Kim Jong Il bereitet Nachfolge vor Es ist ein... Diktator


Nach außen gibt sich Nordkorea derzeit betont aggressiv, im Inneren brodelt es jedoch. Kim Jong Il, Nordkoreas offenbar gesundheitlich angeschlagener Machthaber, braucht einen Thronfolger. Heißer Kandidat ist sein jüngster Sohn Jong Un.

Das Regime im kommunistischen Nordkorea hebt nur selten den Schleier vor den innenpolitischen Vorgängen im Lande. Die Entscheidungen des seit 16 Jahren regierenden Machthabers Kim Jong Il bleiben selbst für das 24-Millionen-Volk oft nur im spekulativen Dunkel. Nicht anders ist die bei der Frage der Machtnachfolge im Land. Jetzt hat die über die Staatsmedien gemachte Ankündigung des Politbüros der herrschenden Arbeiterpartei über ein nur selten einberufenes Treffen der wichtigsten Parteidelegierten erneut die Spekulationen zu diesem Thema angeheizt. Laut Experten könnte bei der für September geplanten Wahl des "höchsten Parteigremiums" nebenbei auch Kims dritter und jüngster Sohn Jong Un offiziell in Stellung gebracht werden.

Als einigermaßen sicher gilt im Ausland mittlerweile, dass der gesundheitlich angeschlagene Diktator seinen Sohn als politischen "Kronprinzen" aufbaut. Auch die Nordkoreaner wissen nach Angaben von Diplomaten in Pjöngjang mehr oder weniger, dass Jong Un die "Kim-Dynastie" in dritter Generation weiterführen soll. Südkoreas Geheimdienstchef Won Sei Hoon berichtete vor Abgeordneten in Seoul vor einigen Tagen, dass bereits eine Kampagne im Nachbarland laufe, um den 27 oder 28 Jahre alten Jong Un bekannt und beliebt zu machen. Ausgeschlossen wird aber auch nicht, dass eine Militärjunta die Macht übernehmen könnte, wenn Kim Jong Il, der vor knapp zwei Jahren einen Schlaganfall erlitten haben soll, plötzlich stirbt.

Für die Vermutung, dass die Machtübertragung bei dem Parteitreffen im September auch formell in die Wege geleitet werden könnte, sprechen nach Meinung von Beobachtern mindestens zwei Punkte.

Erstens, die für Nordkoreas Verhältnisse relativ kurze Folge wichtiger politischer Versammlungen lässt auf eine gewisse Dringlichkeit schließen. Erst vor drei Wochen wurde Kim Jong Ils Schwager Jang Song Thaek bei einer Sitzung der Obersten Volksversammlung in Pjöngjang zum Stellvertreter des Machthabers in der Nationalen Verteidigungskommission, dem mächtigsten Entscheidungsgremium des Landes, berufen. Jang ist selbst ein hoher Parteifunktionär und gilt als Kims "Mann des Vertrauens", der die Machtübertragung an Jong Un steuern soll. Die zweite Parlamentssitzung in diesem Jahr war erst im Mai überraschend angekündigt worden. Das Parlament tritt in der Diktatur normalerweise nur ein- oder zweimal jährlich zusammen.

Zweitens, das geplante Treffen der wichtigsten Repräsentanten der Arbeiterpartei ist laut Experten die erste derartige Versammlung seit mehr als 40 Jahren. Das lasse auf eine "sehr wichtige Agenda" schließen, sagt der Experte Paik Hak Soon vom privaten Sejong- Institut nahe Seoul. Neben einer Umbildung der Führungsmannschaft der Partei könne dies mit der Nachfolgeregelung zu tun haben. So sei es möglich, dass Kim Jong Un entweder eine wichtige Funktion in der Verteidigungskommission übernehmen oder als Mitglied ins Politbüro der Partei aufgenommen werde. "Wir können aber nicht 100 Prozent sicher sein."

Jong Un, der in der Schweiz auf eine internationale Schule gegangen sein soll, gilt bereits seit langem als Kim Jong Ils Nachfolge-Favorit. Er soll ihm im Aussehen und Charakter ähnlich sein. Ansonsten ist von ihm nur wenig bekannt. Die Familienverhältnisse der Kims gelten in dem abgeschotteten Land als Tabuthema.

Dirk Godder, DPA DPA

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