nach Scharm el Scheich ab

Der Rücktritt zeichnete sich am Mittag ab, als Augenzeugen berichteten, ein Hubschrauber sei vom Präsidentenpalast im Kairoer Stadtteil Heliopolis aus abgeflogen. Wenig später landete Mubarak im Badeort Scharm el Scheich. Mehrfach war in den vergangenen Tagen die Möglichkeit ins Spiel gebracht worden, dass sich Mubarak dorthin zurückziehen könnte.

Die Schweizer Regierung will mögliche Konten des Mubarak-Clans ausfindig machen und dann sperren. Eine entsprechende Verordnung sei von der Regierung angeordnet worden, sagte Außenministerin Micheline Calmy-Rey am Freitag. Nach Medienberichten soll der Mubarak-Clan mehr als 40 Milliarden Dollar angesammelt haben. Wie viel davon auf Schweizer Banken gelandet ist, bleibt noch ungewiss.

tib/kng/DPA/AFP/Reuters DPA Reuters

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