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Lage spitzt sich zu: Anschlag auf Beobachter in Syrien

Die UN-Beobachtermission gilt als gefährlicher Einsatz. Nun explodierte in Syrien in unmittelbarer Nähe eines UN-Fahrzeugs eine Bombe. Trotzdem erwägt die deutsche Regierung eine Beteiligung an dem Einsatz - in der Koalition regt sich Widerstand.

Bei der Ankunft eines Konvois der UN-Beobachtermission in der syrischen Stadt Daraa ist am Mittwoch ein Sprengsatz explodiert. Sechs Soldaten seien verletzt worden, als die Bombe nahe Fahrzeugen mit Missionschef Robert Mood detonierte, berichtete ein Fotograf. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon stellte die Zukunft der Mission in Frage.

Nach Angaben eines AFP-Fotografen explodierte der Sprengsatz, als die vier UN-Fahrzeuge mit Mood und elf weiteren Beobachtern in die Protesthochburg im Süden des Landes einfuhren. Getroffen wurden die Begleitfahrzeuge der syrischen Armee. Ein Fahrzeug mit Journalisten wurde ebenfalls in die Luft gehoben.

Mood sagte nach Angaben seines Sprechers Neeraj Singh, der Anschlag sei ein "konkretes Beispiel" der Gewalt in Syrien, die "in allen ihren Formen" beendet werden müsse. Auch in der Stadt Hama waren während eines Besuchs von UN-Beobachtern Schüsse zu hören, wie aus Onlinevideos von Aktivisten hervorging.

Beobachter durch Angriffe verdrängen

Singh zufolge befinden sich derzeit 70 UN-Beobachter im Land, bis Freitag werde ihre Zahl auf 100 steigen. Sie sollen den seit dem 12. April geltenden Waffenstillstand überwachen, der jedoch brüchig ist. Aktivisten zufolge wurden seitdem mehr als 800 Menschen getötet.

Ban erklärte in New York, "Zwischenfälle" wie die Explosion des Sprengsatzes, "die zu der anhaltenden Gewalt in vielen syrischen Städten hinzukommen", könnten "einen direkten Einfluss auf die Zukunft der Mission" haben. Sie ließen "das Bemühen der Beteiligten um ein Ende der Gewalt fragwürdig erscheinen".

Der oppositionelle Syrische Nationalrat (SNC) machte die Führung in Damaskus für den Anschlag verantwortlich. Das SNC-Mitglied Sami Naschar sagte, während die Bevölkerung eine Verstärkung der UN-Mission fordere, versuche "das Regime mit Hilfe dieser Attacken" die Beobachter zu verdrängen.

Scheich fordert ausländische Militärintervention

Das Auswärtige Amt teilte indes in Berlin mit, es gebe Gespräche mit der UNO über technische und logistische Unterstützung aus Deutschland für die Mission. Erst kürzlich sei ein Flug mit Material für die UN-Mission bezahlt worden. Die Bundesregierung erwägt, sich mit mehreren Bundeswehrsoldaten zu beteiligen. Über eine personelle Beteiligung Deutschlands gebe es aber bisher keine Entscheidung.

In der Koalition regt sich Widerstand gegen die mögliche Entsendung deutscher Militär-Beobachter. Der außenpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Philipp Mißfelder, warnte in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa vor den Risiken und sprach sich für eine Bewaffnung der Beobachter aus. "Ich bin sehr, sehr skeptisch, was eine deutsche Beteiligung an der Beobachtermission angeht", sagte Mißfelder. "Es ist eine sehr gefährliche Situation vor Ort."

"Wir sind an einem Punkt angekommen, an dem die Beobachtergruppe besser ausgestattet werden muss, um der Funktion der UN als Weltpolizei gerecht zu werden", sagte Mißfelder. "Irgendwann führen sich die Vereinten Nationen ad absurdum, wenn sie nicht in der Lage sind, auf einen solchen Konflikt adäquat zu antworten." Der CDU-Politiker forderte mehr Beobachter mit mehr Kompetenzen für Syrien. "Die Beobachter müssen sich mit Waffen selbst schützen können", sagte er.

Gefechte gehen weiter

Die in London ansässige Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtete von weiteren Anschlägen sowie Gefechten in Syrien. Demnach stand die nahe Damaskus liegende Stadt Duma unter Dauerbeschuss der Armee. Insgesamt seien am Mittwoch landesweit mindestens elf Menschen getötet worden.

Der desertierte syrische General Mustafa Ahmed al Scheich forderte derweil eine ausländische Militärintervention in Syrien. "Wir wollen gezielte Angriffe auf die Sicherheits- und Militärstrukturen, wie es sie in Libyen gab", sagte der Vorsitzende der Freien Syrischen Armee.

kave/AFP/DPA / DPA