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Nach der Wahl Feiert bloß nicht schon die Rettung Griechenlands!


Die Welt atmet auf, die Hellenen haben sich zum Euro bekannt. Die Probleme sind damit längst nicht behoben. Im Gegenteil. Wahlsieger Samaras muss sein Volk einen und zurück auf Sparkurs bringen.
Ein Kommentar von Andreas Albes, Athen

Von wem Wohl und Zukunft Griechenlands tatsächlich abhängen, daran ließ Antonis Samaras keinen Zweifel, als er die kurze Ansprache nach seinem Wahlsieg gleich auf Englisch hielt: "Wir wollen keine Abenteuer, keine Zweifel an der Position Griechenlands in Europa. Wir werden zu den Unterschriften stehen, die unser Land geleistet hat." Vor den Wahlen sagte ein hoher EU-Diplomat im kleinen Kreis: "Was wir in Athen an der Regierung brauchen, ist kein Mann mit Charisma und Visionen, sondern einen Hausmeister, der unsere Sparauflagen erfüllt. Samaras wäre der Richtige."

Wird jetzt also alles gut? Auf jeden Fall bekommt Griechenland nach Monaten der politischen Lähmung wieder eine funktionierende Führung. Und es ist zumindest nicht schlecht, dass mit Samaras der vermeintliche Hausmeister das Rennen gemacht hat. Die Alternative wäre der linksradikale Alexis Tsipras mit seinem Syriza-Bündnis gewesen. Der wollte alle Sparabkommen annullieren. Die Gefahr, dass mindestens einer aus der Geldgeber-Troika von EU, Zentralbank und Währungsfond dann die Geduld verloren hätte, wäre groß gewesen. Es hätte die Rückkehr zur Drachme bedeutet.

Samaras muss ganz Griechenland reformieren

Doch das Risiko ist nicht gebannt. Denn an der Lage des Landes, das in Wahrheit nicht im Geringsten für die Eurozone taugt, hat sich nichts geändert. Griechenlands Wirtschaft basiert fast ausschließlich darauf, dass überdurchschnittlich konsumhungrige Menschen in importierte Waren investieren. Und was dabei als Gewinn hängen bleibt, wird wieder in Konsumprodukte gesteckt. Ein ökonomischer Kreislauf, der irgendwann zusammenbrechen musste.

Vor Antonis Samaras steht deshalb nicht nur die Aufgabe, sein Land vor dem Bankrott zu retten. Sondern er muss die Basis für eine vernünftige Volkswirtschaft legen. Das funktioniert nur, wenn er das Vertrauen Europas (zurück-)gewinnt. Denn ohne umfangreiche Investitionen aus dem Ausland wird sich Griechenland nie aus seiner Misere befreien.

Griechen müssen nicht mehr arbeiten

Noch schwieriger dürfte es für Samaras allerdings werden, seine Landsleute davon zu überzeugen, bei diesem überfälligen Neuaufbau mitzumachen. Und da hat der EU-Diplomat, der sich einen tumben Hausmeister an der Regierung wünscht, zu kurz gedacht. Denn das kann nur eine Persönlichkeit leisten, die den Menschen Mut und Lust macht, etwas zu ändern. Alle Griechen sind gefordert. Sie müssen nicht mehr arbeiten, aber effektiver und kreativer. Und vor allem: Nicht länger an der Staatskasse vorbei.

Ob Samaras diese Überzeugungskraft besitzt, steht in Frage. Sein Wahlerfolg gaukelt eine Popularität vor, die er nicht hat. Ohne die 50 Bonusmandate, die der Siegerpartei nach griechischem Wahlrecht zustehen, hätte seine konservative Nea Demokratia, keine so komfortable Parlamentsmehrheit (129 der 300 Sitze). Außerdem halten 80 Prozent der Griechen Samaras für den Posten als Premierminister generell für ungeeignet. In jedem Fall wird Samaras vom Wahlchaos der vergangenen Monate profitieren. Die Tatsache, dass Athen haarscharf (2,7 Prozentpunkte Unterschied) an einer linksradikalen Regierung vorbeigeschrammt ist, dürfte dafür sorgen, dass die internationalen Geldgeber das Sparkorsett lockern. Außerdem werden sie eher zu weiteren Investitionen bereit sein.

Neue Regierung muss das ganze Volk einen

Vor Samaras stehen nun als erste Prüfung Koalitionsverhandlungen. Sicher wird er mit den Pasok-Sozialisten zusammengehen. Wobei die ihn schon mit politischen Finten unter Druck setzten: "Eine Koalition mit uns gibt es nur, wenn Syriza dabei ist", drohte eine Ex-Ministerin. Doch das ist Unsinn, weil es zu einer dritten Neuwahl führen würde. Und die kann sich Griechenland nun wirklich nicht leisten. Von Vorteil wäre aber, wenn Samaras mindestens eine der Antispar-Parteien auf seine Seite ziehen könnte. Das würde seiner Führung eine breitere Basis geben und beweisen, dass er nicht nur extrem machtbesessen ist - wie man ihm nachsagt - sondern auch ein guter Moderator. Denn nur, wenn er in der Lage ist, das tief gespaltene griechische Volk wieder zu einen, wird er auch in der Lage sein, das Land zu retten.


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