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Reaktionen in Russland: "Flynns Ende war Akt eins - nächstes Ziel wird Trump sein"

Als Russland-Freund galt Michael Flynn in Moskau nicht. Dennoch sorgt sein Rücktritt in der Duma für lange Gesichter. Russische Politiker wittern hinter dem Rauswurf russophobe Paranoia und eine Hexenjagd in Washington.

Michael Flynn musste zurücktreten

Michael Flynn verstrickte sich so tief in widersprüchliche Aussagen über seine Kontakte zum russischen Botschafter, dass er zurücktreten musste

Als Russland-Freund kann man Michael Flynn nicht bezeichnen. Ein Blick in sein Buch genügt, um dies zu erkennen. "The Field of Fight. How We Can Win the Global War Against Radical Islam and its Allies" lautet der sperrige Titel des im Juli 2016 erschienen Werks. Zu den Verbündeten der radikalen Islamisten zählte Flynn auch Russland. Und nicht nur das. Ob Nordkorea, China, Iran, Syrien, Kuba, Bolivien, Venezuela oder Nicaragua - egal wo es auf der Welt brodelt, Russland steht für den ehemaligen General immer aufseiten der amerikanischen Feinde.

"Der Bau neuer Militärbasen an den westlichen Grenzen und der Ausbau des Atomwaffenarsenals signalisieren, dass Putin dasselbe will, wie der : Im Tandem Krieg gegen uns führen", schrieb der Ex-Geheimdienstler noch vor nicht allzu langer Zeit.

Michael Flynn ist besser als nichts

Dennoch herrscht in der russischen Politik nach dem Rücktritt von als nationaler Sicherheitsberater von Donald Trump Ernüchterung. "Im Gegensatz zu vielen anderen hohen amerikanischen Würdenträgern, war Flynn noch zu einem Dialog bereit", schrieb etwa der Vorsitzende des Ausschusses für internationale Angelegenheiten des Föderationsrates, Konstantin Kossatschow, auf seiner Facebook-Seite.

"Er war schon einige Mal in und hat auch Gespräche mit unserem Botschafter in Washington geführt, wie sich nun herausgestellt hat. Angesichts der bilateralen Beziehungen, die in einer Sackgasse stecken, und der fehlenden Zusammenarbeit bei Schlüsselfragen der globalen Agenda, ist dies besser als nichts", so der Außenpolitiker. 

"Von den Falken in Washington wird jedoch allein die Bereitschaft zum Dialog mit den Russen schon als Gedankenverbrechen gesehen", schrieb Kossatschow weiter. Der Rausschmiss eines nationalen Sicherheitsberaters aufgrund von Kontakten zu einem russischen Botschafter sei schon bei Weitem mehr als nur paranoid. Schließlich sei dies eine gängige diplomatische Praxis.

"Entweder hat Trump nicht die erforderliche Unabhängigkeit erreicht und wird nun in die Enge getrieben. Oder die neue Regierung ist auch schon durch und durch russophob", schlussfolgerte Kossatschow.

"Das ist Paranoia und Hexenjagd"

Sein Kollege Alexej Puschkow, Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses der russischen Staatsduma, denkt, dass bei dem gar nicht Flynn selbst das Ziel war, sondern die Beziehungen zu Russland. "Flynn wurde nicht wegen seines Fehltritts gegangen, sondern aufgrund einer breiten aggressiven Kampagne", twitterte er. Die westliche Presse rufe "Raus mit dem Russen". "Das ist Paranoia und Hexenjagd", so Puschkow. "Flynns Rauswurf war der erste Akt. Das neue Ziel wird Trump selbst sein". 

Als Beispiel für die angebliche Hexenjagd in den Medien twitterte Puschkow ein Cover der "Daily News".

Auch der Vorsitzende des Staatsduma-Ausschusses für internationale Angelegenheiten, Leonid Sluzki, bewertet den Rücktritt von Flynn als ein negatives Zeichen für die russisch-amerikanischen Beziehungen. Die Situation habe einen "provokativen Charakter", sagte er vor versammelter russischer Presse. "Es drängt sich der Eindruck auf, dass das Ziel die russisch-amerikanischen Beziehungen und die Untergrabung der Glaubwürdigkeit der neuen Regierung waren", zitiert ihn die Nachrichtenagentur Ria.

"Uns geht das nichts an"

Unabhängig von dem Fall Flynn würden die USA eine Politik der Marginalisierung Russlands betreiben, die jedoch kontraproduktiv sei, sagte Sluzki der Nachrichtenagentur Tass. "Diese wieder rückgängig zu machen, wird sehr, sehr schwierig sein. Bleibt nur zu hoffen, dass Trumps Rhetorik in die Tat umgesetzt wird."

Im Kreml selbst gab man sich unterdessen zurückhaltender. "Wir wollen das nicht kommentieren", sagte Sprecher Dmitri Peskow zu Flynns Rücktritt. "Das ist eine Angelegenheit der Amerikaner und der Trump-Regierung. Uns geht das nichts an."

ivi