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Krieg im Gaza-Streifen: Israel feuert trotz UN-Resolution weiter

Das israelische Armee setzt ihre Militäroffensive im Gaza-Streifen trotz und ignoriert damit die UN-Forderung nach einem Waffenstillstand. Zuvor hatte bereits die Hamas die Resolution der Vereinten Nationen abgelehnt. Unterdessen hat die UN ihre Hilfstransporte in den Gaza-Streifen wieder aufgenommen.

Ungeachtet der Forderung des Weltsicherheitsrates nach einer sofortigen Waffenruhe geht die israelische Offensive im Gaza-Streifen mit aller Macht weiter. Das israelische Sicherheitskabinett beschloss am Freitag eine Fortsetzung der seit zwei Wochen andauernden Militäroffensive. Israel gestatte niemandem, über sein Recht auf Verteidigung seiner Bürger zu entscheiden, hieß es in einer Erklärung des amtierenden Ministerpräsidenten Ehud Olmert. Zuvor hatte auch die radikalislamische Hamas die Resolution des Weltsicherheitsrats abgelehnt.

Die Kämpfe gingen derweil bis in den Abend weiter. Eine israelische Militärsprecherin teilte mit, im Laufe des Tages seien 70 Ziele im Gaza-Streifen angegriffen worden, darunter Raketenabschussrampen, Waffenlager und Tunnelanlagen. Militante Palästinenser feuerten 30 Raketen auf Südisrael ab. Nach Angaben des Gesundheitsdienstes in Gaza wurden am Freitag, dem 14. Tag der israelischen Offensive, 27 Palästinenser getötet und 50 weitere verwundet. Insgesamt stieg demnach die Zahl der Todesopfer auf 792. Rund 3300 Menschen wurden verletzt.

Hilfstransporte sollen wieder rollen

Die UN kündigten an, dass sie ihre nach dem israelischen Angriff auf einen Hilfskonvoi eingestellten Aktivitäten wieder aufnehmen werden. Die Weltorganisation habe von Israel "glaubwürdige Zusicherungen" erhalten, dass ihre humanitären Einsätze von den israelischen Streitkräften in vollem Umfang respektiert würden, hieß es in einer gemeinsamen Erklärung des UN-Sonderkoordinators für den Nahost- Friedensprozess, Robert Serry, und der Generalkommissarin des UN-Hilfswerks UNRWA, Karen Abuzayd, die am Freitagabend veröffentlicht wurde.

Am Vortag hatten israelische Soldaten einen mit dem Militär koordinierten UNRWA-Konvoi beschossen. Dabei waren zwei Mitarbeiter des Hilfswerks getötet worden, worauf die Weltorganisation eine zeitweilige Einstellung der Aktivitäten ihrer Mitarbeiter im Gaza-Streifen verfügt hatte.

Israel ließ ungeachtet der anhaltenden Kämpfe am Freitag wieder Hilfslieferungen in den Gaza-Streifen passieren. Ursprünglich habe man wieder eine dreistündige Feuerpause einhalten wollen, aber dann seien die Angriffe von Palästinensern erwidert worden, sagte ein Sprecher im israelischen Verteidigungsministerium.

UN verabschiedet Resolution

In der Nacht zum Freitag hatte der der Weltsicherheitsrat Israel und die radikalislamische Hamas zu einer sofortigen und dauerhaften Waffenruhe im Gaza-Streifen aufgefordert. Der völkerrechtlich bindenden Resolution stimmten 14 Ratsmitglieder zu. Die Resolution 1860 trat mit der Verabschiedung in Kraft. Die Waffenruhe müsse zum kompletten Rückzug der israelischen Truppen aus Gaza führen, heißt es darin. Eine Frist setzte der Sicherheitsrat dem israelischen Militär jedoch nicht. Unterdessen gehen die internationalen Vermittlungsbemühungen weiter.

Hunderttausende protestieren

In den Palästinensergebieten, in vielen arabischen Ländern und in einigen europäischen Hauptstädten protestierten am Freitag erneut Hunderttausende gegen das israelische Vorgehen im Gaza-Streifen. In Jordanien, im Jemen und in Ägypten sowie in Oslo kam es zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei.

Einige Demonstranten riefen auch Slogans gegen die ägyptische Regierung, der sie vorwarfen, sie unterstütze Israel indirekt, indem sie ihre Grenze zum Gaza-Streifen geschlossen halte. Allein in der jemenitischen Hauptstadt Sanaa gingen laut Augenzeugen rund 200.000 Demonstranten auf die Straße. Sie riefen: "Tod für Amerika und Israel, der Islam soll siegen". In der ägyptischen Mittelmeer-Metropole Alexandria schlossen sich rund 100.000 Menschen einem Protestzug an, den die oppositionelle Muslimbruderschaft organisiert hatte.

DPA/AP / AP / DPA