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Bomben auf Krankenhaus in Kundus: Ärzte ohne Grenzen werfen USA Kriegsverbrechen vor

22 Menschen starben in einem Krankenhaus im afghanischen Kundus durch US-Bomben. Das Pentagon untersucht noch, wie es dazu kommen konnte. Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen hat ihr Urteil schon gefällt.

Das von US-Bomben zerstörte Krankenhaus in Kundus, in dem 22 Menschen starben

Eine Serie gezielter Bombenabwürfe ging auf das Krankenhaus nieder, sagen die Ärzte ohne Grenzen

Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen hält das Bombardement ihres Krankenhausesfür ein Kriegsverbrechen. Generals im nordafghanischen Kundus ekretär Christopher Stokes sagte, er sei "angewidert" von Rechtfertigungsversuchen der afghanischen Regierung. "Diese Stellungnahmen deuten darauf hin, dass afghanische und US-Streitkräfte sich zusammen entschlossen haben, ein voll funktionierendes Krankenhaus dem Erdboden gleich zu machen." Das afghanische Verteidigungsministerium hatte die Luftschläge zuvor damit begründet, dass die Taliban die Klinik als "Schutzschild" missbraucht hätten.

Auch der UN-Hochkommissar für Menschenrechte schließt nicht aus, dass es sich um ein Verbrechen handelt. "Dieses Ereignis ist absolut tragisch, unentschuldbar und möglicherweise sogar kriminell", sagte Prinz Said Raad al-Hussein.

Die Bundesregierung wollte keine rechtliche Bewertung abgeben. Das Auswärtige Amt sprach aber von einem "tragischen Vorfall" und forderte Aufklärung.

22 sterben, darunter drei Kinder

Die US-Luftwaffe hatte die Klinik in der Nacht zum Samstag möglicherweise versehentlich bombardiert. 22 Helfer und Patienten wurden getötet. Das afghanische Verteidigungsministerium hatte am Wochenende behauptet, radikal-islamische Taliban hätten die Klinik als "Schutzschild" missbraucht. Die Aufständischen dementierten das allerdings.

Ärzte ohne Grenzen berichtete von einer Serie gezielter Bombenabwürfe auf das Hauptgebäude der Klinik. Nachbargebäude seien dagegen weitgehend unversehrt geblieben. Die Organisation hatte den US-Streitkräften nach dem Überfall der Taliban auf die Provinzhauptstadt die Koordinaten des Krankenhauses mitgeteilt. Die US-Streitkräfte haben eine Untersuchung eingeleitet.

Russland verurteilte den US-Luftangriff scharf. "Wir fordern eine
sofortige objektive Untersuchung des Vorfalls und eine Bestrafung der Schuldigen an der Tragödie", teilte Außenamtssprecherin Maria
Sacharowa am Montag in Moskau mit.

Noch vereinzelt Kämpfe in Kundus

Die afghanische Armee festigte am Montag ihre Kontrolle der Großstadt Kundus mit ihren etwa 300.000 Einwohnern. Allerdings kam es immer noch zu vereinzelten Kämpfen. "Die ganze Stadt ist nun unter unserer Kontrolle", sagte ein Polizeisprecher. Regierungskräfte hätten die Taliban weitgehend aus der Stadt vertrieben.

Die Linke forderte nach dem Bombenangriff den sofortigen Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan. "Frieden lässt sich nicht herbeibomben. Jede Forderung der Regierungsparteien oder des Militärs, den Bundeswehreinsatz in Afghanistan zu verlängern oder auszuweiten, ist unverantwortlich", sagte Linke-Chef Bernd Riexinger.

Am Donnerstag wollen die Nato-Verteidigungsminister in Brüssel über die Lage beraten. In der Bundesregierung gibt es Überlegungen, den eigentlich bis Ende 2016 geplanten Ausbildungseinsatz der Nato zu verlängern. Der Kampfeinsatz lief offiziell Ende 2014 aus.

tis