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Kongressabstimmung zu US-Schuldenkompromiss: Gabrielle Giffords - Rückkehr einer Kämpferin

Als eine schmale Abgeordnete den US-Kongress betritt, ist der Schuldenstreit für einen Augenblick vergessen: Der Auftritt von Gabrielle Giffords eint Demokraten und Republikaner im Jubel.

Von Mareike Rehberg

So wichtig das Votum zum US-Schuldenplan im Repräsentantenhaus war - angesichts des Auftritts einer lange verloren geglaubten Demokratin geriet das Ergebnis der Abstimmung fast zur Nebensache. Noch vor knapp acht Monaten hatte niemand gedacht, dass sich Gabrielle Giffords jemals wieder von ihren lebensgefährlichen Verletzungen erholen würde.

Ein Attentäter hatte der Abgeordneten am 8. Januar bei einer Parteiveranstaltung in Tucson im US-Bundesstaat Arizona aus nächster Nähe in den Kopf geschossen, sechs andere Menschen überlebten das Blutbad nicht. Als die 41-Jährige nun erstmals wieder im Kongress erschien, brandete tosender Applaus auf. Ob Demokrat oder Republikaner – für einen Moment waren die politischen Unstimmigkeiten vergessen.

Unter dem Jubel der Abgeordneten gab Giffords ihre Stimme ab, sichtlich dünner zwar, mit ungewohnt dunklem Kurzhaarschnitt, einer Bandage am rechten Handgelenk und Narben im Gesicht, doch in guter Verfassung. Viele Abgeordnete umarmten die Politikerin, die sich gerührt bedankte und Küsse in die Runde warf.

Giffords als "Personifizierung des Mutes"

Nancy Pelosi, die Anführerin der Demokraten im Repräsentantenhaus, würdigte ihre Parteikollegin als "Personifizierung des Mutes". Deren Auftritt kam allerdings nur für einige Unwissende überraschend. Bereits im Vorfeld der Abstimmung hatte Giffords Büro per Twitter mitgeteilt, dass die Demokratin nach Washington zurückgekehrt sei, um den Schuldenkompromiss der beiden Parteien zu unterstützen.

Gifford selbst sah ihre Teilnahme an der Abstimmung offenbar als Pflicht an. "Ich habe die Debatte über unser Schuldenlimit immer mitverfolgt und war tief enttäuscht darüber, was in Washington vorgeht", sagt sie später laut "Washington Post". "Ich wollte nicht in Kauf nehmen, dass meine Abwesenheit vielleicht unsere Wirtschaft in den Abgrund stürzt."

Für ihre Kollegen ist ihr mutiger Auftritt mindestens ebenso wichtig wie für sie selbst. "Wir haben alle gebetet, dass sie es schaffen würde", sagte Giffords engste Freundin im Kongress, die Abgeordnete Debbie Wasserman Schultz, der "Washington Post", und ein weiterer Kollege gab zu, etwas getan zu haben, was sonst ganz und gar unüblich ist im gediegenen Repräsentantenhaus: "Ich bin auf einen Stuhl gestiegen, um zu sehen was der ganze Beifall zu bedeuten hatte."

mit Agenturen