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Flüchtlinge: Offenbar Hunderte Tote bei Bootsunglück im Mittelmeer

Drama im Mittelmeer: Bei einem Unglück mit einem Flüchtlingsboot sollen mehrere Hundert Menschen ums Leben gekommen sein.

Flüchtlinge auf dem Mittelmeer

Flüchtlinge auf dem Mittelmeer: Immer wieder sterben Menschen bei der gefährlichen Überfahrt

Im Mittelmeer hat es nach Angaben Italiens ein schweres Unglück mit einem Flüchtlingsboot gegeben. Es habe sich eine Tragödie auf See ereignet, bei der offenbar mehrere Hundert Menschen ums Leben gekommen seien, sagte Präsident Sergio Mattarella am Montag.

Auch der italienische Außenminister Paolo Gentiloni äußerte sich am Rande eines EU-Ministertreffens in Luxemburg dazu: "Es ist sicher, dass wir es genau ein Jahr nach der Tragödie in libyschen Gewässern wieder mit einer Tragödie zu tun haben", sagte er. Konkrete Opferzahlen nannte er nicht.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier hatte zuvor berichtet, von Berichten über eine Katastrophe mit mehr als 300 Opfern gehört zu haben. Ein Sprecher wies jedoch ausdrücklich darauf hin, dass diese Informationen noch nicht bestätigt seien.

Steinmeier-Info: 300 Tote im Mittelmeer

Der somalische Regierungssprecher Abdisalan Aato sagte der Deutschen Presse-Agentur in der Hauptstadt Mogadischu, auf den Booten hätten sich rund 500 Migranten befunden. "Unseren Informationen zufolge sind viele Somalis in dieser Tragödie ums Leben gekommen." Nach lokalen Medienberichten überlebten nur 23 Migranten das Unglück. 

Wo exakt sich die Katastrophe ereignet hat, war zunächst nicht klar. Frontex-Sprecherin Izabella Cooper konnte keine Angaben zu dem Vorfall machen. Die EU-Grenzschutzagentur sei nicht beteiligt gewesen und habe weder Zahlen noch eine offizielle Bestätigung. Ansprechpartner seien die ägyptischen Behörden.

Der arabische Dienst des britischen Senders BBC hatte zuvor unter Berufung auf nicht näher genannte ägyptische Berichte gemeldet, bei der Katastrophe seien mehr als 400 Flüchtlinge ertrunken, die meisten von ihnen Somalier. Insgesamt seien vier Boote im Mittelmeer gesunken.

Weiteres Bootsunglück vor Libyen

Zugleich gab es Berichte über ein weiteres Bootsunglück. Auf einem im Mittelmeer in Seenot geratenen Flüchtlingsboot fanden italienische Rettungskräfte sechs Leichen. 108 weitere Migranten seien gerettet und von einem Schiff aufgenommen worden, nachdem sie zuvor einen Notruf abgesetzt hatten, berichtete die Nachrichtenagentur Ansa am Montag. Sie hätten den Rettern von den Toten auf ihrem Boot erzählt, die daraufhin ebenfalls an Bord geholt worden seien. Das Boot war unweit der libyschen Küste bei schwerem Wellengang in Seenot geraten.

Mitte April vergangenen Jahres war vor der libyschen Küste ein Flüchtlingsboot gekentert. Nach Angaben eines Überlebenden sollen bis zu 950 Menschen an Bord gewesen sein. Mehr als 140 Leichen wurden bislang geborgen, 28 Menschen überlebten das Unglück.

car / Reuters / DPA