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Regenbogenfahnen: US-Vizepräsident Pence besucht Island – und wird mit kreativem Protest begrüßt

Der ultra-konservative Vizepräsident Mike Pence hat Island einen Besuch abgestattet. Und weil Pence eine Anti-LGBTQ-Politik führt, haben ihn die Isländer mit Regenbogenflaggen begrüßt – und mit Protesten.

US-Vizepräsident Mike Pence trifft mit der isländischen Premierministerin Katrín Jakobsdóttir zusammen

US-Vizepräsident Mike Pence trifft mit der isländischen Premierministerin Katrín Jakobsdóttir zusammen

DPA

Der Vizepräsident der USA, Mike Pence, war zu einem Besuch in Island, gemeinsam mit seiner Frau Karen. Dort hat er sich mit Islands Präsidenten Guðni Th. Jóhannesson und seiner Frau Eliza Reid getroffen, wie der isländische Sender RÚV berichtet. Anschließend folgten eine Handelskonferenz und ein Besuch der Militäranlage am Flughafen von Reykjavík, wo er sich über Verteidigungsfragen informierte. Am Abend traf er sich mit Ministerpräsidentin Katrín Jakobsdóttir, bevor er nach Großbritannien abreiste.

Die Isländer, deren Land die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare geöffnet hat und kein Militär besitzt, riefen zu Protesten gegen den ultra-konservativen Republikaner Pence auf. Umwelt-, Antikriegs- und LGBTQ-Anhänger, haben vor dem Alþingi, dem isländischen Parlament, einen gemeinsamen öffentlichen Protest namens "Party gegen Pence" gegen die Politik der Trump-Regierung abgehalten. Das berichten etwa RÚV und das Nachrichtenportal "mbl".

Regenbogenfahnen für Mike Pence vor Gästehaus Höfði

In einem Statement teilten die Demonstranten mit: "Seine Agenda und die des Weißen Hauses sind ein Affront gegen die in Island lebenden Menschen." Ein Kriegsgegner sagte laut "mbl": "All diese militärischen Vorbereitungen in Keflavík - Bomber, Projekte und mehr - scheinen darauf hinzudeuten, dass es Nachdruck bei US-Beamten gibt, die Rüstung in der Arktis zu verstärken und zu versuchen, Island in diese Vorbereitungen einzubeziehen, was wir mit Sicherheit als alarmierende Entwicklung betrachten."

Ein Unternehmen ließ sich aber eine ganz besondere Form des Protestes einfallen, wie "mbl" und das Portal "The Reykjavik Grapevine" berichten. Zahlreiche Regenbogenfahnen wehten in der Nähe des Höfði-Hauses, wo auch US-Vizepräsident Mike Pence war. Einige der Flaggen befanden sich vor einem Gebäude gegenüber des Höfði, in dem sich der Hauptsitz der Firma Advania befindet. Die Aktion wurde mehrfach in sozialen Netzwerken geteilt und viele reagierten positiv darauf. Auch eine Gewerkschaft hisste die Regenbogenflagge, wie "Grapevine" berichtet.

"Wir hatten gerade das Bedürfnis Vielfalt zu feiern und wollten dies durch das Hissen von Flaggen zeigen“, sagte Ægir Már Þórisson, Direktor von Advania, "mbl". Die Firmenflaggen wurden durch Regenbogenflaggen ersetzt. Er wollte nicht näher erläutern, warum ausgerechnet dieser Tag als Ausdruck der Vielfalt gewählt wurde, aber man kann wohl davon ausgehen, dass der Pence-Besuch der Grund ist. Pence fiel in der Vergangenheit durch LGBTQ-feindliche Reden und Aktionen auf.

USA haben Interesse an der Arktis

Pence dürfte aber nicht wegen der offenen isländischen Gesellschaft diese Reise gemacht haben, sondern eher aus militärischen Interessen, wie "Heise" berichtet. Mit den Absichten Donald Trumps, Grönlands zu kaufen, geriet das Interesse der USA an der Arktis in den Vordergrund. US-Außenminister Mike Pompeo versicherte den Isländern schon im Februar, dass man sie nie wieder vernachlässigen werde, so das Portal. Der Pence-Besuch solle die strategische Bedeutung Islands in der Arktis nochmal unterstreichen.

Das Interesse an der Arktis rührt daher, dass die USA in Nordgrönland die Thule Air Base haben, die mit einem Radar ausgestattet ist, mit der Angriffe aus dem Nordwesten Russlands rechtzeitig entdeckt werden können, so "Heise" weiter. Auch Island habe deswegen wegen seiner Lage eine Bedeutung für die USA. So investierten die USA etwa in Wohnraum auf Island. Allerdings wecken auch Rohstoffe unter dem Eis Grönlands das Interesse der USA, aber auch von Russland und China.

Quellen: RÚV, "mbl" (1), "mbl" (2)"The Reykjavik Grapevine", "Heise"

rw