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Nach Atomtest: Nordkorea droht der Welt

Weltweit schlägt Nordkorea nach seinem Atomtest Empörung entgegen. Mögliche internationale Strafen will das Land mit "noch stärkeren" Aktionen beantworten.

Kurz nach seinem Atomwaffentest hat Nordkorea mit "noch stärkeren" Aktionen gedroht. Sollten die USA die Lage "mit fortgesetzter Feindseligkeit" noch komplizierter machen, "dann haben wir keine andere Wahl als in einem zweiten oder dritten Schritt eine noch stärkere Aktion auszuführen", erklärte das nordkoreanische Außenministerium in einer am Dienstag von der offiziellen Nachrichtenagentur KCNA verbreiteten Mitteilung.

Der jüngste Atomwaffentest sei nur "ein erster" Schritt gewesen, "mit dem wir soviel Zurückhaltung geübt haben wie möglich", hieß es in der Erklärung weiter. Ungeachtet aller Warnungen hatte die Führung Nordkoreas am Dienstagmorgen ihre Drohung wahrgemacht und einen neuen Atomwaffentest unternommen. Der Test löste weltweit Empörung aus. Im Laufe des Tages wurde bekannt, dass Nordkorea die US-Regierung vorgewarnt hatte. Eine Sprecherin des Außenministeriums sagte in Washington, die Regierung in Pjöngjang habe über die "üblichen Kanäle" den Atomtest angekündigt, aber keinen genauen Zeitpunkt genannt. Wann die Warnung die US-Regierung erreicht hat, ließ die Sprecherin offen.

Nach Messungen der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe hatte der nordkoreanische Atomtest eine Stärke von 5,2 auf der Richterskala. Bei früheren Tests seien Stärken von 4,2 und 4,8 gemessen worden, teilte die Bundesanstalt am Dienstag in Hannover mit. Die Messstation liegt in Haidmühle in Bayern. Eine Stärke von 5,2 entspricht der Bundesanstalt zufolge einer Ladungsstärke von 40 Kilotonnen TNT-Äquivalent. Die vorigen Tests hätten bei 2 beziehungsweise 13 Kilotonnen gelegen.

Südkorea befürchtet weiteren Test

Derweil fürchtet Südkoreas Geheimdienst einen weiteren Atomtest seines Nachbarlandes. Das berichtet die südkoreanische Agentur Yonhap. Bei einem Treffen mit Mitgliedern des parlamentarischen Geheimdienstausschusses in Seoul habe der staatliche Geheimdienst (NIS) nicht ausgeschlossen, dass Nordkorea im Falle einer Bestrafung durch den UN-Sicherheitsrat einen weiteren Atomtest durchführen sowie eine neue Langstreckenrakete testen könnte.

Es sei nach Einschätzung des NIS zu früh, zu sagen, ob Nordkorea über die Technologie verfüge, eine einsatzbereite Atomwaffe zu bauen, berichteten danach die Abgeordneten. Das Land müsse seine Technologie zur Verkleinerung von atomaren Sprengsätzen noch vervollständigen. Der NIS spekuliere, dass Nordkorea trotz Warnungen einen neuen Atomtest unternommen habe, um unter anderem den Willen des früheren Machthabers Kim Jong Il zu erfüllen, aus seinem Land eine Atommacht machen zu wollen. Der im Dezember 2011 gestorbene Kim ist der Vater des jetzigen Machthabers Kim Jong Un.

Die zuständige UN-Behörde spricht unterdessen weiterhin von einem "Ereignis". Dieses sei jedoch "doppelt so stark wie der Vorfall, den wir 2009 aufgezeichnet haben", sagte Lassina Zerbo von der UN-Behörde zur Überwachung des internationalen Kernwaffenteststopp-Abkommens (CTBTO) am Dienstag in Wien. Gemeint war damit der nordkoreanische Atomtest vor vier Jahren. Um den genauen Grund für die ungewöhnlichen Erdstöße zu ermitteln, brauche die Behörde noch mindestens zwei Tage. Das weltweite Netzwerk der UN-Behörde hatte 2006 und 2009 bereits die ersten beiden nordkoreanischen Atomtests aufgezeichnet.

Hollande verurteilt Atomtest

Frankreichs Präsident François Hollande verurteilte den Atomwaffentest Nordkoreas "auf das Schärfste" und verlangte eine harte Reaktion des UN-Sicherheitsrates. Nordkorea müsse sich "unverzüglich" an seine internationalen Verpflichtungen halten und sein Atomwaffenprogramm "vollständig, nachweisbar und unumkehrbar" aufgeben, erklärte Hollande am Dienstag in Paris.

Er fügte hinzu: "Frankreich wird eine harte Vorgehensweise im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen unterstützen und arbeitet in diesem Sinne mit seinen Partnern zusammen." Vorerst müsse Nordkorea auf jede weitere Aktion verzichten, welche die Spannungen in der Region verschärfen könnte.

Russland forderte die Führung in Pjöngjang unter Androhung weiterer Sanktionen zum Verzicht auf ihr Raketenprogramm auf. Der Kreml in Moskau rief die internationale Gemeinschaft zu einer angemessenen Reaktion auf den "groben Verstoß" gegen Resolutionen des Weltsicherheitsrates auf. Das teilte Präsident Wladimir Putins Berater Juri Uschakow nach Angaben der Agentur Interfax am Dienstag mit. Möglich seien neue Sanktionen gegen Nordkorea, wie russische Außenpolitiker sagten. Experten in Moskau betonten, dass der Nachbar Nordkorea für Russland zu einer Bedrohung geworden sei.

mlr/AFP/DPA / DPA