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Merkel-Besuch in Peking: China verteidigt Umgang mit Journalisten

Aus Angst vor Protesten hat die kommunistische Führung in China die Kontrolle über ausländische Journalisten verschärft. Kanzlerin Merkel will das heikle Thema in Peking ansprechen.

Das chinesische Außenministerium hat vor dem Besuch von #link;www.stern.de/politik/deutschland/angela-merkel-90250943t.html;Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU)# den Umgang mit ausländischen Korrespondenten in China verteidigt. Nach Klagen über Einschüchterung und Willkür teilte das Außenamt am Dienstag in Peking mit, ausländische Journalisten seien in China willkommen, müssten sich aber an chinesische Gesetze halten. Die Stellungnahme bezog sich auf einen Brief der deutschen Berichterstatter in China an Kanzlerin Merkel, sich bei ihrem Besuch am Donnerstag in Peking für eine Verbesserung ihrer Arbeitsbedingungen einzusetzen.

"Wir hoffen, dass sich ausländische Journalisten getreulich an das chinesische Recht halten, die Durchführung der Gesetze respektieren und eine gute Kooperation mit den Behörden in China wahren", hieß es in der Erklärung. Chinas Regierung begrüße ausländische Reporter und unterstütze sie bei ihrer "legitimen Berichterstattung". In dem Brief hatten die 26 Journalisten auf Unsicherheiten in den Vorschriften für ihre Arbeit hingewiesen, die willkürlich interpretiert würden.

Treffen von Korrespondenten und Ministeriumsvertretern

Die Kanzlerin trifft am Donnerstag erstmals mit einem Großteil ihres Kabinetts zu Regierungsgesprächen in Peking ein und will die Probleme dabei ansprechen. Merkel sei bekannt, "unter welchen schwierigen Bedingungen und mit welchen Einschränkungen" ausländische Journalisten dort arbeiteten, teilte die Bundesregierung mit.

Als Reaktion auf das Schreiben der Korrespondenten hat ein zuständiger Vertreter des chinesischen Außenministeriums fünf von ihnen jeweils zu einzelnen, informellen Gesprächen in einem Café eingeladen. Dabei bekräftigte der Beamte, dass für Interviews jetzt nicht mehr nur die Zustimmung der befragten Person, sondern auch die Genehmigung von dessen Arbeitseinheit (Danwei) oder anderer zuständiger Behörden erforderlich seien. Konkreter wurde er nicht.

In den vor Olympia 2008 in Peking erlassenen, Regeln, die bis heute gelten, hieß es hingegen: "Um Organisationen oder Einzelpersonen in China zu interviewen, müssen ausländische Journalisten nur deren vorherige Zustimmung erhalten." Ein anderer hoher Vertreter des Außenministeriums begründete die neuen Einschränkungen im Gespräch mit Diplomaten damit, dass neben den Regeln für Journalisten eben auch andere Gesetze eingehalten werden müssten.

Arabischer Frühling facht "Jasmin-Proteste" an

Die Verschärfung begann im Frühjahr 2011, als mit dem Arabischen Frühling in China der Ruf nach "Jasmin-Protesten" laut wurde. "Polizei und Staatssicherheit behindern unverändert unsere Arbeit und drohen unverhohlen damit, unsere Visa nicht zu verlängern, wenn wir über "sensible" Themen berichten", beklagen die Journalisten in ihrem Brief an die Kanzlerin. So habe im Mai die US-Journalistin Melissa Chan das Land verlassen müssen. Ihr wurde auch nachträglich vorgeworfen, Interviews ohne Genehmigung geführt zu haben.

Die Journalisten beklagten ferner, Informanten würden bedroht oder chinesische Mitarbeiter eingeschüchtert. Einige Regionen wie Tibet seien gesperrt. In einer Umfrage des Auslandskorrespondentenclubs in China (FCCC) erklärten 98 Prozent der Befragten, dass internationale Standards für die Berichterstattung in China nicht gewahrt seien.

juho/DPA / DPA
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