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Nach Synagogen-Attentat: Mitten hinein in die aufgeheizte Stimmung: Trump beschimpft die Medien als "wahre Volksfeinde"

Briefbomben, Attentate - das politische Klima in den USA ist am Boden. Aber wer ist Schuld an der vergifteten Stimmung? Viele zeigen auf Donald Trump. Und was macht der? Beschimpft in alter Manier die Medien.

Donald Trump

Donald Trump bleibt seinen Feindbildern treu: Schuld an der Stimmung im Land sind die "feindseligen Medien"

AFP

Im Gegensatz zum mutmaßlichen Rohrbomben-Verschicker aus Florida ist der Synagogen-Attentäter kein erklärter Trump-Fan. Im Gegenteil: Auf der bei Nationalisten beliebten sozialen Plattform Gab.com bezeichnete er den US-Präsidenten einmal als "Globalisten" – für rechtsextreme US-Amerikaner das Gegenteil eines Nationalisten und also ein Schimpfwort. Beide Männer aber verbindet etwas anderes: der Hass auf die Verhältnisse. Und Donald Trump sieht sich mit zunehmenden Vorwürfen konfrontiert, für das vergiftete politische Klima im Land mitverantwortlich zu sein.

Hat Trump Nationalisten ermutigt?

Vertreter der von dem Anschlag heimgesuchten jüdischen Gemeinde in Pittsburgh beschuldigten Trump, die "wachsende weiße nationalistische Bewegung ermutigt" zu haben. Der Präsident wies dagegen erneut den Medien die Hauptschuld für die extremen Polarisierungen zu. "Präsident Trump, Sie sind in Pittsburgh nicht willkommen, bis sie den weißen Nationalismus nicht umfassend verurteilen", hieß es in einem veröffentlichten Brief der jüdischen Vertreter. Sie bezeichneten den Angriff eines Judenhassers auf die Lebensbaum-Synagoge, bei dem elf Menschen getötet worden waren, als "direkte Zuspitzung" von Trumps "Einfluss".

Trump hatte nach dem Blutbad einen Besuch in Pittsburgh angekündigt, für den es aber noch keinen Termin gibt. Kurz nach dem Anschlag sagte er: "Diese bösartige antisemitische Attacke ist ein Angriff auf uns alle." Er verurteilte den Antisemitismus und andere Formen des Hasses auf Religionen und Minderheiten. 

Allerdings setzte der Präsident bereits kurz nach dem Anschlag seine Wahlkampfauftritte und heftigen Verbalattacken fort - obwohl viele Kritiker in seiner extrem aggressiven Rhetorik eine Ursache des vergifteten Klimas sehen, das politische Gewalt hervorbringe.

Antisemitische Parolen gebrüllt

Bei dem tödlichsten antisemitischen Angriff der jüngeren US-Geschichte hatte ein 46-jähriger während eines Gottesdienstes in der Lebensbaum-Synagoge um sich geschossen. Der mit einem Sturmgewehr und mindestens drei Pistolen bewaffnete Mann, der antisemitische Parolen brüllte, wurde direkt nach der Tat festgenommen.

Erst am Freitag war im Bundesstaat Florida ein 56-Jähriger gefasst worden, der mindestens 13 Rohrbomben an prominente Trump-Kritiker - darunter Ex-Präsident Barack Obama, die frühere Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton und der jüdische Milliardär George Soros - adressiert hatte. Bei dem Festgenommenen handelte es sich offensichtlich um einen fanatischen Trump-Anhänger.

Durch die Eskalation der politischen Gewalt ist der Streit um die Ursachen des vergifteten Klimas sowie die Verantwortung des Präsidenten nun kurz vor den Kongresswahlen in der kommenden Woche zu einem zentralen Thema der Debatte geworden.

Trump wies die gegen ihn erhobenen Vorwürfe zurück und bezichtigte erneut die kritisch über ihn berichtenden Medien, Hassgefühle zu schüren. Sie täten alles, "um den Republikanern, den Konservativen und mir die Schuld für die Spaltung und den Hass zu geben, die es schon seit so langer Zeit gibt", schrieb er auf Twitter. Dabei würden diese Medien selber mit ihrer "falschen und unehrlichen" Berichterstattung die Probleme verursachen, erklärte Trump. Er warf ihnen vor, von "offener und offensichtlicher Feindseligkeit" angetrieben zu sein, und bezeichnete sie erneut als "wahre Volksfeinde".

"Trump hat es versäumt, Intoleranz zu verurteilen."

Die "New York Times" befand hingegen in einem Leitartikel: "Als Kandidat und als Präsident hat Herr Trump es versäumt, die fanatische Intoleranz konsequent und unmissverständlich zu verurteilen." Er habe die Standards der Kommunikation gesenkt und seine Anhänger dazu angespornt, "seine Kritiker als Verräter und Feinde zu betrachten".

Tausende Menschen im ganzen Land hatten am Sonntag mit Trauerfeiern und Mahnwachen der Opfer des Synagogen-Anschlags gedacht. "Worte des Hasses sind in Pittsburgh nicht willkommen", mahnte Rabbi Jeffrey Myers bei der Trauerzeremonie in Pittsburgh. Er appellierte insbesondere an die Politik: "Meine Damen und Herren, das muss mit Ihnen, unseren Politikern, beginnen. Hören Sie auf mit den Worten des Hasses."

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nik/AFP
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