Nahost-Konflikt Israelische Kampfhubschrauber töten Hamas-Führer


Israelische Kampfhubschrauber haben im Zentrum von Gaza den militanten Hamas-Führer Ismail Abu Schanab bei einem gezielten Raketenangriff getötet. Hamas erklärte daraufhin die Waffenruhe mit Israel für beendet

Als Reaktion auf den blutigen Selbstmordanschlag in Jerusalem hat Israel erstmals seit fast zwei Monaten wieder in einer Militäraktion einen Hamas-Führer getötet. Wie die radikale Organisation mitteilte, kam der ranghohe Funktionär Ismail Abu Schanab zusammen mit zwei Leibwächtern ums Leben, als ein Kampfhubschrauber fünf Raketen in sein Auto feuerte. Die palästinensische Führung kündigte unterdessen ein begrenztes Vorgehen gegen Extremisten an.

Hamas erklärt Waffenstillstand für beendet

Schanabs Wagen explodierte in einem belebten Viertel Gazas. Nach Krankenhausangaben wurden 15 Passanten verletzt. Hamas-Sprecher Ibrahim Hanieh erklärte daraufhin, die Organisation fühle sich nun nicht mehr an den Waffenstillstand vom 29. Juni gebunden. Israel hat bereits mehrfach Extremistenführer in gezielten Aktionen getötet, dies aber seit Erklärung der Waffenruhe ausgesetzt. Der palästinensische Ministerpräsident Mahmud Abbas kritisierte die Aktion und erklärte, diese gefährde einen geplanten Schlag seiner Behörde gegen die Extremisten.

Weitere Militäraktionen

Die israelische Regierung startete auch in den Städten Nablus, Dschenin und Tulkarem im Westjordanland erste Militäraktionen. Truppen rückten am Donnerstagmorgen mit Panzern ein und durchsuchten Häuser. Mindestens 20 mutmaßliche Extremisten wurden festgenommen. In Hebron zerstörten Soldaten das Haus des Attentäters, der am Dienstag mindestens 20 Menschen mit in den Tod gerissen hatte. In Tulkarem erschossen Soldaten nach palästinensischen Angaben am Mittwochabend einen 16-jährigen Palästinenser.

Abbas will "umfassend vorgehen"

Abbas ordnete als ersten Schritt die Festnahme aller direkt an dem Anschlag vom Dienstag beteiligten Extremisten an und bat sein Kabinett um Vorschläge für ein umfassendes Vorgehen. "Das ist eine Kampagne, die sich Hamas und Islamischer Dschihad nicht in ihren schlimmsten Albträumen ausgemalt haben", sagte ein Sprecher des palästinensischen Sicherheitschefs Mohammed Dahlan, Elias Sananiri. "Es gibt eine Liste von Personen, die festgenommen werden sollen."

Weiter Streit zwischen Abbas und Arafat

Zuvor hatte es zwischen Abbas und dem palästinensischen Präsidenten Jassir Arafat offenbar große Differenzen bezüglich des Vorgehens gegen die Extremisten gegeben. In einer Sitzung in Ramallah soll es in der Nacht zum Donnerstag zwischen beiden zu lautstarken Wortgefechten gekommen sein. Während Abbas nach Informationen aus Teilnehmerkreisen ein härteres Vorgehen gegen Extremisten forderte, mahnte Arafat zur Zurückhaltung. Ansonsten könne es zu einem Bürgerkrieg kommen. Abbas habe mit seinem Rücktritt gedroht, falls Arafat sein Vorgehen nicht voll unterstütze.

In einer weitgehend allgemein gehalten Erklärung verurteilte die palästinensische Führung anschließend den Selbstmordanschlag. Sie verständigte sich darauf, weiter an der Umsetzung des internationalen Friedensplans zu arbeiten. Die so genannte Road Map fordert von den Palästinensern die Auflösung der militanten Organisationen. Laut der Erklärung will die Autonomiebehörde die Waffen der Extremisten unter Kontrolle bringen. Außerdem sollen öffentliche Kundgebungen der militanten Gruppen verboten werden.

DPA

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