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Keine neuen Visa: US-Journalisten droht Ausweisung aus China

Etwa zwei Dutzend US-Korrespondenten warten in China wohl vergeblich auf neue Visa. Besonders Medien, die kritisch über den Reichtum der politischen Führung berichteten, sind betroffen.

Zwei Dutzend Journalisten von US-Medien droht eine Ausweisung aus China. "Kein Korrespondent der 'New York Times' und von Bloomberg konnte bislang sein jährliches Visum erneuern", kritisierte die Vereinigung der Auslandskorrespondenten in China (FCCC) am Montag in Peking. Die chinesischen Behörden setzten zunehmen die Vergabe von Visa ein, um Einfluss auf die Berichterstattung zu nehmen, hieß es weiter in dem Statement. Beide US-Medien hatten im vergangenen Jahr über die immensen Vermögen der Familien von Chinas Führern berichtet.

US-Vizepräsident Joe Biden hatte sich bei seinem Besuch in Peking vergangene Woche für bessere Arbeitsbedingungen von Journalisten ausgesprochen, wie US-Beamte berichteten. Daraufhin sagte der Sprecher des chinesischen Außenministeriums, Hong Lei, am Freitag: "China setzt sich dafür ein, sehr gute Bedingungen für ausländische Journalisten im Land zu bieten." Aber ausländische Berichterstatter müssten sich an die vorgegebenen Regeln der chinesischen Regierung halten. Er ließ jedoch offen, gegen welche Regeln die Journalisten verstoßen haben könnten, die noch auf ihre neuen Visa warten.

18 Monate Wartezeit

Ende vergangenen Jahres musste bereits ein Korrespondent der "New York Times" China verlassen. Chinesische Behörden verweigerten dem Australier Chris Buckley die Verlängerung seines Journalistenvisums. Nur sieben Monate zuvor hatte Peking die US-Journalistin Melissa Chan vom arabischen Fernsehsender Al Jazeera ausgewiesen. Es war die erste Ausweisung seit 14 Jahren und wurde als Teil einer Einschüchterungskampagne verstanden. Auch verweigert China dem designierten künftigen Bürochef der "New York Times" in Peking, Philip Pan, seit mehr als 18 Monaten eine Akkreditierung.

Die Journalistenvereinigung FCCC kritisierte: "Die Behörden haben keine öffentliche Begründung für ihr Vorgehen gegeben." Das erzeuge den Eindruck, dass es um eine Vergeltung für eine Berichterstattung gehe, die der Regierung missfallen habe.

ono/DPA / DPA
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