Merkel in Danzig "Ich verneige mich vor den Opfern"


Kanzlerin Angela Merkel hat sich zur deutschen Verantwortung für den Zweiten Weltkrieg bekannt. Der von Nazi-Deutschland entfesselte Krieg habe unermessliches Leid gebracht, sagte sie in Danzig. Merkel erinnerte aber auch an das Schicksal der aus Polen vertriebenen Deutschen.

Mit einem Bekenntnis zur "immerwährenden geschichtlichen Verantwortung Deutschlands" hat Bundeskanzlerin Angela Merkel am 70. Jahrestag des Kriegsbeginns der Millionen Toten gedacht. Bei einer Zeremonie auf der Danziger Westerplatte sagte Merkel am Dienstag: "Ich verneige mich vor den Opfern."

Mehrere Staats- und Regierungschefs der damaligen Kriegsgegner, unter ihnen der russische Ministerpräsident Wladimir Putin, ehrten die Toten mit einer Kranzniederlegung. Der Beschuss der Westerplatte durch das deutsche Schulschiff "Schleswig-Holstein" im Morgengrauen des 1. September 1939 gilt als Beginn des Zweiten Weltkriegs, in dem mehr als 50 Millionen Menschen ums Leben kamen.

Kaczynski kritisiert die Rolle der Sowjetunion

Bei einer Zeremonie zum Zeitpunkt des Angriffs am frühen Morgen rügte der polnische Präsident Lech Kaczynski auch das damalige Handeln der Sowjetunion. Am 23. August 1939 war der sogenannte Hitler-Stalin-Pakt unterzeichnet worden, damit ließ die Sowjetunion Nazi-Deutschland freie Hand in Polen. Am 17. September marschierte die Rote Armee im Osten des Landes ein.

Merkel sagte in einer kurzen Ansprache, es gebe keine Worte, die das Leid dieses Krieges und des Holocaust auch nur annähernd beschreiben könnten. "Ich gedenke der 60 Millionen Menschen, die durch diesen von Deutschland entfesselten Krieg ihr Leben verloren haben." Mit Blick auf das zwischen Deutschland und Polen immer wieder umstrittene Thema der Vertriebenen versicherte Merkel, Deutschland wolle seine Verantwortung nicht relativieren. Wenn an das Schicksal der Deutschen gedacht werde, die in Folge des Krieges ihre Heimat verloren hätten, geschehe dies in dem "Bewusstsein der Verantwortung Deutschlands, die am Anfang von allem stand."

Merkel: "Das ist ein Wunder"

Merkel erinnerte an das Leid der Polen im Zweiten Weltkrieg, die am längsten unter deutscher Besatzung gelitten hätten. Im Zweiten Weltkrieg kamen etwa sechs Millionen Polen ums Leben, die Hälfte von ihnen waren Juden. Es sei der Auftrag der Deutschen, "die Zukunft im Bewusstsein unserer immerwährenden Verantwortung zu gestalten", sagte Merkel. In diesem Geiste habe sich Europa "aus einem Kontinent des Schreckens und der Gewalt in einen Kontinent der Freiheit und des Friedens verwandelt. Dass das möglich geworden ist, das ist nicht mehr und nicht weniger als ein Wunder."

Der russische Ministerpräsident Putin unterstrich die Bedeutung der Sowjetunion im Kampf gegen Nazi-Deutschland. Russen und Polen hätten gegen den gemeinsamen Feind gekämpft, sagte Putin bei einem Treffen mit seinem polnischen Kollegen Donald Tusk vor der Gedenkfeier. Mit Blick auf die Kritik an der sowjetischen Rolle bei Kriegsbeginn wies er darauf hin, dass auch andere Staaten mit Nazi-Deutschland verhandelt hätten. Man müsse genau untersuchen, was zum Kriegsbeginn geführt habe, damit sich eine solche Tragödie nicht mehr wiederhole.

AP AP

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