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LUFTANGRIFF: Israelische Raketen töten 14 Zivilisten, darunter acht Kinder

Bei einm israelischen Raketenangriff auf das Haus des militanten Palästinenserführers Salach Schehada in Gaza-Stadt kamen neben dem Terroristen auch viele Zivilisten um. Premierminister Scharon sprach von einem »großen Erfolg«.

Bei einem israelischen Raketenangriff auf das Haus des militanten Palästinenserführers Salach Schehada sind am frühen Dienstagmorgen in Gaza-Stadt 14 Menschen getötet worden, darunter acht Kinder. Nach weiteren palästinensischen Angaben wurden mehr als 150 Menschen verwundet. Der Führer eines bewaffneten Arms der radikal- islamischen Hamas-Organisation, Scheich Schehada, wurde bei der Attacke getötet.

Ministerium in Israel rechnete nicht mit zivilen Opfern

Das israelische Verteidigungsministerium ist nach eigenen Angaben davon ausgegangen, dass sich bei dem Angriff auf das Haus des Hamas- Militärchefs Salah Schehada keine Zivilisten in der Nähe befinden würden. Entsprechend sei das Ministerium vom Militärgeheimdienst vor dem Angriff informiert worden, teilte das Verteidigungsministerium am Dienstag mit.

Ministerium bedauert Unglück

»Nach den Informationen, die uns vorlagen, waren keine Zivilisten in seiner (Schehadas, Red.) Umgebung zu erwarten. Deshalb teilen wir unser Bedauern über das Unglück mit, das diese getroffen hat«, hieß es weiter in der Erklärung des Ministeriums in Jerusalem.

Scharon: »Großer Erfolg«

Auf einer Kabinettssitzung hatte der israelische Ministerpräsident Ariel Scharon den Angriff auf den Hamas-Führer zu »einem der großen Erfolge« Israels bei der Bekämpfung des Terrorismus erklärt. Zugleich wiederholte seine Auffassung, bei der Terrorbekämpfung könne es keine Kompromisse geben. Israel habe aber auch kein Interesse daran, bei seinen militärischen Operationen Zivilisten zu treffen, und bedauere deshalb jedes zivile Opfer, sagte Scharon.

»Feiger Akt«

Der palästinensische Minister für Kommunalverwaltung, Sajeb Erekat, verurteilte im britischen Fernsehsender BBC den Angriff auf das Schärfste. Er sei ein »feiger Akt« gegen die palästinensische Zivilbevölkerung. Israelische Armeekreise nannten den Militärschlag eine der wichtigsten Operationen in der seit rund 20 Monaten andauernden palästinensischen Intifada.

Wann kommt die Vergeltung?

Ein Sprecher der Hamas erklärte zunächst, Scheich Salah Schehada sei lediglich verletzt worden. Erst einige Stunden nach dem Angriff räumte die Hamas ein, dass auch Schehada unter den Toten sei. Israel habe in der Vergangenheit bereits mehrfach versucht, Schehada zu töten, schrieb die israelische Zeitung »Haaretz« in ihrer Internetausgabe vom Dienstagmorgen. Das israelische Militär rechne mit einem baldigen und harten Gegenschlag der Hamas, hieß es weiter.

Tote Frauen und Kinder

Palästinensische Augenzeugen erklärten, unter anderem seien die Frau und zwei Kinder von Schehada dem Angriff zum Opfer gefallen. Die meisten Toten seien Frauen und Kinder, hieß es. Nach den Worten des Chefs der Notaufnahme eines Krankenhauses in Gaza sind unter den Todesopfern allein acht Kinder.

Blutige Rache

Auf Grund der Nachricht vom Tod von Schehada hatte die Hamas noch in der Nacht Vergeltung angekündigt. Hunderte von Palästinensern hatten sich zu Demonstrationen an verschiedenen Orten des Gazastreifens versammelt und verlangten blutige Rache für den Toten. Noch am Montag hatte der Hamas-Gründer Scheich Ahmed Jassin gesagt, seine Bewegung erwäge unter bestimmten Bedingungen ein Ende der Selbstmordanschläge in Israel.

Schehada stehe seit etwa zwei Jahren als die Nummer Eins auf der Liste der meistgesuchten palästinensischen Extremisten der israelischen Streitkräfte, hieß es bei »Haaretz«. Für die Israelis ist der Hamas-Führer Drahtzieher mehrerer Terrorakte.

Sieben Häuser zerstört

Nach dem Bericht des palästinensischen Satellitenfernsehens wurden von israelischen F-16-Kampfflugzeugen zwei Raketen abgeschossen. Bei der Attacke seien mindestens sieben Häuser zerstört worden.

Palästinensische Sicherheitsbeamte betonten, für den Luftangriff gebe es keine Rechtfertigung. Ein hoher palästinensischer Sicherheitsoffizier verurteilte die Attacke als »Massaker« und »Kriegsverbrechen«.