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Nach kritischer Äußerung über Ägypten: US-Außenminister Kerry in Erklärungsnot

John Kerry hat mit einer kontroversen Äußerung über die Entmachtung des ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi für Entsetzen gesorgt. Jetzt will der US-Außenminister die Wogen wieder glätten.

Nach heftiger Kritik an seinen Äußerungen zu den politischen Ereignissen in Ägypten scheint US-Außenminister John Kerry bemüht, die Wogen zu glätten. Bei einem Besuch in London sagte Kerry am Freitag, Ägypten müsse jetzt "zurück zur Normalität finden". Die USA arbeiteten gemeinsam mit anderen Staaten daran, "die beteiligten Parteien zusammen zu bringen, um eine friedliche Lösung zu finden". Ziel sei es dabei, die Demokratie zu stärken und "die Rechte aller zu respektieren", führte Kerry vor Journalisten aus. "Das Letzte, was wir wollen, ist noch mehr Gewalt." Erst vor einem Monat hatte sich US-Präsident Barack Obama "sehr besorgt" über das Einschreiten der Armee geäußert.

Kerry äußerte sich damit weit weniger kontrovers als noch einen Tag zuvor. Am Donnerstag hatte er während eines Besuchs in Pakistan den Sturz der demokratisch gewählten Regierung Ägyptens als Entscheidung im Sinne des Volkes gerechtfertigt. Letztlich sei dadurch die Demokratie wiederhergestellt worden. "Das Militär wurde von Millionen und Abermillionen Menschen zum Einschreiten gebeten, die allesamt Angst davor hatten, in Chaos und Gewalt abzugleiten", sagte Kerry dem Fernsehsender Geo. Die Aussagen brachten ihm harsche Kritik von der Muslimbruderschaft ein, der der gestürzte Staatspräsident Mohammed Mursi entstammt.

Gewaltsame Zusammenstöße

Seit der Absetzung Mohammed Mursis durch die Armee am 3. Juli kommt es immer wieder zu gewaltsamen Zusammenstößen zwischen Anhängern des gestürzten Präsidenten und dessen Gegnern sowie Sicherheitskräften. Am Freitag setzte die Polizei nach Angaben von Vertretern der Sicherheitskräfte in Kairo Tränengas ein, um eine Versammlung von Mursi-Anhängern auseinanderzutreiben.

Die Islamisten fordern die Wiedereinsetzung von Präsident Mursi, der am 3. Juli von der Armee abgesetzt worden war und an einem geheimen Ort inhaftiert ist. Außerdem demonstrieren sie gegen die geplante Räumung ihrer Protestlager.

ds/AFP/DPA / DPA