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Kuba: Aus Fidel wird Raúl - vorübergehend

Der kubanische Staatschef Fidel Castro hat die Regierungsgeschäfte auf seinen Bruder Raúl übertragen. Allerdings nur "vorübergehend", während der 79-Jährige sich von einer Operation erhole. Exil-Kubaner feiern schon das Ende der Ära Fidel.

Zum ersten Mal seit mehr als vier Jahrzehnten hat der kubanische Staats- und Parteichef Fidel Castro vorübergehend die Macht aus der Hand gegeben: Wegen einer schweren Erkrankung übertrug er die Amtsgeschäfte als Präsident und Erster Sekretär der Kommunistischen Partei auf seinen Bruder Raúl. In einem im Fernsehen verlesenen Brief teilte er seinen Landsleuten mit, dass er wegen großen Stresses Magen-Darm-Blutungen gehabt habe, derentwegen er sich "eines komplizierten chirurgischen Eingriffs" habe unterziehen müssen. Der Brief wurde von Castros Sekretär Carlos Valenciaga im kubanischen Fernsehen verlesen.

"Die Operation zwingt mich, mehrere Wochen zu ruhen", schrieb Castro, der am 13. August 80 Jahre alt wird. Castro bat darum, die Feiern zu seinem Geburtstag auf den 2. Dezember zu verschieben, dem 50-jährigen Jubiläum der Revolutionären Streitkräfte. Er betonte, die Übertragung der Macht an seinen designierten Nachfolger sei nur vorübergehend. Der 75-jährige Raúl Castro ist Verteidigungsminister und in den vergangenen Wochen mehr als früher in der Öffentlichkeit aufgetreten. Raúl Castro wird dem Schreiben zufolge kommissarisch sowohl das Präsidentenamt als auch das des Ersten Sekretärs der Kommunistischen Partei ausüben. Von ihm gab es zunächst keine öffentliche Erklärung zu dem vorübergehenden Machtwechsel.

Jubel in Miami

Die Nachricht von der Erkrankung des kubanischen Staatschefs Fidel Castro ist von vielen Exil-Kubanern in den USA gefeiert worden. Fernsehbilder aus den Straßen "Little Havannas" in Miami, einer Hochburg der Exil-Kubaner im US-Bundesstaat Florida, zeigten am späten Montagabend (Ortszeit) ausgelassene Menschen, die Fahnen schwenkten und Autohupen ertönen ließen.

Fidel Castro ist seit dem Sieg der kubanischen Revolution am 1. Januar 1959 Staats- und Parteichef. In der Altstadt von Havanna reagierten viele Menschen perplex auf die Nachricht über seine Erkrankung, fassten sich aber schnell. "Er wird sich erholen, kein Zweifel", sagte Agustin Lopez, Kellner eines beliebten Touristen-Cafés. "Es gibt hier wirklich gute Ärzte, und er ist extrem stark." "Wir sind wirklich traurig und ganz schön erschrocken", sagte Ines César,eine 58-jährige Rentnerin. Sie diskutierte mit Nachbarn über die Lage. "Wir sind aber auch alle zugleich gelassen: Ich denke, er wird wieder gesund."

In den vergangenen fünf Jahren haben sich Zwischenfälle gehäuft, die auf eine schwächer werdende Gesundheit Castros deuten. Am 23. Juni 2001 verlor er bei einer Rede in sengender Sonne kurz das Bewusstsein. Am 20. Oktober 2004 brach er sich die Kniescheibe und den Arm, als er bei einer Rede stürzte. Danach kamen Gerüchte auf, er sei an der Schüttellähmung Parkinson erkrankt. Dazu sagte er im November 2005: "Sie haben so oft versucht, mich umzubringen." Er fühle sich "besser denn je", werde sich aber nicht an die Macht klammern. Wenn er sich gesundheitlich nicht mehr dazu in der Lage fühle, das Land zu führen, werde er die Partei bitten, einen anderen Führer zu benennen.

Anita Snow/AP; Reuters / AP / Reuters