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Nach Sanktionen gegen Atomprogramm Hunderte Iraner attackieren britische Botschaft


Eskalation im Streit um britische Sanktionen gegen den Iran: Demonstranten haben in der Botschaft Großbritanniens in Teheran randaliert. Eine weitere diplomatische Einrichtung wurde von regierungstreuen Milizen attackiert.

Iranische Demonstranten haben am Dienstag die britische Botschaft und eine weitere diplomatische Einrichtung Großbritanniens gestürmt. Mehr als 20 Demonstranten drangen in das Botschaftsgebäude ein, rissen die britische Flagge herunter und verwüsteten Büros, wie ein AFP-Reporter berichtete. Das britische Außenministerium reagierte mit Empörung. Das iranische Staatsfernsehen zeigte, wie Demonstranten Fensterscheiben der Botschaft mit Steinen einwarfen. Ein Demonstrant war zu sehen, wie er mit einem Porträt von Queen Elizabeth II. die Mauer des Gebäudes hinaufkletterte. Die britische Flagge wurde durch eine iranische ersetzt. Der Angriff erfolgte, während iranische Bereitschaftspolizisten daneben standen.

Erst eine halbe Stunde später waren Polizisten auf den Botschaftsmauern zu sehen, wie sie weitere Demonstranten davon abhielten, auf das Gelände vorzudringen. Nach und nach gelang es ihnen, die meisten Demonstranten aus dem Gelände zu vertreiben. Außerhalb der britischen Botschaft riefen hunderte Demonstranten "Tod für Großbritannien". Versuche, Mitarbeiter der Botschaft zu kontaktieren, blieben erfolglos.

Regierungstreue Miliz stürmte diplomatische Einrichtung

Wenig später stürmten nach Informationen der staatlichen iranischen Nachrichtenagentur Irna rund 200 Angehörige der regierungstreuen Bassidsch-Miliz eine zweite diplomatische Einrichtung Großbritanniens im Norden Teherans. Laut Irna sollen sich auf dem Gelände Gästehäuser für britische Diplomaten sowie deutsche, britische und französische Schulen befinden. Die Demonstranten hätten dort "vertrauliche Dokumente und Spionagedokumente beschlagnahmt", hieß es. Irna berichtete weiter, die Demonstranten würden dort Ausländer "beschützen", ohne weitere Angaben zu machen. Ein britischer Diplomat sagte, alle Briten, die sich auf dem Gelände befänden, seien in Sicherheit. Auch er konnte zunächst keine näheren Angaben zur dortigen Lage machen.

Die Demonstranten protestierten mit ihren Aktionen gegen die vor kurzen verhängten Sanktionen Großbritanniens im Atomstreit mit dem Iran. Das Parlament in Teheran hatte deshalb am Montag die Ausweisung des britischen Botschafters Dominick Chilcott binnen zwei Wochen und die Abberufung des iranischen Botschafters aus London beschlossen.

Großbritannien ist "empört"

"Wir sind empört", hieß es in einer Erklärung des Außenministeriums in London. "Das ist völlig unannehmbar, und wir verurteilen es." Das Ministerium rief die Führung in Teheran auf, "sofort zu handeln und die Situation unter Kontrolle zu bringen". Teheran sei gemäß internationalen Konventionen verpflichtet, Botschaften und diplomatische Einrichtungen zu schützen.

Großbritannien, die USA und Kanada hatten ihre Sanktionen gegen den Iran am 14. November noch einmal verschärft; die britischen Sanktionen betreffen unter anderem den gesamten Finanzsektor des Iran, mit dem alle Verbindungen gekappt wurden. Mit der verschärften Sanktionspolitik reagiert der Westen auf den jüngsten Bericht der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), in dem zum ersten Mal "glaubwürdige Hinweise" für eine militärische Dimension des iranischen Atomprogramms aufgelistet wurden. Der Iran weist die Vorwürfe zurück und betont den zivilen Charakter seines Atomprogramms. Die USA haben keine Botschaft mehr in Teheran seit diese 1979 von militanten Studenten gestürmt wurde und 52 Diplomaten mehr als 440 Tage als Geiseln gehalten wurden.

AFP AFP

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