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Nachkriegsordnung: Irak-Anrainer fordern Abzug der Truppen

Die Nachbarstaaten des Irak haben die Alliierten aufgefordert, ihre Truppen aus dem Irak wieder zurückzuziehen. Unterdessen ist Saddam Husseins Finanzminister Hikmat Ibrahim el Assawi von den USA festgenommen worden.

Das US-Militär hat erstmals seit dem Fall von Bagdad einen Minister des entmachteten Saddam-Regimes festgenommen. Das US-Oberkommando teilte in Katar mit, irakische Polizisten hätten den bisherigen Finanzminister Hikmat Misban Ibrahim el Assaui (70) am Vortag an US-Marineinfanteristen in Bagdad übergeben.

Assaui führte das Finanzministerium seit 1995 und war seit 1999 außerdem stellvertretender irakischer Ministerpräsident. Er gehörte zu den 55 der von den USA meistgesuchten irakischen Regimevertretern. Auf der Fahndungsliste Washingtons stand er an 45. Stelle. Seit 1968 war Assaui Führungsmitglied des regionalen Kommandos der Baath- Partei, später wurde er außerdem Handelsminister.

Vier Gesuchte bisher gefunden

Zusammen mit Assaui sind bislang vier gesuchte Mitglieder der irakischen Führungsriege gefaßt worden. Die beiden anderen sind zwei Halbbrüder des entmachteten Präsidenten Saddam Hussein und ein hochrangiger Funktionär der Baath-Partei. Der ebenfalls gesuchte frühere Präsidentenberater Amir el Saadi hatte sich gestellt. Das Schicksal von Saddam ist weiterhin unklar.

Angeblicher Chemiewaffen-Experte hat sich gestellt

Der US-Fernsehsenders CNN berichtete, am Freitag habe sich ein angeblicher irakischer Chemiewaffen-Experte den US-Behörden gestellt. Imad Hussein el Ani habe nach amerikanischen Angaben das Programm zur Produktion des Nervengases VX geleitet. Er bestreite jedoch, Kenntnisse über irakische Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Ani stand nicht auf der Fahndungsliste der US-Regierung.

Nach Angaben des US-Oberkommandos stellte sich am selben Tag ein Mitglied der früheren palästinensischen Terrorgruppe Abu Nidal den Marineinfanteristen in Bagdad. Der Name des Mannes wurde mit Chala Chadr el Salaha angegeben. In der Nacht zum Dienstag hatten US- Spezialeinheiten den Drahtzieher der Entführung des italienischen Kreuzfahrtschiffes "Achille Lauro", Mohammed Abu Abbas, in Bagdad gefasst.

Anrainer diskutieren über Zukunft Iraks

Unterdessen beschäftigten sich die sechs Anrainerstaaten des Iraks bei einem Dringlichkeitstreffen in Riad mit den Folgen des Krieges. Sie forderten die USA und Großbritannien zum raschen Rückzug ihrer Truppen auf. Bei ihrem Treffen in Riad bekräftigten die Außenminister zudem das Recht der Iraker auf die freie Wahl ihrer Regierung. Eine von US-Experten geführte Übergangsverwaltung in Bagdad lehnten sie ab.

US-Drohungen gegen Syrien verurteilt

Nach Ansicht des saudi-arabischen Außenministers Prinz Saud al Feisal sollen die 1990 gegen den Irak verhängten UN-Sanktionen erst aufgehoben werden, wenn in Bagdad eine unabhängige Regierung im Amt ist. Die Besatzungsmächte hätten außerdem kein Recht, die irakischen Ölvorkommen auszubeuten. Er forderte die USA und Großbritannien als Besatzungsmächte auf, ihre internationalen Verpflichtungen zu erfüllen und für Recht und Ordnung sowie den Schutz des nationalen kulturellen Erbes des Iraks zu sorgen. Die Drohungen der USA gegen Syrien wurden verurteilt.

An dem von Prinz Saud al Feisal einberufenen Treffen nahmen auch die Außenminister Ägyptens sowie Bahrains teil. Bahrain hat derzeit den Vorsitz in der Arabischen Liga. Die Nachbarn des Iraks sind die arabischen Länder Kuwait, Saudi-Arabien, Jordanien und Syrien sowie die islamischen Staaten Türkei und Iran. Große Erdölproduzenten wie Saudi-Arabien, Iran und Kuwait befürchten unter anderem, dass eine vom Irak ausgelöste Erdölschwemme zu einem Preisverfall auf dem Weltmarkt führen wird. Die Nachbarländer des Iraks sind außerdem besorgt, dass der Irak in einen kurdischen, sunnitischen und schiitischen Teil zerfallen könnte und dass Stabilität und Sicherheit in der Region nicht mehr gewährleistet seien.