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Myanmar: "Endlich dürfen wir helfen"

Die Regierung in Myanmar will nun doch ausländischen Helfern erlauben, den Überlebenden der Sturmkatastrophe zu helfen. Internationale Hilfsorganisationen atmen auf. Sie hoffen, dass sie die 2,5 Millionen Zyklon-Opfer endlich umfassend betreuen können.

Von Manuela Pfohl

Verseuchtes Wasser, Mangelernährung und Infektionskrankheiten. Das sind nur einige der Probleme, mit denen die Überlebenden des Zyklons "Nargis" kämpfen müssen. Nach einer Intervention von UN-Generalsekretär Ban Ki Moon lässt die Militärregierung in Myanmar mehr als drei Wochen nach der Katastrophe endlich zu, dass den bis zu 2,5 Millionen Überlebenden umfassend geholfen werden kann.

"Wir sind sehr erleichtert, denn es wurde wirklich höchste Zeit", sagt Silvia Holten von der Hilfsorganisation World Vision. Neben den 583 einheimischen Helfern seien jetzt fünf internationale Mitarbeiter im Land, zwei weitere Visa seien ebenso genehmigt worden, wie die Einreise eines Logistikers. "Was wir jetzt brauchen, ist kompetente Hilfe von außen für die Menschen in den Krisenregionen. Und das funktioniert nur, wenn sich die Fachleute selbst ein Bild von den aktuellen Bedingungen machen können."

UN-Generalsekretär hatte Erfolg

Auch Ingo Radtke, Leiter von Malteser International erklärt: "Wir sind froh und dankbar über den Erfolg des Generalsekretärs der Vereinten Nationen. Wir sehen es als ein deutliches Zeichen der Verbesserung der Zusammenarbeit mit der Regierung in Myanmar. Trotzdem müssen wir warten, was die nächsten Stunden bringen, denn ins Land zu kommen bedeutet noch lange nicht, sich auch frei bewegen zu dürfen." Die Malteser International seien schon seit vielen Jahren in Myanmar tätig und verteilen derzeit im Delta die Hilfsgüter durch ihr lokales Personal. "Die Nothilfephase ist noch nicht vorbei", so Radtke. "Es zählt jede Stunde. Wir müssen die notwendige Hilfe jetzt ausweiten - eben auch mit unserem internationalen Personal."

Parallel zu den politischen Verhandlungen werden zwei weitere deutsche Hilfsgüterflüge gepackt. Die "Konrad Adenauer" wird am Samstag von Köln-Wahn starten und hat medizinische Hilfspakete von action medeor, CARE Deutschland Luxemburg, den Johannitern und den Maltesern an Bord.

Lage wird immer dramatischer

Unicef-Sprecher Rudi Terneden sagt: "Von unseren Mitarbeitern in den Katastrophengebieten wissen wir, dass die Lage dort immer dramatischer wird. Rund ein Viertel der betroffenen Bevölkerung hat bis jetzt noch gar keine Hilfe erhalten. Die Gefahr, dass vor allem die ohnehin schon mangelernährten Kinder, die unter erbärmlichen Bedingungen hausen müssen, an Malaria und Dengue-Fieber erkranken, wächst mit jedem Tag." Schon jetzt leide jedes dritte Kind in Latputta im Irrawaddy-Delta an Durchfall. Terneden: "Ohne koordinierte Maßnahmen der internationalen Hilfsorganisationen werden viele Kinder das nicht überleben. Wir bereiten deshalb die Einrichtung therapeutischer Ernährungszentren vor, um schwer mangelernährte Kinder zu versorgen." Untersuchungsteams versuchen darüber hinaus, den Ernährungszustand der Kinder in den verstreut liegenden und teils schwer zerstörten Ortschaften zu überwachen.

Bislang hatte sich die Militärregierung geweigert, ausländische Helfer in größerer Zahl ins Land zu lassen, um den Menschen zu helfen, die nach der Katastrophe dringend auf Hilfe warten. Ban Ki Moon hatte sich nach einem Besuch im zerstörten Irrawaddy-Delta bestürzt über die Lage der Überlebenden gezeigt. Das Dorf Kyondah, das Ban bereiste, gilt indes als Vorzeigeort nach der Wirbelsturmkatastrophe, bei der mindestens 78.000 Menschen ums Leben kamen. Weitere 56.000 gelten als vermisst.

Besonders wichtig sind Hygieneartikel

Nun endlich erreichen auch Hilfsgüter des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) das Irrawaddy-Delta, das am stärksten vom Zyklon betroffen ist. Dort werden demnächst 1000 Moskitonetze und 500 Baby-Hygienepakete mit Babyseife, -shampoo und -öl, waschbaren Windeln und Trockentüchern übergeben. In Rangun werden die Hilfsgüter um 4000 Familienhygienepakete mit Seife, Zahnpflegematerial, Shampoo, Waschbehälter und anderem, sowie verschiedenem Werkzeug wie Hammer, Säge und Nägeln ergänzt. Diese Materialien werden auf dem lokalen Markt beschafft. "Es ist sehr wichtig, die Menschen mit Hygieneutensilien zu versorgen, denn so kann der Ausbruch von Krankheiten und Epidemien verhindert werden", sagt Carsten Stork, stellvertretender Leiter der ASB-Auslandshilfe. "Auch Werkzeug wird dringend benötigt, um die Häuser und Hütten reparieren zu können." Die Hilfsgüter im Wert von 100.000 Euro kommen insgesamt 10.000 Familien zugute.

Da es für ausländische Helfer immer noch schwierig ist, das Irrawaddy-Delta zu bereisen, übernehmen lokale Mitarbeiter der Hilfsorganisation ADRA, eine Partnerorganisation im Bündnis Aktion Deutschland Hilft, die Verteilung der Hilfsgüter im Delta. Die ASB-Nothelfer befinden sich weiterhin in Rangun.