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Frankreich: Rekord-Ergebnis für Front National: die Restchance der Marine Le Pen

Erleichterung in Brüssel und Berlin: Alles deutet darauf hin, dass Rechtspopulistin Marine Le Pen nicht die kommende Präsidentin Frankreichs sein wird. Doch besiegt ist die Front-National-Chefin (noch) nicht. Der Front National hat weiter Zulauf.

Marine Le Pen jubelt - sie hat mit für den Front National ein Rekordergebnis bei der Wahl in Frankreich eingefahren

Noch ist sie nicht besiegt: Marine Le Pen hat bei der Präsidentenwahl in Frankreich ein Rekord-Ergebnis für den Front National geholt.

Die französische Rechtspopulistin Marine Le Pen hat in der ersten Runde der Präsidentenwahl nach Zahl der Stimmen das beste Ergebnis in der Geschichte des Front National erzielt. Nach fast vollständiger Auszählung stimmten mehr als 7,6 Millionen Franzosen für Le Pen, wie das Innenministerium am Montagmorgen auf seiner Internetseite bekanntgab. Der anhaltende Rückenwind für die 39-Jährige ist Grund genug, sie nicht voreilig abzuschreiben.

Beim Wahlgang am Sonntag erzielte der Front Nation deutlich mehr als die 6,8 Millionen Stimmen, die er landesweit in der zweiten Runde der Regionalwahlen 2015 bekam. Damals erzielte die rechtsextreme Partei ihren bisherigen Stimmenrekord.

Le Pen lag am frühen Montagmorgen bei 21,4 Prozent auf Platz zwei hinter dem sozialliberalen Kandidaten Emmanuel Macron, auf den sie in der entscheidenden Stichwahl am 7. Mai trifft. Damit schnitt Le Pen auch prozentual besser ab als bei ihrer ersten Präsidentschaftskandidatur 2012 (17,9 Prozent, 6,4 Millionen Stimmen). Bei den Regionalwahlen 2015 hatte das Stimmergebnis die Partei bei deutlich geringerer Wahlbeteiligung auf mehr als 27 Prozent gebracht.

Rechtspopulisten mit Marine Le Pen fest verankert

Angesichts der herausragenden Zahlen der Rechtspopulisten räumen politische Beobachter Le Pen durchaus eine Restchance auf den Wahlsieg ein. Dass die 48-Jährige die Stichwahl erreicht hat, ist ein klarer Erfolg. Die Chance, das nächste Staatsoberhaupt der Französischen Republik zu werden, besteht damit weiter - zumindest formal. Le Pen habe es in den vergangenen fünf Jahren geschafft, die Wählerbasis für ihre Partei zu stabilisieren und zu erweitern. Da der Wahlkampf mehrere Wendungen hatte und die großen französischen Parteien erstmals nicht den Präsidenten stellen werden, seien Überraschungen bis zum Schluss nicht ausgeschlossen, heißt es.

Und selbst wenn Le Pen - was angesichts der Unterstützung der gescheiterten Kandidaten für Macron zu erwarten ist - in der Stichwahl verliert, gebe es keinen Grund anzunehmen, dass damit auch die Rechtspopulisten in Frankreich am Ende sind. Im Gegenteil: "Sie stehen für Gefühle, die real sind, die in jedem westlichen Land existieren, und die nun am besten offen, Punkt für Punkt, Argument für Argument bekämpft werden müssen - denn sie stellen eine echte und große Bedrohung für die liberale Demokratie dar, wie wir sie kennen", schreibt der Kommentator der "Washington Post".

Ebenso gravierend: Gewinnt Emmanuel Macron die Stichwahl wäre er ein Präsident ohne politischen Rückhalt im Parlament. Seine Bewegung "En Marche!" muss sich als Partei erst noch beweisen. Sollte es Macron nicht gelingen eine stabile Basis für seine Regierung zu finden, könnte dies dem Front National weiteren Zulauf bescheren.


dho / DPA