Krisenherd Naher Osten Schwerste Angriffe Israels seit 1982


Israel hat seine Militäroffensive im Libanon mit nahezu pausenlosen Angriffen massiv ausgeweitet. Die Streitkräfte bombardierten nach eigenen Angaben hunderte Ziele. Libanon hat sich an die UN gewandt. Unterdessen wurde die israelische Stadt Haifa angegriffen.

Unter den Zielen, die Israel im Libanon angriff, waren auch der internationale Flughafen von Beirut und zwei Militärstützpunkte. Zudem wurde am Donnerstag eine Seeblockade gegen den Libanon verhängt. Seit Beginn der Offensive am Mittwoch wurden nach Angaben der Regierung in Beirut 47 Libanesen getötet und mehr als 100 verletzt.

Schwersten Angriffe Israelis seit 1982

Die israelische Luftwaffe flog ihre schwersten Bombardements auf Ziele im Libanon seit der Invasion von 1982. Es würden keine Ziele ausgespart, auch die Hauptstadt Beirut sei nicht immun, erklärte der israelische Heereschef Dan Haluz. Generalmajor Udi Adam schloss auch die Entsendung von Bodentruppen nicht aus. Die Offensive soll nach israelischen Angaben so lange andauern, bis die Hisbollah dauerhaft aus dem Grenzgebiet vertrieben ist.

Hisbollah-Miliz feuert auf Israel

Die Miliz, die zwei israelische Soldaten entführt und damit die Militäroffensive ausgelöst hatte, feuerte ihrerseits am Donnerstag Dutzende Raketen auf Israel ab. Ein Israeli wurde getötet, mehr als zehn wurden verletzt. Am Abend wurde nach israelischen Militärangaben auch die Hafenstadt Haifa vom Libanon aus mit mindestens einer Rakete angegriffen. Verletzt worden sei niemand. Die Hisbollah-Miliz hatte zuvor mit einem solchen Angriff auf die rund 50 Kilometer von der Grenze entfernte Stadt gedroht, der stellvertretende Hisbollah-Chef Scheik Naim Kassem wies eine Verantwortung seiner Organisation für den Angriff jedoch zurück.

Eine weitere Rakete traf eine Gruppe von Journalisten in Nordisrael, es gab mindestens einen Verletzten. Unterdessen erklärte der israelische Außenministeriumssprecher Mark Regev, Israel habe Hinweise darauf, dass die Hisbollah die entführten Soldaten in den Iran bringen wolle. Eine Quelle für seine Informationen nannte Regev nicht.

Der Libanon ruft den Weltsicherheitsrat an

Die Regierung in Beirut rief den UN-Sicherheitsrat auf, einen Waffenstillstand herbeizuführen. Außerdem müsse "die Belagerung" Libanons aufgehoben werden, erklärte Informationsminister Ghasi Aridi am Donnerstagabend nach einer Krisensitzung des Kabinetts. In Beirut lösten die israelischen Drohungen Hamsterkäufe aus. Viele Menschen blieben aus Angst vor einem Angriff zu Hause. Bei der Bombardierung des Flughafens schlugen Geschosse in alle drei Start- und Landebahnen ein. Der Flughafen wurde geschlossen. Die israelischen Streitkräfte erklärten, der Flughafen sei ein zentraler Umschlagplatz der Hisbollah für Waffen.

Internationale Gemeinschaft in großer Sorge

Die internationale Gemeinschaft reagierte auf die Eskalation der Gewalt mit großer Sorge und teils heftiger Kritik. Die EU verurteilte die israelische Militäraktion im Libanon als unverhältnismäßige Antwort auf die Angriffe der Hisbollah-Miliz. Zugleich wurde die sofortige Freilassung der israelischen Soldaten gefordert. Der EU-Außenbeauftragte Javier Solana kündigte eine Vermittlungsmission im Nahen Osten an. Auch UN-Generalsekretär Kofi Annan will drei ranghohe Mitarbeiter in den Nahen Osten schicken. US-Präsident George W. Bush betonte das Selbstverteidigungsrecht Israels, warnte aber vor Maßnahmen, die die libanesische Regierung in Gefahr bringen könnten. Die USA beteiligten sich auf diplomatischem Wege "aktiv an der Hilfe zur Beruhigung der Region". Unterdessen bombardierten israelische Kampfflugzeuge das palästinensische Außenministerium in Gaza. Es stürzte teilweise ein, mindestens 13 Menschen im Umkreis wurden verletzt. Die israelischen Streitkräfte erklärten, das Ministerium sei von der radikalislamischen Hamas-Bewegung zur Planung von Terroranschlägen benutzt worden.

Sam Ghattas /AP AP

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