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Mikrofon-Panne von Seoul reizt US-Republikaner Obama bemüht sich um Schadensbegrenzung


Eigentlich waren seine Worte nicht für die Öffentlichkeit bestimmt. Eigentlich. Wieder trat Barack Obama in einen Fettnapf weil ein Mikrofon schon angeschaltet war und er es nicht bemerkte. Unterdessen brach Japan eine Abmachung und redete offen über die nordkoreanische Bedrohung.

Nach seinen zufällig aufgezeichneten Zusagen an Russland zum Thema Abrüstung bemüht sich US-Präsident Barack Obama um Relativierung. Seine Aussagen dürften niemanden überraschen, entsprächen sie doch der politischen Realität, sagte Obama am Dienstag am Rande eines Nuklear-Gipfels in Seoul. Am Montag hatte er dem noch amtierenden russischen Präsidenten Dmitri Medwedew in einem vertraulichen Gespräch gesagt, er werde nach den US-Wahlen im November mehr Freiheiten haben bei den strittigen Themen Abrüstung und Raketen-Schutzschirm. Als Obama dies sagte, waren aber Mikrofone eingeschaltet. Führende US-Republikaner kritisierten, Obama wolle den Russen Zugeständnisse bei der Raketenabwehr machen, die Amerikaner aber bis zu seiner Wiederwahl darüber im Dunkeln lassen.

"Es ist doch keine Überraschung, zu sagen, dass man eine solche Initiative nicht wenige Monate vor den Präsidentschafts- und Kongresswahlen in den USA und der gerade erst beendeten Wahl in Russland starten kann", sagte Obama am Dienstag. Fortschritte bei den komplexen Fragen zur Abrüstung erforderten Absprachen mit dem US-Verteidigungsministerium und dem Kongress, um Einvernehmen zu erreichen. "Das derzeitige Umfeld ist für solch sensible Beratungen nicht förderlich", erklärte Obama. "Wir sollten das besser erst 2013 machen."

Nicht das erste Fettnäpfchen

Obama hatte am Montag Medwedew gesagt, die Wahl im November sei seine letzte. "Nach meiner Wahl habe ich mehr Spielraum", erklärte er und gab sich damit zugleich zuversichtlich über den Wahlausgang. Medwedew, der im Mai dem neu gewählten Präsidenten Wladimir Putin Platz macht, sagte daraufhin: "Ich werde diese Information an Wladimir (Putin) weitergeben." Ein weiteres Abrüstungsabkommen mit Russland dürfte für Obama in seiner Heimat schwer durchzusetzen sein. Die Republikaner werfen ihm vor, bei der Modernisierung des strategischen US-Waffenarsenals zu zögerlich zu sein.

Für Barack Obama ist es nciht die erste peinliche Mikrofonpanne. Am Rande des G20-Gipfels 2011 in Cannes hörten Journalisten, wie der US-Präsident mit Frankreichs Premier Nicolas Sarkozy über Israels Ministerpräsidenten herzog. "Ich kann ihn nicht mehr sehen, das ist ein Lügner", soll Sarkozy Mithörern zufolge über Benjamin Netanjahu gesagt haben. Obama habe geantwortet: "Du bist ihn leid, aber ich habe jeden Tag mit ihm zu tun."

Beratungen zu Nuklearterrorismus

Auf dem Gipfel im südkoreanischen Seoul nutzte derweil der japanische Regierungschef Yoshihiko Noda das Podium, um die jüngsten nordkoreanischen Raketen-Pläne zu kritisieren. Nordkoreas Vorhaben würde den Bemühungen der internationalen Gemeinschaft zur Nichtverbreitung von Atomwaffen zuwiderlaufen und Resolutionen des UN-Sicherheitsrates verletzen, erklärte er. Eigentlich stand die Angelegenheit nicht auf der Agenda des Gipfels. Nordkorea hatte erklärt, sollte sein Atom-Vorhaben zum Thema gemacht werden, werde dies als "Provokation" verstanden. Nordkorea hat jüngst den Start einer Trägerrakete mit einem Satelliten angekündigt und damit internationale Kritik auf sich gezogen. Die Regierungen in Seoul und Washington sehen den angekündigten Start als getarnten Raketentest, der gegen internationale Vereinbarungen verstößt.

Bei der Konferenz in Seoul soll es vor allem um die Gefahr von Nuklearterrorismus gehen. Staats- und Regierungschefs wollen über eine gemeinsame Strategie beraten, wie die Verbreitung von Kernmaterial verhindert werden kann. Hintergrund ist die Sorge, dass Extremisten an Nuklearmaterial gelangen und damit eine sogenannte "schmutzige Bombe" bauen. Die Explosion eines solchen Sprengsatzes in einer Großstadt wie New York oder Berlin könnte verheerende Folgen haben, da das betroffene Gebiet für Jahrzehnte verstrahlt und damit nicht mehr bewohnbar wäre.

ono/Reuters/DPA DPA Reuters

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