Moskau Suche nach Verschütteten eingestellt


Zunächst hatten die Behörden noch von Hilferufen per Handy berichtet, einen Tag nach dem Einsturz des Markthallendachs stellten die Behörden jedoch die Suche ein. Die Trümmer werden nun mit schwerem Gerät abtransportiert.

Am Tag nach dem Einsturz der großen Markthalle im Osten Moskaus haben die Rettungskräfte die Suchaktion in den Trümmern eingestellt. Es gebe "praktisch keine Chance" mehr, noch Überlebende zu finden, teilte die Einsatzleitung des russischen Zivilschutzes am Freitag mit. Ein Behördenvertreter sprach von 57 Toten und 32 Verletzten. Man habe mittlerweile alle möglichen Aufenthaltsorte von Menschen in dem Trümmerberg durchsucht, gab der Zivilschutz bekannt.

In mehreren Moskauer Krankenhäusern wurden am Freitag noch 23 Überlebende der Tragödie behandelt. Ein Mensch schwebe in Lebensgefahr, wie der ärztliche Notdienst der Stadt nach Angaben der Agentur Interfax mitteilte.

Trümmer werden mit schwerem Gerät geräumt

Die meisten der Opfer sind Gastarbeiter aus den ehemals sowjetischen Republiken im Kaukasus und in Zentralasien. Die Toten seien bis auf wenige Ausnahmen von Verwandten und Arbeitskollegen identifiziert worden.

Zum Zeitpunkt des Einsturzes am frühen Donnerstagmorgen hatten sich nach Schätzungen der Marktleitung 100 bis 150 Menschen im Gebäude aufgehalten. Einigen Händlern war es gelungen, unversehrt aus dem nicht vollständig eingestürzten Gebäude zu fliehen.

Die Behörden haben damit begonnen, mit Kränen und schwerem Räumgerät die Trümmer des auf 2000 Quadratmeter eingestürzten Daches zu entfernen. Moskaus Bürgermeister Juri Luschkow betonte, dass fast alle Indizien auf eine zu schwere Schneelast als Auslöser der Tragödie hindeuteten. Das Dach der 1977 gebauten Halle war nach starkem Schneefall und einsetzendem Tauwetter eingestürzt.

Architekt weist Schuld von sich

Die russischen Ermittler hielten sich am Freitag, einem nationalen Feiertag, mit Stellungnahmen zu den detaillierten Ursachen für die Tragödie zurück. Der Architekt der 1977 gebauten Markthalle, Nodar Kantscheli, hatte betont, die Marktleitung habe gegen die Nutzungsbestimmungen für das Gebäude verstoßen, indem in einer Zwischenetage Dutzende Marktstände eingerichtet worden seien. Als Hauptgrund für den Einsturz nannte Kantscheli ebenfalls die Schneelast.

Der landesweit bekannte Architekt hatte auch das vor zwei Jahren eingestürzte Erlebnisbad "Transvaal" im Süden Moskaus entworfen. Eine Kommission prüft bis heute die Umstände für den Unfall im Februar 2004, bei dem 28 Badegäste ums Leben kamen.

Bürgermeister Luschkow kündigte schnelle Entschädigungszahlungen für die Überlebenden sowie die Angehörigen der Toten an. Auch die Familien von getöteten Ausländern hätten Anspruch auf die Entschädigungssumme von 100 000 Rubeln, umgerechnet 3000 Euro. Wer nach dem Einsturz der Markthalle im Krankenhaus behandelt werden musste, bekomme 50 000 Rubel.

DPA DPA

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