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Kandidatenkür der US-Republikaner: Perry ist für Duell gegen Obama bereit

Neuer Schwung in den lahmen Vorwahlkampf der US-Republikaner: "Anti-Obama" Rick Perry wirft den Cowboyhut in den Ring - und darf mit der Unterstützung der erzkonservation Tea-Party-Bewegung rechnen. Der Texaner könnte ein ernsthafter Herausforder für Barack Obama sein.

Der Republikaner Rick Perry hat schon eine Art Spitznamen: Er ist der "Anti-Obama" aus Texas. Krasser könnten die Gegensätze zwischen ihm und dem Demokraten im Weißen Haus kaum sein. Jetzt hat Perry seinen Cowboyhut in den Ring geworfen - und schon gilt er als einer der chancenreichsten Bewerber im Rennen um die republikanische Präsidentschaftskandidatur.

Bisher führt Mitt Romney das Feld an, aber von den Stühlen hat er kaum jemanden gerissen. Wäre da nicht die radikalkonservative Kongressabgeordnete Michele Bachmann gewesen, die bisher für Farbe im Wahlkampf sorgte - "man hätte manchmal gähnen können", sagt ein CNN-Kommentator. Jetzt könnte sich das ändern: Viele Experten sind sich einig, dass mit Perry Schwung und Spannung ins Rennen kommen.

Gang wie John Wayne, Waffe beim Joggen dabei

Seit mehr als zehn Jahren ist er Gouverneur von Texas, er übernahm den Posten von George W. Bush, als dieser 2001 ins Weiße Haus einzog. Aber Perry ist, wenn es so etwas gibt, noch bei weitem "texanischer" als sein Vorgänger, und er pflegt das Image - vom Dialekt über seinen Gang á la John Wayne bis hin zu seiner absoluten Waffenverliebtheit: Der ehemalige Luftwaffenpilot hat gar eine beim Joggen dabei.

Dass der 61-jährige das parteiinterne Rennen gründlich aufmischen könnte, deutete sich schon am Samstag an. Da stahl Perry mit einer populistischen Antrittsrede in South Carolina einer Reihe von Mitbewerbern die Schau, die sich in Iowa einer Testabstimmung stellten, aus der Michele Bachmann als Siegerin hervorging. Massive Kritik am "Versager" Obama, einer "orientierungslosen" und "verschwendungssüchtigen" Führung in Washington, die das Land an den Rand des Ruins getrieben habe, das eigene Versprechen, sich als Präsident so wenig wie möglich in das Leben der Amerikaner einzumischen - so etwas ist Musik in den Ohren der Fundamentalisten.

Perry ist konservativ pur

Die Medien sparten nicht an aufgeregter Aufmerksamkeit - um keinen der republikanischen Kandidaten im bisherigen Feld hat es beim Einstieg ins Rennen so großen Rummel gegeben wie um Perry. Das kommt nicht von ungefähr. Perry ist nicht nur äußerst konservativ - ein Muss, um die Unterstützung der radikal rechten Tea-Party-Bewegung zu erhalten. Er verfügt - etwa im Gegensatz zu Bachmann - zugleich über langjährige Regierungserfahrung, und seine bisherige Politik bietet einen scharfen Kontrast zu der von Obama. Das macht Perry auch so besonders gefährlich für Romney, den Ex-Gouverneur von Massachusetts. Viele Rechtskonservative misstrauen ihm, wegen "Flipflops" in sozialen Fragen wie der Abtreibung, wegen der Gesundheitsreform, die der einst moderate Romney seinerzeit in seinem Staat durchsetzte und die der bei den Republikanern so verhassten "Obamacare" ähnelt.

Perry, so sehen es viele unabhängige Analytiker, ist weitgehend frei von solchen Belastungen, nahezu "konservativ pur". Er ist ein strikter Gegner von Abtreibungen und Homo-Ehen und umgekehrt ein ebenso starker Verfechter der Todesstrafe: In keinem Staat wird so viel hingerichtet wie in Texas. Perry präsentiert sich als treuer Ehemann, immer noch glücklich mit seiner Jugendliebe verheiratet, er ist äußerst religiös, wie er erst kürzlich mit einer Massengebetsveranstaltung unterstrich: 30.000 Menschen kamen.

Niedrige Steuern, große Armut

Vor allem aber: Perry praktiziert in Texas "das platonische Ideal des republikanischen Modells für Wirtschaftswachstum", wie es die "Washington Post" formulierte: niedrige Steuern, möglichst wenige staatliche Regulierungen, begrenzte öffentliche Dienstleistungen. Es gibt keine Einkommensteuer in Texas, insgesamt liegt es bei der Steuerhöhe pro Kopf unter den US-Staaten auf Platz 46. Zugleich weist Texas klar den höchsten Jobzuwachs von allen auf, die Arbeitslosigkeit liegt bei 8,2 Prozent, US-weit sind es 9,1 Prozent.

Die begrenzte Regierungsrolle spiegelt sich aber auch darin wider: Die Armutsrate in Texas ist die vierthöchste unter den US-Staaten, bei den Ausgaben für Schulen ist Texas nahezu Schlusslicht. An der Spitze liegt der Staat bei der Zahl der Einwohner ohne Krankenversicherung und - nach Angaben einer "Watchdog"-Organisation - bei der Luft- und Wasserverschmutzung.

"Texas-Modell" für die USA problematisch

Vor diesem Hintergrund äußern sich demokratische Strategen zuversichtlich, dass Perry in einem Zweikampf mit Barack Obama Probleme hätte, sein "Texas-Modell" als Vorbild zu verkaufen. Allerdings, so meinen andere, könnte Perrys "scharfkantiges" Profil die Kopfschmerzen bei manchen Liberalen verschlimmern. Sie glauben, dass Obama in seiner Politik zu konziliant gegenüber den Republikanern geworden ist und wieder an Kontur gewinnen muss.

dho/AFP/DPA/Reuters / DPA / Reuters