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Kim Jong Uns Blutspur Diese Weggefährten ließt Nordkoreas Diktator hinrichten


15 hochrangige Kader hat Nordkoreas Diktator offenbar allein in diesem Jahr hinrichten lassen - zuletzt den Verteidigungsminister. So rachdurstig wie Kim Jong Un war keiner seiner Vorfahren.
Von Niels Kruse

Wenn es darum geht, seine Widersacher aus dem Weg zu räumen, erweist sich Kim Jong Un immer wieder als erbarmungsloser, blutrünstiger Diktator. Allein in diesem Jahr ließ er angeblich 15 hochrangige Funktionäre exekutieren. Mehr oder weniger öffentlich, über die genauen Gründe ist wenig bis nichts bekannt. Das neueste und prominenteste Opfer der möglichen Säuberungsaktion ist Verteidigungsminister Hyon Yong Chol. Er sei wegen "Untreue und Respektlosigkeit" hingerichtet worden, berichten südkoreanische Medien. Das Vergehen des Mannes: Er sei mehrfach bei Sitzungen eingeschlafen und habe es darüber hinaus gewagt, dem jungen Machthaber zu widersprechen. Die Todesstrafe wurde demnach, wieder so eine Schauergeschichte aus Nordkorea, per Flakfeuer vollzogen – vor zahllosen Zeugen als Abschreckung.

Hyon Yong Chol galt als einer der engsten Vertrauten Kim Jong Uns, zumindest in Sachen Militär, das in Nordkorea eine herausragende Stellung genießt. Erst vor wenigen Tagen hatte das hochgerüstete Land eine neue ballistische U-Boot-Rakete getestet. Zahlreiche Experten aber zweifeln daran, dass die Erprobung so erfolgreich war, wie die Propaganda es der Öffentlichkeit weismachen wollte. War dieser mögliche Fehlschlag einer der Gründe für Hyons Hinrichtung? Wie bei so vielem, was aus dem abgeschotteten Armenhaus Asiens nach außen dringt, bleiben die wahren Ursachen Spekulation. Beobachter aber sind sich sicher, dass Kim, anders als seine Vorfahren und Amtsvorgänger, nicht zögert, interne Gegner skrupellos zu exekutieren, statt sie in Arbeitslager wegzusperren, wie diese drei Beispiele zeigen:

Jang Song Thaek

Dezember 2013 - mehr Erniedrigung geht nicht: Vor laufenden Kameras wird Jang Song Thaek während einer Sitzung der Arbeiterpartei festgenommen und abgeführt. Viele Jahrzehnte lang galt der angeheiratete Onkel des Machthabers Kim Jong Un als graue Eminenz Nordkoreas, als derjenige, der seine schützende Hand über den Jung-Diktator hielt – bis der ihn fallenließ. Warum genau ist bis heute unklar. In einem Schnellprozess wurde ihm "westliche Dekadenz" vorgeworfen. Es war die Rede von Sexpartys, Drogenkonsum und Korruption, er wurde zum Tode verurteilt. Angeblich soll seine Frau, Kims Tante Kyong Hui, die treibende Kraft hinter der Entmachtung gewesen sein.

Kim Kyong Hui

Ungefähr zur gleichen Zeit als ihr Mann Jang Song Thaek vom Regime beseitigt wurde, verschwand auch Tante Kyong Hui aus der Öffentlichkeit. Gerüchten zufolge starb sie an einem Herzinfarkt, andere Quellen behaupteten, sie habe Selbstmord begangen. Mitte Mai erzählte ein aus Nordkorea geflüchteter, angeblich ranghoher Kader dem US-Sender CNN, dass die einst einflussreiche Frau bereits im Mai vergangenen Jahres vergiftet worden sei. Angeblich auf Geheiß ihres Neffen, dem Diktator persönlich. Über den möglichen Grund für ihren Tod gibt es, wie immer bei Berichten aus dem abgeschotteten Land, weder irgendwelche Bestätigungen noch andere stichhaltige Hinweise. Gerüchten zufolge musste Kim Kyong Hui verschwinden, weil sie sich mit Kim Jong Un über Wirtschaftsfragen zerstritten und zudem ständig den Tod ihres Mannes beklagt hatte. In südkoreanischen Geheimdiensten heißt es dagegen, die Tante sei wegen schwerer Krankheiten und Alkoholismus in Behandlung.

Hyon Song Wol

Die Frau war Sängerin des in Nordkorea extrem beliebten Pochonbo Electronic Ensemble und damit ein Superstar – sowie Gerüchten zufolge eine frühere Geliebte des Machthabers Kim Jong Un. Auch nach seiner Hochzeit mit seiner Ehefrau Ri Sol Ju sollen die beiden ein Verhältnis gehabt haben. Bis zum August 2013 als sie zusammen mit einem Dutzend weiterer Künstler hingerichtet wurden. Es heißt, die Frauen hätten Sexvideos produziert, außerdem sollen bei ihnen Bibeln gefunden worden sein, was in dem Land als staatsfeindlich gilt.


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